Vom Kgalagadi NP zum Namaqua NP

Wenn dir mein Blog zu viel zum Lesen ist, scrolle einfach runter und geniesse die Bilder. Wenn du den Text jedoch liest, bist du fast dabei im Abenteuer und lernst dabei auch noch was über Südafrika. Ganz nach dem Motto «Digging deeper». Ich weiss von einigen von euch, dass sie das hier ganz genau lesen und geniessen. Sei es für sich selber oder es wird sogar bei einem guten Wein vorgelesen. Manchmal stelle ich es mir bildhaft vor und schmunzle dabei etwas. Danke für dein Interesse.

23.8.2026 Sonntag, Kgalagadi, Twee Rivieren – Upington, Monate Camping

Die Tage im Kgalagadi sind wie im Flug vorbeigegangen. Die Sichtungen waren nicht üppig, aber ordentlich schön. Ich hoffe, die Bilder vom letzten Blog haben dir gefallen. Wir fahren los mit Ziel Upington. Das sind etwa 250 km Fahrt. In der Stadt ist Einkaufen und Essen angesagt. Danach auf den Monate Camping, der nördlich der Stadt liegt. Hier wird nun gepackt. Ruckzuck ist der riesige Seesack voll und der Tag auch schon vorbei.

24.8.2026 Montag, Upington, Monate Camping – Oranjerus Resort

Heute ist es so weit und Tim muss leider zurück in die Schweiz fliegen. Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen. Viel erlebt. Viel gelacht.

Heute ist erst ausschlafen angesagt. Danach Frühstück und die letzten Sachen packen. Natürlich sind die erlaubten 23 kg wieder mal viel zu wenig und so kann nicht ganz alles mit nach Hause, was ich mir gewünscht habe. Gegen Mittag dann die Fahrt zum Upington Flughafen, der nur wenige Kilometer vom Camp entfernt liegt. Von hier gehen übrigens täglich 5 Maschinen von Airlink weg. Teils nach Kapstadt und teils nach Johannesburg. Tim verschwindet im kleinen Flughafen und ich fahre zurück in die Stadt Upington, wo ich noch einige Dinge kaufen möchte. Auftanken steht auch an und natürlich ein Besuch bei meiner liebsten Bäckerei Südafrikas. Ein grosses Sauerteigbrot und andere Sachen erwerbe ich. Dann werde ich in das Geheimnis vom Sauerteig eingeführt. Mit handschriftlicher Anleitung und Starter, den er schon über 10 Jahre pflegt, gehe ich zum Fahrzeug. Leider finde ich nicht alles in der Stadt, was ich noch so gerne gekauft hätte und so gibt es nochmals ein Mittagessen bei Spur. Ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich wirklich noch eine Nacht in Upington bleiben will. Beim Mittagessen dann der Entscheid. Ich werde diesmal am südlichen Flussufer vom Oranje River entlang nach Westen fahren. So quere ich den River gleich hinter der Stadt und fahre die «Jooste Eiland Road». Die Strasse ist sehr kurvenreich und führt malerisch an etlichen ordentlichen Wohnhäusern vorbei. Später komme ich auf die R359, die immer mal an einem Wasserkanal vorbeiführt. Schon stehe ich am Gate vom Oranjerus Resort, wo ich diese Nacht verbringen werde. Die Preise sind sehr hoch, doch ich will mal sehen, was dafür geboten wird. Es hat normale Plätze wie ich ihn wähle für 500 Rand pro Platz und es hätte noch Plätze direkt am Fluss für 800 Rand. Jeder Platz hat Strom und Wasser sowie eine Braai Stelle. Alles ist super sauber. Dann habe ich noch einen Schlüssel für einen Waschraum, wo ein Klo und eine Dusche ist, die einem Mittelklassehotel nicht nachsteht. Ich geniesse den ruhigen Platz, der leider nicht im Schatten liegt. Schon habe ich Kontakt mit meinen beiden Nachbarn, die mich beide schon vom Kgalagadi kennen. Das hat man davon mit so einem auffälligen Fahrzeug. Irgendwie bin ich gleich bekannt wie ein bunter Hund. Etwa um 17 Uhr kommen zwei Angestellte vorbei und bringen mir kostenlos ein grosses Brot belegt mit Käse, Zwiebel und Tomate. Das hätte ich nicht erwartet und so ist die Frage betreffend dem Abendessen auch schon geklärt. Nach der Dusche ist es gleich stockdunkel und so setze ich mich hin, um Blog für dich zu schreiben. Eben kommt die Nachricht aus Johannesburg von Tim. Boarding. Guten Flug wünsche ich.

Ich entdecke noch ein gravierendes Problem mit meiner Navigationssoftware. Ich explodiere förmlich, da ich mich 100 % auf die verlassen können muss und nun das. Ich verfasse einen Eintrag und will den kurz danach erweitern. Der Eintrag ist weg. Also nochmals und es ist das gleiche Resultat. Saperlot, da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt. Ich boote das Tablet. Nochmals das gleiche Resultat. Ich öffne ein Ticket beim Support. Probiere es nochmals, nun geht es. Ich entdecke die Synchronisation im Hintergrund. Ich stelle die ab und nun geht alles wie gewünscht. Die Sache mit der Synchronisation machte mir schon etliche Male Probleme. Nun mache ich halt immer mal von Hand ein Backup.

Eben noch das Bett auf Single umgebaut. Nun habe ich wieder ein Bett, das ich nicht jeden Abend bauen muss und trotzdem einen Sitzplatz mit Tisch. Das nenne ich wahrer Luxus. Ich liebe meinen Sprinter. Er hat genau die richtige Grösse für eine Person. Ach ja, seit Windhoek vor ein paar Monaten sind es schon weit über 19000 Kilometer. Das Land hat eine unvorstellbare Grösse. Aber auch in den Nationalparks werden immer viele Kilometer gefahren. Es klopft an der Türe und mir wird ein riesen Stück Wurst gereicht. Es ist ein Stück Straussenwurst. Ich bedanke mich und geniesse. Habe ich schon mal erwähnt, wie fettig die Würste hier in Südafrika sind? Ich werde mich wohl nie wirklich daran gewöhnen. Trotzdem vielen Dank.

25.8.2026 Dienstag, Oranjerus Resort – Augrabies Nationalpark

Heute geht es nicht ganz so früh los, denn ich habe ja nicht viel auf dem Plan. Erst mal von meinen Nachbarn verabschieden und dann rauf zum Gate. Mich empfängt einer der Angestellten, der das Tor bedient. Er ist übermotiviert und es gleicht einem Film, in dem man gar nicht sein möchte. Nun fängt er auch noch an, ein Lied zu trällern, das irgendwie nicht enden will. Ich lobe ihn für seine gute Stimme und werde gleich mit einem zweiten Lied dafür bestraft. Nein, so schlimm ist es nicht, ich bin eher etwas verlegen, denn das bin ich mir nicht gewohnt. Habe ich doch auf den Reisen schon einiges erlebt, das ist nun was Neues. Ich muss sagen, der Aufenthalt hier im Oranjerus Resort war ein voller Erfolg. Nun aber raus auf die Strasse und abbiegen Richtung Westen. Ich habe geplant, die R359 weiter zu fahren, doch nach 4 Kilometern nach der Kreuzung ist es eine Rumpelpiste. So wende ich und fahre zurück zur Kreuzung, wo ein schlichtes Monument steht, das an Johanna van der Merwe (07.03.1825) im Jahre 1838 erinnert. Am 17. Februar 1838 überlebte die damals 12-jährige Johanna die sogenannten Bloukransmoorde (Weenen-Massaker). Bei diesem überraschenden Angriff von Zulu-Kriegern auf die Lager der Voortrekker starben hunderte Menschen. Johanna verlor bei dem Angriff ihre Mutter und ihre Geschwister. Ihr Vater war bereits kurz zuvor im Gefolge von Piet Retief getötet worden. Sie selbst überlebte wie durch ein Wunder schwer verletzt mit mehr als 20 Assegaai-Stichen (Speerwunden). Trotz ihrer schweren Verletzungen wuchs sie auf, heiratete später Hendrik Frederik Delport, bekam sieben Söhne und verstarb 1888 im Alter von 62 Jahren in Rouxville. Während des 100-jährigen Jubiläums des Grossen Trecks im Jahr 1938 wurde ein historischer Ochsenwagen nach ihr benannt.

So fahre ich also über den Oranje River hoch zur Hauptstrecke 14. Ich komme in eine Polizeikontrolle und werde höflich behandelt. Blinker Test und Führerschein. Die Kopie reicht dem Polizisten. Ich frage ihn, ob die R359 eine Teerstrasse oder eine Piste sei. Er meint, es sei eine Teerstrasse. Bei Keimoes dann ein erneuter Versuch, also erneut über den Oranje River. Ich gucke in die R359 und sehe nur eine Piste. Die kennen sich wohl nicht so gut aus im eigenen Revier. Egal. So fahre ich zurück zu den Brücken und entdecke ein «Oranje River Bridges Memorial». Die ursprünglichen Brücken wurden in den 1930er-Jahren während der Weltwirtschaftskrise (Great Depression) mit arbeitsintensiven Methoden und lokalen Materialien gebaut. Sie verbanden die Flussinseln und die Stadt Keimoes, um den Transport landwirtschaftlicher Produkte (vor allem Trauben und Obst) zu sichern. Die alten Einwegbrücken an der Route R27 wurden umfassend verbreitert und modernisiert, was im April 2014 offiziell eingeweiht wurde und auf der stehe ich gerade. Geschmückt ist das Denkmal mit Abfall aus der Moderne. Gleich dahinter ist das «Kai !Garib Municipality Resort». Das Eisentor ist verschlossen und ein Blick in das Gelände sagt alles. Total heruntergekommen und voll mit Müll. Das Resort hat schon mal bessere Zeiten erlebt. Anscheinend hat die Gemeinde gerade andere Sorgen, die zu lösen sind. Rechter Hand ist das «Tierberg Nature Reserve», das ich anfahre. Es ist nicht weit ab von meiner Strecke und somit will ich sehen, was es zu sehen gibt und das ist fast nichts. Nicht mal ein Hinweisschild auf den Park. Ja, heute ist es etwas enttäuschend. Bei der späteren Recherche stellt sich heraus, ich bin einfach von der falschen Seite hier hingefahren. So bekommt der Park noch eine zweite Chance, das jedoch später.

Ich fahre in den Ort Keimoes ein und biege gleich ein nach links in die 14. Ich erinnere mich an die Durchfahrt vor einigen Monaten. Da waren gerade Bauarbeiten im Gange beim Wahrzeichen der Stadt. Ein Wasserrad, das als Pumpe diente und im Kanal neben der Strasse steht. Ich halte beim Wasserrad und bin sichtlich enttäuscht. Es funktioniert immer noch nicht. Es dreht sich noch nicht einmal. Schade, ich fahre weiter. Nach dem Ort führt rechts neben der Strasse eine Eisenbahnschiene entlang. Mal näher und mal weiter entfernt. Doch mir ist schnell klar, da fährt nichts mehr. Die Bahnstrecke Upington–Kakamas in Südafrika war eine historisch bedeutende Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 610 mm (Zwei-Fuss-Spur), die am 18. August 1926 offiziell eröffnet wurde. Sie schloss die landwirtschaftlich wichtige Region entlang des Oranje-Flusses an das südafrikanische Eisenbahnnetz an. Aufgrund der geringen Achslast von unter 4 Tonnen kamen auf der rund 84 Kilometer langen Strecke leichte Dampflokomotiven zum Einsatz. Berühmt wurden hierbei die Lokomotiven der SAR-Klasse NGG 12 und NGG 14 sowie zeitweise Maschinen der Klasse NG 9. Am 19. Oktober 1949 zog die Schmalspurlokomotive NGG 12 No. 57 den letzten schmalspurigen Zug aus Kakamas ab. Innerhalb von nur zwei Tagen wurde die Strecke vollständig auf die südafrikanische Kapspur (1067 mm) umgebaut. Am 21. Oktober 1949 eröffnete die Kapspur-Dampflokomotive Class 7C No. 950 (genannt „Kakamas“) feierlich die neue Verbindung. Alles vorbei und Geschichte. Die Strasse führt an einigen recht grossen Plantagen für Orangen, Rosinen und weiterem vorbei. Bis ich kurz vor Kakamas erneut den Oranje River quere. Kakamas in der Provinz Nordkap ist eines der weltweit wichtigsten Zentren für den Anbau und die Produktion von Premium-Rosinen. Das dortige Wüstenklima bietet in Kombination mit dem Wasser des Orange River (Oranje) die idealen Bedingungen für den Wein- und Trockenfruchtanbau. Unter Farmern gilt für die Region die Devise: „Die Füsse im Wasser und den Kopf in der Hölle“ – genau das, was erstklassige Rosinen zum Reifen brauchen. Den Ort selber muss ich mir später mal genauer unter die Lupe nehmen. Kurz darauf biege ich in die R359 mit Ziel Augrabies ein. Beim Gate ist ein Formular auszufüllen und schon geht es die letzten drei Kilometer bis zum Camp. Die Strecke ist mit 6 ordentlichen Bumps (Buckel in der Strasse) bestückt. Ich checke für die nächsten fünf Nächte hier ein, reserviert habe ich schon vor einigen Tagen und so muss ich nichts mehr bezahlen. Mein Lieblingsplatz ist noch frei und warum? Die Steckdose ist gut 50 Meter vom Platz entfernt. Dafür hat der Platz einen super Schatten durch die Bäume. Draussen wuseln Klippschliefer rum und ab und an sehe ich grüne Meerkatzen (Affen), die ich weniger mag. 48 verschiedene Säugetiere sollen hier im Park leben. Ich bin ja gespannt, was ich alles zu sehen bekomme. Heute geht nicht mehr viel.

26.8.2026 Mittwoch, Augrabies Nationalpark

Heute ist ein Tag zum Ausruhen. Diverse Administrationsarbeiten stehen an. Und dann bin ich an der Planung für die kommenden Tage, was sich schwieriger als gedacht gestaltet. Unterbrochen wird das einmal durch eine wilde Affenhorde, die ich erfolgreich verjage. Und heute ist dringend Duschen angesagt.

27.8.2026 Donnerstag, Augrabies Nationalpark

Noch ein weiterer Tag Urlaub. Jedoch bin ich nun an der Planung für die kommenden Tage sowie Buchungen dazu. Dann ist das Buchen für Juli 2027 in vollem Gange. Bedeutet, jeden Tag mindestens einmal in das System gucken und bei Gelegenheit zuschlagen. Unter uns gesagt ist das eine üble Sache, doch nur so komme ich an die tollen Plätze über so lange Zeit. Was kommt denn in den nächsten Tagen? Die Tour trägt den Namen «Digging deeper» und so sind nicht nur die normalen Dinge auf der «Speisekarte», sondern auch die weniger bekannten Orte. So soll es in ein paar Tagen in das «Namaqualand» gehen. Ich habe mich schon seit Tagen mit vielen Südafrikanern auf dem Camp unterhalten und gefragt, ob sie da schon waren. Speziell die Camps an der Küste. Die Information ist sehr dünn bis nicht vorhanden und so bin ich schon etwas aufgeregt, was mich da erwartet. Der Name Namaqualand leitet sich von dem Volk der Nama (auch Namaqua) ab, einer indigenen Gruppe der Khoikhoi, die das Gebiet seit Jahrtausenden besiedeln. Die Nama gehören zu den ureigensten Völkern im südlichen Afrika und lebten dort bereits vor der Ankunft europäischer Siedler. Viele besuchen den Rand von diesem Gebiet in der Blumenzeit. Im Jahr 1926 wurden entlang der Küste von der Mündung des Oranje-Flusses nach Süden alluviale Diamanten entdeckt. Der Mittelpunkt dieser Diamantenindustrie liegt in Alexander Bay im Richtersveld. Dies ist der trockenste Teil des Distrikts, wo die Niederschlagsmenge unter 50 mm pro Jahr liegt. Diese reichen Vorkommen wurden 1928 entdeckt und beliefen sich auf fast zwei Millionen Diamanten. Weitere aktive Minen befinden sich in Kleinzee (an der Mündung des Buffalo River) und in Wolf Berg. Neben Kupfer und Diamanten werden in diesem Bezirk eine Reihe weiterer wertvoller Mineralien abgebaut, beispielsweise Sillimanit, Beryll, Spodumen, Feldspat, Glimmer und Wolfram. Nordkap (Northern Cape) gilt als die historische Geburtsstätte des südafrikanischen Diamantenbooms. Hier begann in den 1860er- und 1870er-Jahren der weltweit grösste Diamantenrausch, der das Gesicht des Landes und der weltweiten Edelsteinindustrie für immer veränderte. Südafrika erteilte 1994 seine ersten Konzessionen für den Offshore-Diamantenabbau und seitdem sind mehrere Akteure aktiv. Dazu gehören De Beers sowie Alexkor Ltd, Transhex, Bluewater Diamonds, Nautical Diamonds und Poseidon Marine. In der Zeit, wo ich da bin, ist nichts mit Internet. Ich denke, Starlink wird mir die Tage abgeschaltet und GSM ist da nicht.

Einen Ausflug zu Fuss zum schönen Wasserfall war natürlich auch auf dem Programm. Dabei ist mir aufgefallen, dass auffallend viele Menschen aus Deutschland mit Mietfahrzeugen unterwegs sind. Wie immer an einer bestimmten Stelle auf dem Weg geniessen die Dassies (Klippschliefer) die warmen Felsen und legen sich eng an diese. Wenn nur die kleinen Fliegen nicht wären. Morgen muss ich da nochmals mit der grossen Kamera hin.

28.8.2026 Freitag, Augrabies Nationalpark

Ein weiterer gemütlicher Tag. So richtig Urlaub. Spät aufstehen. Ich komme am Nachmittag ins Gespräch mit einem Ehepaar aus Kapstadt. Er ist Schweizer und so unterhalten wir uns wunderbar in Schweizerdeutsch. Ich danke für das nette Gespräch und eventuell sehen wir uns mal in Kapstadt. Ansonsten wollte ich heute nochmals Richtung Wasserfall laufen und die Klippschliefer mit der grossen Kamera ablichten. Ich bin vor Ort, doch das Model fehlt. Den Rest des Tages beschäftige ich mich mit dem Linux System und mache mal ordentliche Datensicherung sowie eine Bereinigung, da ja die Daten der letzten Monate sicher zuhause angekommen sind. Ui, schon dunkel draussen, gute Nacht.

29.8.2026 Samstag, Augrabies Nationalpark

Und gleich nochmals ein gemütlicher Tag. Einige Wartungsarbeiten stehen an. Wasser füllen ist leider nicht möglich, da es aktuell zu schlechte Qualität hat. Den Abend verbringe ich zusammen mit Schweizer Freunden. Ein sehr gemütliches Braai, vielen Dank dafür. Wir bekommen sogar noch Besuch von einer Kleinfleck-Ginsterkatze. Ich habe so ein Tier noch nie so nahe gesehen. Gute Nacht.

30.8.2026 Sonntag, Augrabies Nationalpark – Springbok Caravan Park

Nochmals etwas ausschlafen und dann der Abschied von den beiden Schweizern aus Kapstadt. Ich wünsche gute Reise und bis bald mal in Kapstadt. Das Ziel meiner Tour heute ist ein kleiner Camping in Pufadder. Das sind rund 150 Kilometer und somit keine grosse Sache. Die Strecke bis zurück auf die Hauptstrecke Nummer 14 ist auch schon einige Kilometer, die ich sehr geniesse. Immer wieder sehe ich Plantagen für Rosinen, Orangen oder was auch immer. Einmal sehe ich auch ein Schild der bekannten Marke «Dole». Dann also immer auf der Nummer 14 Richtung Westen. Die Gegend ist wie eine Steppe und sehr trocken. Ab und an steht ein Köcherbaum (Aloe dichotoma) und in der Ferne beidseitig immer mal ein Bergzug. Diese Bäume findet man in Namibia und eben hier in der Provinz Nordkap. In der Ebene stehen nur ganz vereinzelt welche, doch an den Hängen der Berge sind viele zu sehen. Als 1685 der holländische Gouverneur der südafrikanischen Kapkolonie während einer Expedition auf der Suche nach Kupfer auf diese Pflanze stiess, konnte er Ureinwohner dabei beobachten, wie sie Äste vom Baum trennten, sie aushöhlten und zu Köchern für ihre Jagdpfeile verarbeiteten. Es war die Geburtsstunde des Namens „Köcherbaum“, wenn auch erst einmal nur in der Afrikaans-Version „Kokerboom“. Ich treffe in Pufadder ein und biege in die Strasse ein, wo das Camp für heute ist. Ich stehe so davor und gucke nochmals auf die Uhr. Der Entscheid ist gefällt und ich fahre doch noch bis nach Springbok, was in etwa nochmals die gleiche Distanz ist. Ich passiere die Abzweigung für den Namaqua 4×4 Eco Trail und dann erscheint schon bald das Gebiet der Gamsberg Zink Mine. Hier wird in grossem Stil Zink und Blei im Tagebau abgebaut. Der Besitz ist wie folgt aufgeteilt: Vedanta Zinc International (ca. 69,6 % Anteile), zusammen mit Exxaro Resources (24,4 %) und einem Beteiligungsprogramm für Mitarbeiter (ESOP, 6 %). Die Mine gehört zu den grössten unerschlossenen Zink-Lagerstätten der Welt mit einer geschätzten Lebensdauer der Mine von über 30 Jahren und wurde im Jahr 2019 eröffnet. Seit 2019 werden rund 4 Millionen Tonnen Roherz pro Jahr (MTPA) aus dem Tagebau gewonnen. Die angeschlossene Aufbereitungsanlage produziert jährlich etwa 250.000 Tonnen Zink-in-Konzentrat (Zinkmetall im Konzentrat). Ein Ausbau steigert das Volumen auf das Doppelte. Damit in 30 Jahren nicht Schluss ist, wird schon heute angefangen, unter Tage zu suchen. Etwas weiter dann die kleine Stadt Aggeneys. Die Strasse führt jedoch nicht durch, sondern am Rand vorbei. Nahe ist auch die «Black Mountain Mine». Später passiere ich das «Karas Nature Reserve», «Marietjie van Niekerk Nature Reserve», «Areb Nature Reserve» und «Smorgenskadu Nature Reserve». Es ist seit langem bekannt, dass Inselberge einzigartige Pflanzenarten beherbergen, weshalb der Leslie Hill Succulent Karoo Trust (LHSKT) diese einzelnen Berge erstmals als oberste Priorität für den Naturschutz identifizierte. Die Reservate gehören zum Sukkulenten-Karoo-Biom im trockenen westlichen Teil Südafrikas, das kürzlich von der UNESCO als das „biologisch vielfältigste Trockengebiet der Welt“ beschrieben wurde. Doch bis März 2020 waren diese Buschmannland-Inselberge des Nordkaps ungeschützt. Mit der Ausrufung von vier neuen Provinzreservaten ist dies nun nicht mehr der Fall. Zusammen repräsentieren sie rund 5.700 Hektar zweier bisher ungeschützter Vegetationstypen: Bushmanland Inselberg Shrubland und Aggeneys Gravel Vygieveld, zusätzlich zu einem anderen schlecht geschützten Vegetationstyp, Bushmanland Arid Grassland, und tragen so zu nationalen und internationalen Naturschutzzielen bei. Kurz darauf sehe ich dann das «Goegap Nature Reserve» und schon bin ich in Springbok, wo ich erst mal eine Tankstelle anfahre. Etwas über 50 Liter passen in den Tank und so habe ich einen Kummer weniger. So fahre ich den etwas ausserhalb der Stadt gelegenen Springbok Caravan Park an, wo ich einen netten Platz bekomme. Vor mir ist übrigens eine Gruppe mit 30 Personen und unzähligen Fahrzeugen eingetroffen. Ein Paar aus Zürich steht auch auf dem Platz. Ich hänge das Stromkabel an und mache mir gleich etwas Couscous. Ich stehe nun am Rande vom 16000 ha grossen «Goegap Natur Reserve». Hier wurden bisher rund 600 verschiedene Pflanzenspezies gezählt.

31.8.2026 Montag, Springbok Caravan Park

Der letzte Tag im August. Ich bin etwas unschlüssig, was ich heute alles erledigen will. Erst mal Frühstück und den vernachlässigten Blog aufarbeiten. Ich muss mich an der Nase nehmen und wirklich disziplinierter gleich am Abend das Erlebte niederschreiben. Die letzte Nacht war es etwa 10 Grad und am Tag soll es kaum über 23 Grad werden. Am Donnerstag wird sogar Regen erwartet. Ich lasse mich überraschen, da ich es eh nicht ändern kann.

1.9.2026 Dienstag, Springbok Caravan Park (Goegap Natur Reservat)

Oha, wieder ist ein Monat um. Mit anderen Worten, ich bin nun seit 148 Tagen in Südafrika. Langweilig? Nicht die Spur. Im Gegenteil, ich fange an, das Land immer mehr so zu lieben wie es ist. So, genug geschwärmt, was geht heute ab? Ich habe mir in der Nacht einen Plan zurechtgelegt, der jedoch meist nicht so kommt wie gedacht und genau so ist es auch heute wieder mal. Ich habe in Springbok ein Museum gesehen, das ich besuchen möchte. So fahre ich in die Stadt, quere sie und am Hang oben steht eine Synagoge, die zu einem Museum umfunktioniert wurde. Ich betrete das «Museum» und frage die Dame, die im Raum steht, ob es wirklich ein Museum ist. Sie bestätigt dies, doch in meinen Augen ist es eher ein provisorisches Büro mit einem Möbellager und etwas Gerümpel, das lieblos da liegt. Gut, so spare ich einiges an Zeit und fahre erst mal zum Einkaufen. Der grosse Parkplatz ist mir nicht ganz geheuer und so parke ich nochmals um, direkt neben dem Supermarkt. Innen ist er sehr modern und bietet fast alles, was ich suche. Ich muss ja aufstocken für die nächsten Tage. Ich werde da nichts bekommen. Einige Dinge fehlen noch und ich hoffe, ich bekomme das in der nächsten Stadt. Wenn nicht, geht es auch ohne. Nun aber los zum wichtigsten Punkt vom heutigen Tag. Nein, nicht das Essen. Ich besuche noch das 160 km2 grosse «Goegap Natur Reservat», das seit 1966 existiert. Der Name kommt vom Namawort für Wasserloch. Ich war hier schon mal und ich will nachsehen, was sich verändert hat. Nicht weit vom Campingplatz aus zweigt eine Strasse ab und führt an der Landepiste für kleine Flugzeuge entlang. Den Springbok Airport (IATA code: SBU, ICAO code: FASB). Die Asphalt-Platzhöhe ist 820 m MSL. Die Länge beträgt 1589 Meter. Designator 10/28. Nur falls du da mal landen möchtest. Am Ende der Piste ist das Gate und eine Station, wo ich mich erst melden muss. Leider gilt hier die Wildcard nicht und da ich noch nicht 60 bin, bekomme ich auch keinen Rabatt. Es sind 40 Rand (etwa 2 CHF) Eintritt fällig. Wenn ich die drei 4×4 Touren à je 20 km auch machen will, sind nochmals 240 Rand (12 CHF) fällig, worauf ich jedoch verzichte. Das will ich mal in der vollen Blütenpracht fahren. Ich frage die Dame betreffend Tiere und sie meint: Bergzebras könnte man sehen, doch die sind extrem selten und schon länger nicht mehr gesichtet worden. Das sind ja schöne Aussichten. So mache ich mich auf den Weg durch das Gate bis zur Station, wo ein wunderbarer Garten angelegt ist. Es hat sich eigentlich nichts verändert, wie ich sehe. Ich besuche noch den «Aloe Garden», wo einige wunderschöne Köcherbäume stehen. Diese sind auf einem kleinen Hügel angeordnet und ich gucke mich genau um. Zurück beim Fahrzeug studiere ich die Parkkarte und entdecke die Picknick-Plätze. Es sind 10 an der Zahl, wunderbar weit auseinander auf einer kleinen Piste in Richtung Berge. So fahre ich einen der letzten Plätze an und ruhe erst mal. Ich studiere die Karten, die ich an der Reception bekommen habe, ganz genau. Ich bemerke, dass der Park ganz gut besucht wird und sogar eine ganze Busladung Rentner angefahren kommt. Von meinem Platz aus habe ich beste Sicht, alles genau zu beobachten. Ich merke mir, was die Fahrzeuge machen. Die meisten fahren zurück zum Gate. Einige fahren die 4×4 Strecke los. Und dann sind noch einige Leute, die die ein oder andere Wanderung von 6 oder 8 km auf sich nehmen. Ich stelle fest, keines der Fahrzeuge nimmt den Weg hinter den Picknick-Plätzen. Das ist eine kleine Runde um einen 1203 Meter hohen Berg herum. Während ich so grüble, entdecke ich eine wunderbar bunte Echse auf einem Felsen bei meinem Platz. Ich frage die Echse, ob sie etwas wisse, wo die Zebras sind. Leider bekomme ich keine Antwort, doch ich habe eine Idee. Ich fahre die kleine Runde um den Berg, wo niemand ist. Ich als Zebra würde genau da meine Ruhe suchen. Etwa um 14 Uhr tuckere ich im Schritttempo los und hoffe, mich sieht keiner. Es geht über einen Bergsattel und dann in ein weites Tal hinein. Vereinzelt sehe ich gelbe und orange Blumen. Es muss gewaltig sein, wenn hier alles blüht. Dazu bin ich zu spät hier. Nach einigen Kilometern mache ich eine 90-Grad-Rechtskurve und die Piste, die recht sandig ist, geht immer höher in die Berge. Die Gegend ist wunderschön und ich entdecke ab und an kleine Vögel. Nur von den Zebras leider keine Spur. Doch, ich entdecke einen Schädel, der ganz sicher von einem Zebra stammt. Immerhin. Erneut nach einigen Kilometern eine Rechtskurve und es geht steil den Hang hinunter. Immer wieder halte ich und suche die Gegend mit dem Fernglas ab. Zwei Kilometer vor dem Ende entdecke ich linker Hand in sehr weiter Entfernung erst 4 und dann 6 Bergzebras und juble innerlich. Die Bilder werden sicher nicht der Knüller, doch ich habe sie gesehen. Was ist denn nun der Unterschied zu den Zebras im Kruger Nationalpark? Die hier haben ganz breite schwarze Streifen und die Schattenstreifen der Steppenzebras fehlen gänzlich. Über den Rücken und den Bauch zieht sich ein schmaler Längsstreifen. Das sind sogenannte «Hartmann Mountain Zebra». Ein Verband zählt meist bis maximal 13 Tiere (Hengst, 5 Stuten und sieben Fohlen) und so ist meine Gruppe mit 6 Tieren keine schlechte Sichtung. Zurück beim Gate meint die Dame, ich bin einer der hier sehr lang im Park verblieben ist. Ich vermelde meine Zebra-Sichtung und die Dame ist begeistert davon zu hören. Andere Ranger werden gerufen und ich berichte, wo ich sie gesehen habe. So fährt gleich ein Fahrzeug mit Ranger los, um es auch zu sehen. Wenn das kein erfolgreicher Tag war. So fahre ich zurück zum Camp und bekomme meinen Stammplatz. Ich mag den mittlerweile, da er etwas Schatten bietet. Nun aber noch schnell Wasser bunkern für die kommenden Tage.

Die erste Kupfermine in Springbok und die erste kommerzielle Mine in ganz Südafrika war als Blue Mine bekannt und ist noch heute zu sehen. In Springbok selbst gibt es mitten in der Stadt einen interessanten Koppie (Felsvorsprung), der von zahlreichen Denkmälern umgeben ist. Während des Anglo-Buren-Krieges 1899–1902 nutzten die Briten diesen Hügel zum grossen Leidwesen der Buren als Festung. Die Buren unter General Smuts schlichen sich schliesslich an das Fort heran und sprengten es, wodurch er einen Sieg über die britische Garnison in Springbok sicherte. Der erste ist der alte Schmelzofen, der nördlich von Springbok zu finden ist und heute der älteste seiner Art im südlichen Afrika ist und zum Nationaldenkmal erklärt wurde. Die Schmelze wird seit 1871 nicht mehr genutzt. Der alte Minenschacht, den «Simon van der Stel» bereits 1685 gegraben hat, ist östlich von Springbok an der Stelle Carolusberg noch zu sehen. In Okiep gibt es einen alten Schornstein, der 1880 von der Cape Copper Company gebaut wurde und als Lüftungsschacht für die Mine diente. Ausserdem wurde er zum Nationaldenkmal erklärt.

Dass die einheimische Bevölkerung in der Region um Springbok und im gesamten Namaqualand (Provinz Nordkap) oft eine deutlich hellere, gelblich-bräunliche Hautfarbe hat, liegt an der besonderen demografischen und evolutionären Geschichte dieser Region. Die ursprünglichen Einwohner dieser extrem trockenen Region im Westen Südafrikas sind nicht die bantusprachigen Völker (wie die Zulu oder Xhosa), die eine sehr dunkle Hautfarbe haben. Stattdessen ist das Namaqualand die Heimat der Nama (Teil der Khoikhoi) und der San. Diese indigenen Gruppen trennten sich genetisch schon vor über 100.000 Jahren von den Vorfahren anderer afrikanischer Populationen. Durch die evolutionäre Anpassung an die Region entwickelten sie eine von Natur aus hellere, oliv- bis gelbbraune Haut, oft kombiniert mit hohen Wangenknochen. Das Nordkap ist die grösste, aber am dünnsten besiedelte Provinz Südafrikas. Die grossen Bantu-Migrationen, die vor rund 2.000 Jahren aus dem Norden Zentralafrikas Richtung Süden zogen, besiedelten vor allem die fruchtbaren Regionen im Osten und Norden Südafrikas. Die extrem trockene Wüsten- und Halbwüstenlandschaft rund um Springbok blieb von dieser Einwanderung weitgehend unberührt. Deshalb blieb der genetische Fussabdruck der hellhäutigeren Urbevölkerung hier bis heute dominant erhalten. Die Nama sprechen Khoekhoegowab, eine Sprache, die für Aussenstehende extrem schwer zu erlernen ist. Sie gehört zu den Khoisan-Sprachen und zeichnet sich durch vier verschiedene Klick- und Schnalzlaute aus, die mit der Zunge an unterschiedlichen Stellen im Mund erzeugt werden und die Bedeutung der Wörter komplett verändern. Ende des 19. Jahrhunderts drang das Deutsche Kaiserreich in das heutige Namibia („Deutsch-Südwestafrika“) ein. Unter Führung ihres legendären Kapteins (Häuptlings) Hendrik Witbooi leisteten die Nama erbitterten Widerstand gegen die Landenteignung und Unterdrückung. Als Reaktion darauf befahl der deutsche General Lothar von Trotha die Vernichtung des Volkes. Zwischen 1904 und 1908 verübten die deutschen Kolonialtruppen einen Völkermord an den Herero und Nama. Schätzungsweise 80 % der Nama-Bevölkerung wurden systematisch getötet oder starben unter grausamen Bedingungen in Konzentrationslagern (wie auf der berüchtigten Haifischinsel bei Lüderitz). Im Richtersveld (nahe Springbok in Südafrika) gibt es die weltweit letzte Region, in der Nama-Hirten noch immer die traditionelle, nomadische Viehwirtschaft betreiben. Dieses Gebiet gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

2.9.2026 Mittwoch, Springbok Caravan Park – Kamieskroon «Kroon Lodge»

Die Nacht ist etwas kürzer, da ich etwas nach 02:00 anfangen muss, meine Wunschplätze für den Monat August 2027 zu buchen. Um diese Zeit macht SANParks jeweils die neuen Daten öffentlich und die sind schneller weg als man gucken kann. Nun fehlen mir nur noch 4 Tage im Juli 2027, doch die bekomme ich schon noch. Mehr Kummer machen mir die Buchungen für den kommenden Oktober, aber das ist eine andere Geschichte.

Heute ist ein Ortswechsel angesagt. Ich bringe mich etwas in Position für den kommenden Nationalpark. So fahre ich erst nochmals in die Stadt Springbok und kaufe nochmals einiges ein. Diesmal bei Checkers. Diesen Laden mag ich ganz gut. Nun aber auf der Strasse Nummer 7, die bis nach Kapstadt führt, etwas nach Süden. Die Strasse ist in ordentlichem Zustand und ich komme gut voran. Es geht durch eine wunderbare Berglandschaft, doch die ist nicht schroff, sondern eher alles abgerundet, als sei Colani der Baumeister gewesen. Das Ganze erinnert mich an den Gotthard. Oben auf dem Pass schaut es genau so aus, nur ist es hier wärmer und hat keinen Schnee. Die Strasse passiert den Voëlklip se Berg (Berg des Vogelsteins). Hier in der Gegend leben 2 Menschen pro km2 und genau hier komme ich in eine riesige Polizeikontrolle. Ich zähle mehr als 20 Polizeifahrzeuge und entsprechend viele Polizisten. Ich werde befragt, wo ich herkomme, dann wollen sie meinen Führerschein und das Carnet sehen. Alles sehr freundlich. Klar ist hier eine grosse Kontrolle. Ist es doch die wichtigste Strasse von Namibia im Norden nach Kapstadt. Nun geht es weiter, vereinzelt an Höfen mit Ziegen vorbei. Ich erreiche Kamieskroon, wo ich erst etwas in das Dorf hineinfahre. Ich entdecke eine stattliche Kirche und ein Geschäft mit landwirtschaftlichen Produkten. Ich sehe mich um und finde tatsächlich Schrauben und Winkel, wie ich es schon länger suche. Nun fahre ich noch zur Kroon Lodge, wo ich für zwei Nächte auf dem Camping stehen werde. Die Besitzer sind super freundlich und hilfsbereit. Ich nutze die Zeit, eine Waschmaschine voll zu waschen. Leider ist das weniger erfolgreich. Nun ist alles voll mit Fuseln und nicht wirklich sauber, da es nur Kaltwäsche gibt. Egal. Eben bekomme ich noch eine Mail von SANParks, dass das einbezahlte Geld doch noch eingetroffen ist und wie auf einem Konto zur Verfügung steht. DANKE. Sind immerhin etwas über 300 CHF, von dem wir hier sprechen. Der Platz, wo ich stehe, kostet für zwei Nächte 380 Rand (19 CHF). Die neuen Schrauben werden bei meinem Tisch verbaut und die Winkel in der Schublade für ein Trennfach eingesetzt. Das Abendessen gönne ich mir heute im «Kliphuis Kombuis», das unweit über der Strasse liegt. Die haben keine Karte, sondern es gibt halt, was es gibt. Der Campingplatzbesitzer hat für mich einen Platz reserviert und ich lasse mich überraschen. Zurück vom Essen, es war fantastisch. Wunderbar zubereitet und alles sehr zart. Einfach perfekt. DANKE.

Eben habe ich den zweiten Tracker und das Notrufgerät aktiviert. Es ist mir doch zu heikel, ohne so ein Gerät in abgelegene Gegenden zu fahren.

3.9.2026 Donnerstag, Kamieskroon «Kroon Lodge»

Gut gegessen und gut geschlafen. Was will man mehr. Die Tests mit dem neu aktivierten SPOT sind gut verlaufen und die Daten werden wie die vom SPOT Trace in meiner Webseite integriert. Heute ist Ruhetag und es fällt tatsächlich etwas Regen. Immer wieder gehe ich die verschiedenen Karten, die mir zur Verfügung stehen, durch und suche nach dem besten Weg sowie Orten, die einen Besuch lohnen könnten. Ich merke, wie ich mich sogar etwas unsicher fühle beim Betreten von Neuland. Bewege ich mich doch die letzten Monate dauernd in bekanntem Umfeld. Nun ist die Neugier jedoch grösser und ich freue mich, das neue Gebiet zu «erfahren». Da das Restaurant gestern so hervorragend war, besuche ich es heute um 18:30 gleich nochmals. Zudem bin ich doch die kommenden Tage auf mich gestellt und so lasse ich mich gerne etwas kulinarisch verwöhnen. Das Essen ist hervorragend und zur Feier des Tages gönne ich mir heute noch einen Nachtisch (Malva Pudding) und einen heissen Kakao dazu. Malva Pudding ist eine südafrikanische Spezialität. Eigentlich gar kein Pudding, sondern ein Kuchenstück mit heisser Vanillecreme. Göttlich, wenn er gut gemacht ist und hier ist er hervorragend. So laufe ich dann ordentlich satt zurück zum Camp, wobei ein Auto an mir vorbeifährt. Es biegt ebenfalls beim Camp ein. Tja, 500 Meter sind schon sehr weit. Ach ja, im Restaurant gibt es keinen Alkohol und somit keinen Wein. Für mich genau richtig. Beim Camp ist noch Licht bei der Rezeption und so halte ich noch kurz für einen kleinen Schwatz. Nun aber zum Fahrzeug, huch, da liegt doch eine 5-Rand-Münze. Ich sage das der netten Dame von der Rezeption und die schmunzelt. Sie hat die auf dem Weg hingelegt. Was für eine nette Idee. Nun aber ins Bett, gute Nacht.

4.9.2026 Freitag, Kamieskroon «Kroon Lodge» – Namaqualand NP Boulderbraai Nr. 11

Weltberühmt ist der Park für seine spektakuläre Transformation im südafrikanischen Spätwinter. Nach den spärlichen Winterregen verwandelt sich die ansonsten staubtrockene Halbwüste für wenige Wochen in ein riesiges, farbenprächtiges Blütenmeer aus Millionen orangefarbener, gelber und weisser Wildblumen. Die Region beherbergt mehr als 3.500 Pflanzenarten, von denen über 1.000 endemisch sind. Neben den temporären Blumenwiesen wachsen hier tausende Arten von wasserspeichernden Sukkulenten (wie die Vygies) und markante Köcherbäume (Quiver Trees). Natürlich bin ich dieses Jahr zu spät. Immerhin sind noch vereinzelt Blumen zu sehen.

Der Caracal 4×4 Eco Trail (auch Caracal Eco Route genannt) ist das ultimative Offroad-Abenteuer im Namaqua-Nationalpark. Er ist kein künstlicher Hindernisparcours, sondern eine landschaftlich atemberaubende „Berg-zu-Meer“-Route, die speziell dafür konzipiert wurde, Reisenden die enorme Vielfalt der verschiedenen Ökosysteme des Parks zugänglich zu machen. Ein echtes Allradfahrzeug mit guter Bodenfreiheit und Untersetzung (Low Range) ist zwingend erforderlich. Für normale Pkw oder reine 2×4-Fahrzeuge ist der Trail gesperrt. Fahrer sollten in der Lage sein, den Reifendruck für die Sandpassagen anzupassen. Das Mitführen von Anhängern oder Offroad-Wohnwagen ist für erfahrene Fahrer erlaubt. Grosse Raubtiere gibt es kaum, aber der Park ist Heimat für an die Trockenheit angepasste Tiere wie Springböcke, Gemsböcke (Oryx), Löffelhunde, die seltene Padloper-Schildkröte sowie über 150 Vogelarten. So fahre ich vom Camp los direkt auf die Piste, die zu einer Unterführung führt. Kurz darauf komme ich beim Gate an. Hier ist noch niemand und so passiere ich das Tor und fahre hoch, wo die Parkverwaltung ist. Beim Hochfahren vernehme ich einen lauten metallischen Knall, dessen Ursache ich unter dem Fahrzeug vermute. Erst denke ich, das Geräusch ist genau so wie wenn eine Querblattfeder bricht. Ich merke jedoch keine Einschränkung und so fahre ich weiter. Das muss ich die Tage mal genauer untersuchen. Die Dame an der Reception ist freundlich und nimmt sich viel Zeit, alles schriftlich festzuhalten. Sie ist erstaunt über meine vielen Buchungen, anscheinend nehmen sich nicht viele Menschen Zeit, den Park genauer unter die Lupe zu nehmen. Am Ende der langen Prozedur habe ich das Permit für die kommenden Tage in den Händen und darf losfahren. Erst geht es anständig hoch bis zum «Roof of Namaqua Picknick Platz». Der Name ist tatsächlich berechtigt. Ich halte jedoch nicht, sondern fahre regelrecht im Schritttempo weiter. Ich werde auch bald schon mit 3 Oryx-Antilopen und einigen Steenböcken reichlich belohnt. Ich merke schnell, wie die Tiere hier gar nicht an Menschen gewöhnt sind und daher sehr scheu sind. Am Hang sehe ich viele Köcherbäume und immer mal wunderschöne Blüten. Mein erster Halt ist beim «Koeroebees Picknick Platz», wo auch einige Ruinen Zeugen der Vergangenheit sind. Der richtige Ort für ein Frühstück. Es ist zwar schon spät, aber durch die Aufregung habe ich es bis jetzt gut ausgehalten. Es geht weiter, wobei mir bald ein Landrover mit Nummernschild aus Österreich entgegenkommt. Er fährt seitlich ran, um mich in der schmalen Piste passieren zu lassen. Ich halte und will fragen, ob er was Nettes gesehen hat. Darauf ist er gar nicht eingestellt, ja eher überrumpelt. So erzähle ich ihm von meinen Sichtungen, die er nicht ganz ernst nimmt. Er meint, er habe bis jetzt nichts gesehen. So fahre ich weiter und sehe im Rückspiegel, wie er flott weiterfährt. Nun ja, so würde ich auch nichts sehen. Ich passiere eine Wasserstelle für Tiere und komme zum Gate kurz vor Soebatsfontein. Vor dem Gate sehe ich zwei Hunde im Nationalpark fröhlich jagen. Das ist eigentlich nicht der Sinn der Sache. Der kleine Ort besteht aus wenigen Häusern und einem kleinen Gasthof, wie ich sehe. Das Ganze ist etwas unorganisiert und leider liegt viel Müll rum. Zum Glück sind bei uns die Deckel der PET-Flaschen fest mit der Flasche verbunden und die Trinkhalme aus Papier. Ironie off. Nach wenigen Kilometern führt ein Weiderost erneut in den Nationalpark. Der Weg dahin ist leider etwas ruppig. Bei einigen Ruinen und einem Friedhof dann eine Linkskurve. Ich sehe immer mal wieder Steenböcke und dann auch Strausse. Ich bin total glücklich, so viele Tiere zu sehen. Und dann sehe ich gerade noch eine sehr seltene «Speckled Padloper Schildkröte». Das Tier ist etwa 10 cm lang und für mich eine Bestätigung, ich sehe ein Tier, wenn es Tiere hat. Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen ohne solche tollen Sichtungen schon durch den Park gefahren sind. Später nochmals Oryx und einige Strausse, sogar mit Nachwuchs im Schlepptau. Ob die Bilder was geworden sind, ist nicht sicher, da alles weit entfernt ist und die Tiere schnell flüchten. Nun quere ich eine Strasse und stehe an einem Gate mit Bewachung. Der junge Mann ist sehr freundlich und erklärt mir, nachdem er das Permit gesehen hat, genau, wie ich da am besten hinkomme. Zwei Fahrzeuge kommen mir aus der Gegenrichtung entgegen. Ich mache es kurz. Ich habe später an drei Orten deren Hinterlassenschaften mit langem weissem Papier sehen müssen. Ist das nötig? Kann man das nicht etwas verbuddeln? Und ja, es waren Europäer? Noch genauer möchte ich es hier nicht festhalten. Schämt euch. Ich passiere zwei Gates, da es für eine kurze Strecke ausserhalb vom Nationalpark verläuft. Erneut Ruinen. Ich frage mich, wann ich wohl das erste Mal das Meer sehen werde und wie es wohl ausschaut. Später passiere ich die «Swartfontein Ruinen», wobei ich noch 28 Meter über Meer bin. Die Piste steigt nochmals auf 62 Meter an, wo ein Schild darauf hinweist, dass im Notfall hier GSM-Empfang möglich ist und tatsächlich. Es besteht Empfangsmöglichkeit. Nun rechts ab, nach wenigen Metern ein Warnschild. Bitte den Reifendruck reduzieren. Ich fahre schon den ganzen Tag mit 1.9 Bar und lasse es auf mich zukommen. Und es kommt wirklich ordentlich weicher Sand. Nicht nur fünf Meter, sondern längere Passagen. Ohne reduzierten Reifendruck und ordentlich Bodenfreiheit ist hier kein Durchkommen. Der Sprinter arbeitet sich mühelos durch, es ist wirklich ein tolles Fahrzeug. Die Maschine arbeitet merklich stärker und so steigt der Dieselverbrauch. Ich sehe das Meer und habe wahrlich Tränen in den Augen. Es geht steil den Hang hinunter und ich komme zu den «Spoegriver Cave». Sehr eindrücklich, diese zu sehen. Und warum mussten die Europäer genau hier hin scheissen? Bähhh. Weiter vorne komme ich noch zu einem Platz, wo ein Steg über den Sand zum Boegriver Birdhide führt. Auch hier ein frischer Scheisshaufen. Ich fasse es nicht. Die Brandung vom Meer ist gewaltig. Ich mache mich zurück zum Fahrzeug. Ab nun führt die Piste immer nahe am Meer entlang, bis ich am heutigen Ziel, der «Boulderbraai Camp», ankomme. Das Camp besteht aus 6 Plätzen, wobei jeder Platz eine runde Steinmauer zum Windschutz hat, in dem eine Feuerstelle ist. Ich sehe noch zwei Plumpsklos. Der oberste Platz ist besetzt. Ich fahre zum untersten Platz, der am nächsten am Meer liegt. Dann will ich doch erst mal die Leute vom Platz oben begrüssen gehen. Das Laufen im Sand ist etwas mühsam, da sich der vordere Drittel meiner linken Schuhsohle gelöst hat. Der Empfang ist sehr herzlich und wir unterhalten uns über viele interessante Themen. Vielen Dank für das sehr nette Gespräch und die Einladung zuhause. Ja, Südafrikaner sind sehr nette Menschen. Nun aber zu meinem Fahrzeug und alles bereit für den Abend machen. Ich laufe noch kurz etwas zum Meer runter und geniesse es, hier zu sein. Die Brandung rauscht gewaltig und der Wind lässt gegen Abend nach. Eine Suppe mit zwei Eiern gönne ich mir und nun geht es ans Blogschreiben. Habe ich doch neulich schon gemerkt, dass ich das direkt am Abend machen muss, um nichts Wesentliches zu vergessen. Erkenntnis des Tages. Der Park ist bis jetzt ein unbekannter Juwel, den es zu erkunden gilt. Gute Nacht.

5.9.2026 Samstag, Namaqualand NP Boulderbraai Nr. 11

Der Begriff „Boulderbraai“ verbindet zwei der beliebtesten Outdoor-Aktivitäten in Südafrika: Bouldern (Klettern in Absprunghöhe ohne Seil) und ein Braai (das traditionelle südafrikanische Grillen über offenem Holzfeuer). Heute bleibe ich den ganzen Tag auf diesem Platz und geniesse es. Lange ausschlafen, da die gestrige Fahrt ganz schön anstrengend war. Immer auf die Piste achten, die streckenweise ganz anspruchsvoll war und dann immer noch nach Tieren und anderem Ausschau halten. Etwa um 9 Uhr klopft es an meiner Türe, meine neu lieb gewonnenen Nachbarn verabschieden sich. Nun stehe ich ganz alleine an diesem schönen Platz. Ich bin ja gespannt, ob bis am Abend noch Besuch kommt. Hier ist immer was zu tun. Gestern habe ich festgestellt, dass der Garmin Temperaturfühler auf dem Dach keine Daten mehr liefert. So bekommt er eine neue 2032 Knopfzelle verpasst. Nun will ich die Nikon ZF besser in den Griff bekommen und beschäftige mich mit der Kamera. Natürlich immer mal einen Blick in die Umgebung und das Meer nicht vergessen. Es könnte ja was Spannendes geschehen. Der Knall von gestern geht mir nicht aus dem Kopf. Ob wirklich die Feder gebrochen ist? Ich schaue unter das Fahrzeug und denke mir, die rechte, also Beifahrerseite, ist vorne schon etwas tiefer und liegt auf dem Gummiblock. Ich sehe die Feder nicht als Ganzes und so kann ich nur vermuten. In Gedanken bin ich schon dabei, einen Ausflug nach Namibia, genauer Windhoek, zu machen. Das ist nicht gerade mein Wunschplan, aber vermutlich das Beste. Also erst noch Namaqua zu Ende geniessen und dann hoch nach Windhoek. Ich beobachte die Tage das Verhalten vom Fahrzeug genauer. Ich habe in Windhoek eine Ersatzfeder liegen und ich weiss, wo noch eine weitere liegt. Ich werde meinen Freund anweisen, diese zu kaufen, damit mindestens zwei zur Verfügung stehen. Das Komische dabei ist, ich habe das Fahrzeug gar nicht heftig gefordert. Was ist da wohl passiert? In der Zwischenzeit habe ich etwas rumgerechnet betreffend Akku und Solarleistung. Ich habe mich schon länger über die schlechte Solarleistung gewundert. Per Zufall sehe ich bei der Victron Übersicht die niedrige Starterbatterie-Spannung. Jedoch nur beim BMV-712 und nicht beim DC-DC Wandler. Das kommt mir bekannt vor. Der Massepunkt scheint schlecht zu sein. Also alles über der Batterie Liegende raus und siehe da. Nicht gut. Ja, auch so könnte ich meine Kiste abfackeln. So stelle ich das System ab und überlege nach Lösungen ohne viel Material. Ideal wäre ein Massepunkt von einem anderen Ort zu verwenden, doch dazu fehlen mir 3 Meter 16 mm2 Kabel. Ich verbessere den Masseanschluss so gut es geht und schliesse es erneut an. Tadaa, nun zeigen beide fast die gleiche Spannung wie es sein soll und meine Solarleistung schnellt auch auf vernünftige 250 Watt hoch. So ist der Akku natürlich schnell voll. Vorhin waren es 180 Watt und der Rest wurde am Massepunkt in Wärme umgesetzt. Schon gut, so eine Überwachung mit Gesamtübersicht sowie ein elektrisches Grundverständnis. Das Problem hat gestern angefangen. Das ist erst mal gelöst. Nun macht mir einfach diese blöde Querblattfeder Kummer. Nochmals mit der Taschenlampe krieche ich unter das Fahrzeug. Ganz klar. Beide Querblattfedern sind gebrochen. Eine vermutlich schon länger her. Ich erinnere mich nicht mehr an den ersten Knall. Das Schlimmste an der Sache ist, ich brauche ein neues Namibia-Visum und muss erneut die Strassengebühren zahlen. Das sind zusammen gut 100 CHF. Hilft nichts. Es muss sein. Am 14.9. fahre ich aus Namaqua raus. Dann gleich zur Hauptstrasse und hoch nach Windhoek. Das sind vermutlich 1000 km. Fassen wir zusammen. Erster Bruch in USA (links), zweiter Bruch in der Mongolei (links), dritter Bruch in Island (links), vierter Bruch in Botswana (links), nun also der fünfte Bruch in Südafrika und diesmal tatsächlich rechts.

In der Zwischenzeit kommt ein Pickup vorbei mit einem Fahrer. Wir kommen ins Gespräch. Er wartet auf eine Wandergruppe, die er südlich von hier abgesetzt hat. Er ist ein Guide und kennt sich gut aus. Ich frage ihn, ob er mir eventuell ein dickes Kabel für mein Masseproblem besorgen kann. Es müsste etwa 3 Meter lang sein. Er wird schauen. Wir verabschieden uns und schon bald kommt seine kleine Gruppe. Ich mache einen kleinen Strandspaziergang und begegne einer Schlange, die schneller ist, als ich sie fotografieren kann. Hier liegen unzählige recht grosse Muscheln. Der Wind hat sich gelegt und das Wetter ist prächtig. So sitze ich da und geniesse es, da vernehme ich Stimmen. Es sind zwei, die zu Fuss unterwegs sind. Also die letzten paar Kilometer. Ihr Fahrzeug sei im Sand steckengeblieben, ob ich nicht helfen kann. Ich fahre ungern mit der gebrochenen Feder weiter als es sein muss, doch hier wird Hilfe gebraucht. So fahre ich mit der Frau bis zum Fahrzeug und bin erstaunt, wie tief es im Sand steckengeblieben ist. Ich analysiere erst die ganze Situation, denn es ist nicht so leicht, hier zu wenden, stehe ich ja vor ihnen mit der Front. Ich sehe eine Möglichkeit zu wenden, wähle die Untersetzung und fahre rechts rein. Nach wenigen Zügen habe ich mein Fahrzeug in Position und meinen Bergegurt befestigt. Nun kommt es etwas auf die Technik an. Ich hoffe, der Fahrer ist geschickt. Es ist übrigens der Guide aus der Gegend, mit dem ich heute schon gesprochen habe. Im dritten Anlauf habe ich das Fahrzeug draussen. Abkoppeln und zurück zum Platz. Alle vier sind überglücklich und wollen mir Geld geben, das ich dankend ablehne. Ich erkläre, dass ich normalerweise auf die Hilfe von den lieben Menschen hier in Südafrika angewiesen bin und es schön finde, auch mal zu helfen. Tja, so ist heute doch noch etwas Action in den Tagesplan gerutscht. Ich bin heute Abend übrigens nicht alleine auf dem Platz. Ein südafrikanisches Fahrzeug mit Trailer hat sich auch einen Platz ergattert.

Erkenntnisse des Tages:

– Die Südafrikaner sind unglaublich nette Menschen.

– Der Sprinter ist ein richtig gutes Fahrzeug im Sand.

6.9.2026 Sonntag, Namaqualand NP Boulderbraai Nr. 11 – Koringkorrebraai Nr. 9

Heute ist es nur ein ganz kurzes Stück zu fahren. Erst verabschiede ich mich noch von den Südafrikanern, die gestern noch angereist sind. Sie sprechen Deutsch und er arbeitet in einem privaten Spital bei Pretoria. Immer interessant, was man so mitbekommt. Wie sie das Land fühlen. Wo sie die Zukunft sehen. Aber auch Weltgeschehen ist immer sehr interessant. Ich wünsche gute Reise und fahre selber noch etwas der Küste entlang und komme dann hoch zum «Caracal Eco Trail». Ihm folge ich nicht sehr weit, um wieder runter zum Meer zu fahren. Gesäumt ist die Piste immer mal wieder von Blumen in schönen Farben. Wie es wohl aussehen mag, wenn alles voll mit Blumen ist? Ich fahre langsam am Meer entlang und komme zu einem Tümpel. Ab da geht es noch näher zum Meer. Nur noch wenige Meter trennen mich vom Wasser. Hier ist die Piste teilweise auch mal etwas ruppig mit grösseren Steinen. Der Sprinter meistert das trotz der gebrochenen Vorderfeder meisterlich. Gut habe ich damals einen Umbau mit Verstärkung vorgenommen. Ansonsten wäre das nun eine Tortur. So ist es fast nicht spürbar. Ich komme zum «Cape Fur», wo eine sehr grosse Seehundkolonie zu bewundern ist. Wenn ich die Augen schliesse, ist es wie eine Ziegen- oder Schafherde von den Geräuschen her. Es ist viel Betrieb in der Kolonie. Ausser mir ist weiter vorne noch ein weiteres Fahrzeug zu sehen. Diese Besucher, zwei wie ich sehe, steigen aus und wollen tatsächlich näher ran laufen. Kaum verlassen sie das Fahrzeug, bewegt sich die Gruppe in der Nähe Richtung Wasser. Ja, die Tiere sind sehr scheu und das vermutlich zu Recht. So fahre ich weiter und quere das «Bitterrivier Dune Field». Ehrlich gesagt habe ich es mir viel schlimmer vorgestellt, als es sich nun präsentiert. Erst gegen Ende ist eine ordentliche Weichsand-Passage zu meistern. Ich begegne noch einem Fahrzeug mit einer südafrikanischen Familie und habe ein lockeres Gespräch über das schöne Land und dann noch über Europa. Nun könnte ich dem Caracal Eco Trail weiter folgen, doch ein Abzweiger zum Meer lockt. Will ich doch den einen Campingplatz «Skuinsbaai Noord Nr. 10» begutachten, den ich nicht buchen konnte. Er hat nur zwei Plätze und gefällt mir gut. Den werde ich beim nächsten Besuch sicher versuchen zu buchen. Unweit sehe ich ein Fahrzeug, das ist der Guide, den ich gestern aus dem Sand gezogen habe. Er wartet wieder mal auf seine Wandergruppe und wir haben Zeit für einen Schwatz. Weiter geht es immer am Meer entlang, wo dann nochmals eine kurze Weichsandstelle auf mich wartet, bevor ich hoch zum «Caracal Eco Trail» komme. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis zum heutigen Ziel, dem «Koringkorrelba Camp Nr. 9». Platz 4 ist leider besetzt, der hätte mir noch besser gefallen und so fahre ich zum Platz 5, der auch direkt am Meer liegt. Ich begrüsse die beiden Südafrikaner kurz und gehe erst mal ein Stück am weissen Sandstrand entlang. Was für ein toller Ort. Gut habe ich hier zwei Nächte gebucht. Der Name «Koringkorrebraai» bedeutet Weizenkorn-Bucht. GSM-Signal Fehlanzeige. Einzig das Meer rauscht und das nicht zu knapp. Am späteren Nachmittag kommt Nebel auf, der erst kurz vor Sonnenuntergang nochmals etwas verdrängt wird. In der Zwischenzeit habe ich eine Liste der Arbeiten erstellt, die dann in Windhoek fällig sind. Ach ja. Seltsamerweise hatte ich letzte Nacht plötzlich für kurze Zeit GSM-Signal und so sind meine Nachrichten raus. Leider kann ich das Urban Camp in Windhoek noch nicht buchen. Naja, entweder ist was frei oder dann eben nicht. Immer wieder die Gedanken an die doch sehr weite Distanz dahin. Gute Nacht.

7.9.2026 Montag, Namaqualand NP Koringkorrebraai Nr. 9

Platz 4 ist heute Morgen frei geworden und so fahre ich doch gerne die paar Meter rüber zu meinem Lieblingsplatz. Stelle mich möglichst gerade und doch dem Wind ausgerichtet hin. Nun habe ich eine Aussicht auf die andere Seite der Bucht und geniesse erst mal mein Frühstück. Dann laufe ich hoch zu Platz 3, wo neue Gäste stehen. Eine vierköpfige Familie. Wir kommen ins Gespräch, wobei sich herausstellt, dass sie Motorradreisen für Südafrika anbieten. Marc erzählt mir, wie er das Ganze macht und ich bin tief beeindruckt. Es ist nicht nur Fahren, sondern wirklich ganz spezielle Plätze besuchen. Wenn du Lust darauf bekommen hast, informiere dich doch auf folgender Webseite: www.mototours.co.za oder direkt bei marc@motortours.co.za sowie +27 68 917 6241. Grüsse ihn von mir.

Ich war gestern schon bei der nahen Infotafel und laufe nochmals da hin. Ich habe Marc erzählt, dass es leider alles in Afrikaans geschrieben ist und so begleitet er mich und übersetzt geduldig, wobei auch er nicht aus dem Staunen herauskommt. Es geht um die Geschichte rund um «Sydney Robey Leibbrandt, 2.1.1913 – 1.8.1966».

Sidney Robey Leibbrandt (* 25. Januar 1913 in Potchefstroom; † 1. August 1966 in Ladybrand) war ein südafrikanischer Schwergewichtsboxer, Olympiateilnehmer und Kollaborateur des NS-Regimes, der während des Zweiten Weltkriegs als Agent für die deutsche Abwehr versuchte, einen gewaltsamen politischen Umsturz in Südafrika herbeizuführen.

Leibbrandt wuchs als Sohn eines Militärinstrukteurs auf, trat den südafrikanischen Verteidigungskräften und später der Polizei bei. Dort etablierte er sich schnell als talentierter Boxer.

1934 gewann er die Bronzemedaille im Halbschwergewicht bei den British Empire Games. Im Jahr 1937 wurde er südafrikanischer Meister im Schwergewicht

Er vertrat Südafrika bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin, wo er den vierten Platz belegte. Dieser Aufenthalt veränderte sein Leben radikal: Er war tief beeindruckt von Adolf Hitler und der nationalsozialistischen Ideologie.

1938 kehrte Leibbrandt nach Berlin zurück, um an der Reichsakademie für Leibesübungen zu studieren. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieb er in Deutschland, trat in die Wehrmacht ein und liess sich zum Fallschirmjäger ausbilden.

Die deutsche militärische Aufklärung (Abwehr) rekrutierte ihn unter dem Decknamen „Walter Kempf“ für eine verdeckte Operation. Das Ziel war es, die pro-britische Regierung von Premierminister Jan Smuts zu stürzen, Smuts zu ermorden und Südafrika auf die Seite der Achsenmächte zu ziehen.

Im Juni 1941 wurde Leibbrandt von einer deutschen Jacht heimlich an der Küste von Südwestafrika (heute Namibia) abgesetzt.

In Südafrika gründete er die radikale paramilitärische Gruppe Nasionaal Sosialistiese Rebelle. Er hielt flammende Reden, schwor Unterstützer auf den Nationalsozialismus ein und plante Sabotageakte sowie Überfälle auf Banken. Nach einer gross angelegten Fahndung und dem Verrat durch eigene Mitstreiter wurde er an Weihnachten 1941 in der Nähe von Pretoria verhaftet.

In einem der spektakulärsten Prozesse Südafrikas wurde Leibbrandt im März 1943 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Bis zum Schluss zeigte er sich als überzeugter Nationalsozialist und grüsste im Gerichtssaal mit dem Hitlergruss. Premierminister Jan Smuts wandelte die Strafe kurz darauf in lebenslange Haft um.

Als 1948 die rechte National Party die Wahl gewann, begnadigte die neue Regierung unter Daniel François Malan Leibbrandt. Er kam frei und wurde von Teilen der afrikanerischen Nationalisten wie ein Volksheld gefeiert.

Leibbrandt blieb bis zu seinem Tod politisch am extrem rechten Rand aktiv. 1962 gründete er die Anti-Kommunistiese Beskermingsfront. Er starb 1966 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt. Seine ideologische Gesinnung zeigte sich auch im Privaten: Einen seiner Söhne nannte er „Izan“ – das rückwärts gelesene Wort Nazi.

Die Sonne vermag gerade so den Nebel wegzudrücken und meine Solaranlage ist fleissig. Sie liefert im Schnitt 160 Watt und somit über 11 Ampere in das System. Immer mal denke ich über meine elektrische Installation nach. Wenn ich am Landstrom hänge, ist alles wunderbar, denn das Victron Ladegerät lädt dann die LiFePo4 Wohnbatterie wie auch die Starterbatterie. Wenn ich fahre, werden auch beide geladen. Stehe ich jedoch längere Zeit und bin nur über Solar am Laden, wird nur die Wohnbatterie geladen. Wie ich das am elegantesten löse, ist mir bis anhin ein Rätsel und so werde ich sicher mal mit einem Victron Experten das Gespräch suchen. Und wenn ich schon dabei bin. In der App, wo alle Geräte angezeigt werden, ist auch der Cerbo GX ersichtlich. Leider zeigt es da die Temperaturfühler nicht an. Warum? Nur wenn ich über Ethernet und einen Browser zugreife, kann ich die Informationen dazu sehen. Ui, das ist mal ein anderer Bericht hier im Blog. Ich hoffe, es hat dich nicht gelangweilt.

Mein Wasser wird durch einen Katadyn Superdyn Keramik- und Aktivkohlefilter gedrückt. In den letzten Tagen ist das beim Wasserhahn eher ein Trauerspiel. Es tröpfelt mehr, als es fliesst. Damit ich den Filter tauschen kann, muss leider der 50-Liter-Chromstahltank raus und der ist, wie es meist der Fall bei so einer Aktion ist, voll. Es hilft alles nichts. Es muss sein. Heute kommen die beiden Schweizer Armee-Wassersäcke zum Einsatz. So pumpe ich mit einer elektrischen Pumpe über einen Schlauch das Wasser in die Säcke um. Die Pumpe arbeitet wirklich flott und es ist schnell erledigt. Das restliche Wasser kommt in der Klospülung zum Vorrat. Nun ist der Tank leicht und ich hebe ihn aus der Halterung. Der Filter ist in einer Kapsel und es macht immer Spass, die zu öffnen, denn es spritzt durch den Druck einiges in der Gegend rum. Alter Filter raus und neuen verbauen. Das Anziehen des Gewindes braucht einiges an Gefühl, sonst hat man die Einzelteile in der Hand. Eigentlich ist es kein Festziehen, sondern nur bis satt ran, damit die Dichtung ihren Dienst verrichtet. Dann die Kapsel schliessen und die ersten 20 Liter zurück in den Tank. Wasser marsch und Freude herrscht. Der neue Filter soll nun 6 Monate seine Arbeit verrichten und dabei bis zu 6000 Liter Wasser aufbereiten. Das mit Silber geimpfte Keramikteil hat eine Porengrösse von 0,0002 mm und hält somit zuverlässig Schwebestoffe, Bakterien (E-Coli, Legionellen, Salmonellen Typhi, Vibrio Cholera) und Parasiten wie Cryptosporidium Amoeba und Giardia zurück. Und das Gute, die wichtigen Mineralien bleiben im Wasser erhalten. Innen ist dann auch noch ein Aktivkohlefilter, der gesundheitsschädliche Chemikalien und unangenehme Geschmacksstoffe wie Chlor zurückhält. Blei und andere giftige Schwermetalle werden reduziert und so habe ich sicheres Trinkwasser. Alles Bestens und so kippe ich auch noch den zweiten Wassersack mit Wasser zurück in den Tank. Da der alte Filter nun komplett durch ist, beschliesse ich, diesen zu zerschlagen, um das Innenleben zu sehen. Der Keramikteil hat einen Durchmesser von 50 mm und eine Wandstärke von 6 mm. Der Aktivkohle-Kern hat einen Durchmesser von 30 mm und ein Kernloch von 9,5 mm. Somit ist das Geheimnis von Katadyn Superdyn gelüftet. Nun sitze ich an der Planung der nächsten Tage, muss ich doch nach Windhoek. Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Tagesetappen und Tagesziele ich machen kann und so sind kleinere Etappen, die ich auch überspringen kann, in der Planung. So müsste es ohne Stress gehen. Bis und mit Sonntag bleibe ich jedoch noch im Namaqua National Park. Am Montag fahre ich raus.

8.9.2026 Dienstag, Namaqualand NP Koringkorrebraai Nr. 9 – Skuinsklip Nr. 8

Das afrikaanse Wort Skuinsklip bedeutet auf Deutsch übersetzt „schräger Fels“ oder „schiefer Stein“. Ich bin gespannt, was mich da erwartet. Heute Morgen vernehme ich das Geräusch von mehreren Fahrzeugen und so ist es auch. Sogar ein kleiner LKW ist dabei. Es ist der Versorgungstrupp von einer 25-köpfigen Wandergruppe. Die heute hier ankommen soll. Gut verziehe ich mich ins nächste Camp. So mache ich gleich Frühstück und warte auf die wärmende Sonne. Kurz vor 9:30 liefert meine Solaranlage ordentlich und so fahre ich los auf die knapp 1,2 km, die vor mir liegen. Ja, mehr ist es heute nicht zum Fahren. Wenn du dich schon über Nummern gewundert hast. Die Camps haben hier diese Nummerierung und so halte ich es auch fest. Eigentlich kommt mir so gut wie nie ein Fahrzeug entgegen, doch heute auf dem 1200-Meter-Stück steht auf halber Strecke tatsächlich ein fetter Iveco 4×4, der freundlicherweise eine Nische in der Seite nutzt. Vor mir sehe ich schon den neuen Platz. Also genau genommen die zwei Plätze, die jedoch beide besetzt sind. Ich fahre näher und frage freundlich. Ok, der mit dem Trailer fährt nachher weg. Keine Eile, ich habe ja Zeit. So wende ich mich dem anderen zu. Ein älteres Paar, das in Johannesburg wohnt und tatsächlich einen Iglhaut fährt. Es ist ein neueres Modell, das sie unglaublich günstig erworben haben. Es war früher ein fahrendes Spital hier im Norden von Südafrika. Kurz zu den beiden, er kommt aus Holland und sie aus England. Sie haben sich in Nigeria in den 70ern kennengelernt und da auch geheiratet. So habe ich wieder mal jemanden, mit dem ich über Nigeria plaudern kann. Einfach schön. Wir werden beide für diese Nacht hier den Platz geniessen. Nun ist auch der eine Platz frei geworden und ich stelle mich ordentlich hin, damit ich auch gute Sicht auf das Meer habe. Das Meer hier ist recht rau und die Brecher sind gut vier bis manchmal sechs Meter und das seit Tagen. Die Sonne kommt durch den Nebel und es wird angenehm. Durch den Wind natürlich immer noch kühl, aber schön saubere Luft von der Meerseite her ins Land. Apropos sauber. Ich bin nun schon mehrfach an verschiedenen Orten am Strand gewesen und habe noch nicht ein Müllteil entdecken können. Etwa jeden zweiten Tag ist bis jetzt ein Ranger gekommen und hat nach Müll gefragt. Ich gebe meinen Müll immer gerne mit. Es ist unglaublich, was sich in so kurzer Zeit ansammelt. Der Park überrascht mich immer aufs Neue und mausert sich zu einem meiner Lieblingsplätze. Voraussetzung ist jedoch, dass man autark längere Zeit stehen kann und das genau kann ich gut mit meinem Fahrzeug. Genau dafür ist es von mir vor Jahren gebaut und über die Zeit immer wieder verbessert worden. Vorhin bin ich noch eine Runde durch die Büsche der Gegend gelaufen. Es ist, als ob man durch einen botanischen Garten laufen würde. Ich kenne mich nicht super gut aus, doch von meiner Mutter kenne ich doch die eine oder andere Pflanze. Ab und zu flüchtet eine kleine Echse in das nahe Gebüsch. Schlangen habe ich keine gesehen. Es soll aber schwarze Mambas hier haben. Das Wetter ist fantastisch und so werkle ich auch etwas am Fahrzeug herum. Zwei von vier Temperaturfühlern, die ich für das Victron System mitgenommen habe, sind nun ordentlich platziert. Einer misst die Innentemperatur der Wohnkabine und einer die der Fahrkabine. Die Zeit läuft und es ist schon 13:30. Der Akku hat sich durch das Solar schon auf 96 % gefüllt. 250 Watt kommen rein, was 18 Ampere bringt. Das System macht richtig Spass.

Es gibt so Tage, die werden plötzlich ziemlich hektisch und heute ist genau so ein Tag. Ich bin hier total ohne GSM und doch ist auf einmal ein Stapel der Meldungen weg und ich habe einige Antworten sowie Fragen. Nur ist der Empfang nun weg und kommt auch nicht wieder. Es geht unter anderem um Ersatzteile für den Sprinter wie auch um Buchungen, die dringend nötig sind. Was machen? Ich versuche nochmals, die Teltonika dazu zu bringen, eine Verbindung aufzubauen. Erfolglos. Ich ziehe die letzte Möglichkeit. Ich baue die Starlink Antenne Nr. 2 auf dem Dach auf. Die nimmt sofort Kontakt mit den Satelliten auf und was macht sie? Erst mal gemütlich ein Update. Genau mein Humor. Danach steht die App zur Verfügung und ich aktiviere das Abo für einen Monat. Wohlgemerkt, Südafrika ist ja ausgeschlossen. Doch nach kurzer Zeit ist das Internet verfügbar und alle meine vorgeschriebenen Meldungen gehen raus. Dann kommt sogar eine Bestätigung aus Windhoek für meine Buchung. Es melden sich auch noch 4 Reisende, die zur gleichen Zeit in Windhoek sein werden. Das wird eine super Zeit. Die Werkstatt ist auch auf die Arbeiten eingestellt. Hoffentlich klappt das auch noch mit einem wichtigen Ersatzteil, das Freunde, die zufällig in diesen Tagen von Deutschland nach Windhoek fliegen, mitbringen sollen. Das ist alles kurz vor knapp. Ich bin ja gespannt, wie lange Starlink nun läuft. So, ab ins Bett. Gute Nacht.

9.9.2026 Mittwoch, Namaqualand NP Skuinsklip – Bamboeskamp

„Bamboeskamp“ bedeutet auf Deutsch übersetzt „Bambus-Lager“ oder „Bambus-Camp“ (aus dem Afrikaans: bamboes = Bambus; kamp = Lager/Camp). Also nicht zu früh hoch und frühstücken. Starlink hat sich diese Nacht verabschiedet und so bin ich erneut ohne Internet da. Zum Glück habe ich gestern Abend alles erledigt, was dringend über das Internet sein musste. Also ob ich es geahnt hätte. Das Abo läuft noch bis zum 7.10. und das ist gut so, denn dann sollte ich in Botswana sein und noch 8 Tage davon nutzen können. Die letzte Nacht habe ich schon zugeschlagen mit Update und Namibia-Karte laden. Dann ist noch die neue T4A (Tracks for Africa) Karte erschienen. Die musste ich natürlich auch gleich holen, da ich ein 5-Jahres-Abo dazu habe, was zum Ende zusammen etwas über 10 GB macht. Das Abo hat total 50 GB. So bleiben mir noch 40 GB für eine Woche im Kgalagadi. Huch, nun habe ich es verraten, wo ich bald hinfahre. Ja, durch den ungeplanten Aufenthalt in Windhoek habe ich meine Planung etwas überarbeitet. Dann der Abschied von meinen lieben Nachbarn mit dem Iglhaut Sprinter und es geht schon los. Heute sind es sagenhafte 1360 Meter, die ich bis zum nächsten Camp zu fahren habe. Als Tagesetappe gerade so zu machen, grins. So fahre ich im Schritttempo dem Ziel entgegen und gucke mir die Gegend genau an. Es hat zwar nicht so viele Blumen wie erwartet, aber die wenigen sind schon toll mit all ihren Farben. Das Ziel taucht auf. Es stehen vier Plätze zur Verfügung. Zwei sind besetzt. Der beste Platz in meinen Augen ist noch frei und so stelle ich mich genau da mit der Schiebetüre zum Meer hin. Das Wetter ist ganz ordentlich und so starte ich gleich mit einem kleinen Strandausflug. Meine neuen Nachbarn machen derweilen einen Ausflug zu der Seelöwenkolonie. Wo die anderen sind, weiss ich noch nicht, aber deren Zelt steht hier. Mein Akku wird durch das Solar wunderbar auf 100 % hochgeladen. Ja, so ist es perfekt. Gegen drei Uhr macht es langsam zu. Es schiebt sich ein Nebel über den Himmel und es wird merklich kühler. So geniesse ich den für mich idealen Camper-Ausbau in meinem Fahrzeug. Mache dies oder jenes und schreibe am Blog für dich, der immer länger wird. Ich denke, ich werde ihn dann erst in Windhoek hochladen, denn zusammen mit den Bildern und den Karten und GPX-Dateien ist es ein nicht zu unterschätzender Aufwand.

10.9.2026 Donnerstag, Namaqualand NP Bamboeskamp – Varswater

Erst mal verabschieden von meinen netten Nachbarn aus Botswana, die mir noch drei Säcke mit Holz schenken. DANKE. Sogar vor dem Frühstück fahre ich die gewaltige Strecke von 2310 Metern bis zum nächsten Camp namens Varswater. Das deutsche Wort für „Varswater“ (Afrikaans) lautet Süsswasser. Heute ist es leider dichter Nebel, der die Weitsicht verhindert, doch mal sehen, was der Tag bringt. Auf halber Strecke ist ein kleiner Haltepunkt, wo ich den Blick hinunter zum Meer geniesse. Ich sehe schon das Camp in der Ferne und fahre Schritttempo hinunter. Vier Plätze sind verfügbar, wobei zwei davon besetzt sind. Auf dem Weg sehe ich noch Spuren im Sand der Piste. Ich vermute eine Katze. Sollte jedoch gleich eines Besseren belehrt werden. So halte ich an einem der freien Plätze und sehe mich etwas um. Bei einem der anderen Plätze ist reger Betrieb. Das schaut nach Zusammenräumen aus und so will ich mich doch noch kurz vorstellen. Also rüber zu dem Paar und es ist gleich ein sehr nettes Gespräch. Dabei sehe ich eine sehr interessante Konstruktion zur Stromversorgung von der Kühlbox, die auf einem Auszug steht. So könnte ich das auch machen. Ich erzähle von meinem Problem mit der Querblattfeder und dass ich die Tage nach Windhoek fahre. Doch im Oktober bin ich dann im Kgalagadi. Tja, die beiden sind dann auch im Kgalagadi. Die Freude ist gross. Nun ist alles bereit für die Abfahrt und ich schenke ihnen noch drei Säcke mit Holz zum Abschied. Erwähne natürlich auch noch den Bäcker in Upington, der das beste Sauerteigbrot weit herum bäckt. Schon verschwindet ihr Fahrzeug im Nebel. Ich beziehe nun ihren Platz, der in meinen Augen der beste ist. Dann noch ein kleiner Ausflug zum nahen Strand. Nun ist es aber an der Zeit für das Frühstück. Es klopft an meiner Türe, nanu? Mein anderer Nachbar fragt, ob ich was aus der Stadt brauche, denn er fährt gleich da hin. Ich meine zu ihm, ich habe hier alles und vor allem eine schöne Landschaft. Wir lachen zusammen und schon fahren sie los. Nun stehe ich also erst mal alleine hier und hoffe auf etwas Sonnenschein. Mittlerweile ist es kurz vor Mittag. Ab und zu dimmt die Sonne für kurze Momente hoch. Meine Hoffnung bleibt bestehen. Die Solaranlage liefert aktuell 130 Watt und ich habe eben die Heizung eingeschaltet.

11.9.2026 Freitag, Namaqualand NP Varswater – Grünau, Country Hotel (Namibia)

Ich habe die letzte Nacht vor Kummer und Sorgen fast nicht geschlafen. Dazu kommt das Wetter, das sich nicht von der besten Seite zeigt. So steht der Entschluss, den Namaqua-Besuch um die letzten drei Nächte zu kürzen und den Weg nach Windhoek zu bestreiten. Das bedeutet anstelle der geplanten wenigen Kilometer wie die letzten Tage schon, werden es heute 465 km und ein Grenzübergang, damit es auch richtig Spass macht. Erst sind es gut 20 km Tiefsand, die zu meistern sind. Alles kein Problem. Dann der Abschied beim Gate an der Reception. Lustig zu sehen, wie gerade zwei Ranger den riesigen Sand-/Kiesparkplatz mit einer Art Laubrechen top glatt machen. Ich pumpe meine Reifen von 1.9 Bar hoch auf 3 Bar und fahre los. Vor mir liegen 70 km übelste Piste. Was meinem Fahrgestell nicht gut tut. Ich komme nur langsam voran und trotzdem komme ich einmal fast von der Bahn ab. Das hätte böse enden können. Leider kann ich so die Landschaft beim besten Willen weder beachten noch bewundern. So komme ich später als gedacht auf die Hauptstrasse, die von Kapstadt nach Windhoek und weiter führt. Böse Erinnerungen kommen hoch, wie ich letztes Jahr die Strecke in 26 Stunden nonstop auf einem LKW gemacht habe. Ich komme dafür jetzt sehr gut voran und es bleibt auch viel Zeit, die Gegend zu geniessen. Ich passiere Kamieskroon und dann tanke ich in Springbok. Der erste Plan war, bis kurz hinter den Zoll nach Namibia auf ein Camp zu fahren. Nach Springbok nach Norden wird es immer mehr Wüstenlandschaft. Kurz vor dem Zoll, der über dem Oranje River liegt, steigt die Strasse steil eine Schlucht herunter. Die Felsen unten beim Fluss sind sicher noch ein Besuch wert. Nicht heute, ich fahre zum Zoll bei Vioolsdrif. Leider sind gerade einige Leute hier und so ist es etwas unübersichtlich. Erst mal von Südafrika ausreisen. Die haben sich was Neues ausgedacht, damit man sich richtig ärgern kann. Entweder einen QR-Code scannen, dann das Webformular ausfüllen und dann dem Beamten zeigen oder das einzige fest montierte Tablet bedienen. Ich wähle diesen Weg. Natürlich klappt es nicht auf Anhieb. Der Beamte kommt und zeigt, wie es geht. Ok, ich werde mir das sicher NICHT merken und beim nächsten Mal mich noch blöder anstellen. Früher haben die alles selber eingegeben und nun soll das jeder selber machen. Nun ja, dann laufe ich erneut zum Beamten und sage ihm, dass ich fertig bin. Er fragt nach meinem Smartphone, wo ich eine Bestätigung zeigen soll. Ich gucke ihn doof an und frage, muss heute jeder ein Smartphone haben, um zu reisen? Ich habe keins. Nun guckt er noch doofer, guckt in seinen Computer und zack, habe ich einen Stempel im Pass. Geht doch. Das Carnet wird nicht gestempelt, da ich die SADAC (Zollunion) nicht verlasse. Nun noch rüber zum namibischen Zoll. Erst die Reifen und Schuhe desinfizieren. Dann alles abgeben, was tierische Esswaren wie Milch, Käse oder Fleisch sind. Können die nicht gleich mein Fahrzeug waschen? Dann bekomme ich einen Laufzettel. Büro 1. Stempel im Pass und auf dem Laufzettel. Dazwischen kurz über die Strasse zum VISA bezahlen. 1600 N$ sind fällig. Das sind 80 CHF! Nun zu Büro 2, die Strassengebühren zahlen. Zum Glück weiss ich genau, wie mein Fahrzeug berechnet wird, sonst hätte der Kerl mir mehr abgeknöpft. Nun noch zur Kontrolle, die lasch ist und ich bin durch. Das ging aber auch schon mal schneller. Nun gut, neue Zieleingabe. Ich fahre noch bis Grünau. Das erste Stück ist, als ob man über den Mars fahren würde. Alles rot und so gut wie keine Vegetation. Es geht hoch und höher bis 1085 Meter, wo dann Grünau liegt. Ich stehe diese Nacht bei einem Hotel, das auch ein Camping betreibt und geniesse erst mal eine super Dusche und dann ein Abendessen im Restaurant.

12.9.2026 Samstag, Grünau – Die Skuur Camp, Mariental (Namibia)

Gut ausgeschlafen geht es los, immer Richtung Norden mit Ziel Mariental. Der erste angedachte Halt ist bei Keetmanshoop. Ich wollte eigentlich einiges einkaufen, doch kaum stehe ich auf dem Parkfeld vor dem Supermarkt, kommt ein Parkwächter und fordert mich auf, weiter hinten zu parken. Ich meine, mein Fahrzeug ist nicht länger als die Landcruiser, die hier stehen. Er dackelt davon und kommt mit seinem Vorgesetzten wieder. Ich sehe, die wollen mich an einem nicht gut einsehbaren Platz hinstellen, damit dann in Ruhe mein Fahrzeug geräumt werden kann, wenn ich im Supermarkt bin. Ich verabschiede mich höflich mit dem Hinweis, dass ich mich hier nicht sicher fühle. So ziehe ich es also durch bis zum Ziel, was dann knapp 400 km sind. Die Strecke ist nicht besonders abwechslungsreich und so habe ich viel Zeit zum Grübeln. Da ist zum einen ein Python-Skript, das mir so, wie es aktuell ist, nicht gefällt. So entsteht ein wunderbares Anforderungspaket, das ich später umsetzen kann. Ich komme am Zielort an und fahre auf das Gelände von Die Skuur, das so viel wie der Schuppen oder Scheune bedeutet. Alles sehr ordentlich hier. Ich beziehe meinen Platz unter einem grösseren Baum und setze die Sache mit dem Python-Skript um. Ja, nun gefällt mir die Sache viel besser. Es geht darum, iOverlander GPX-Dateien für OSMand aufzubereiten und die Punkte mit entsprechendem Icon, Form und Farbe zu versehen. Ich bin begeistert. Da ich hier Internet in Form von WLAN habe, nutze ich es gleich mal aus, um alle Geräte auf den aktuellen Stand zu bringen. Dann will ich mich noch an den Blog machen, der ja überfällig ist.

Das Wasserrad als Wasserpumpe bei Keimoes, das leider nicht mehr funktioniert.
Schon bessere Zeiten gesehen
Ein Köcherbaum
Der defekte Teil in Augrabies
Klippschliefer. Beachte die Zähne. Er ist mit dem Elefant verwandt! Tatsache
Riesige Steinbrocken bei Augrabies
Ausgeschliffen zum Becken. Augrabies NP
Kleiner Transporter vor der Gamsberg Mine
Ansicht zur Gamsberg Mine mit der Halde im Hintergrund
Strasse Richtung Springbok
Köcherbäume
Die Rinde eines Köcherbaumes
Kein gutes Bild aber der Beweis. Ich habe die Bergzebras im Goegap Natur Reserve gesehen. Beachte die breiten schwarzen Streifen.
Kirche in Kamieskroon
Oryx im Namaqua NP
Termitenschmätzer
Die hungrigen kleinen
Steenbock
Das könnte gut in Australien sein
Zufällig entdeckt. Kleine Schildkröte
TBD
TBD
Weichsandfahren macht echt Spass. Nein, das ist nicht mehr für jedes Fahrzeug.
Spoegriver Cave
Spoegriver Cave
Spoegriver Cave
TBD
Wer war das wohl?
Tolle Plätze direkt am Meer
TBD
TBD
Auch ein Tourguide der seit Jahren hier unterwegs ist kann es mal treffen. Im dritten Anlauf hatte ich ihn draussen.
Einfach super hier zu sein
Abendstimmung in Namaqua NP
Grosse Wellen krachen in die Felsen
Und schon kommt die nächste an. Ich schätze 4-6 Meter
Katadyn Keramikfilter mit Aktivkohle Kern. Zur Ansicht geöffnet
Muschelsammlung im Namaqua NP
TBD
TBD
Zwei Iglhaut auf einem Platz
Abendstimmng
TBD
TBD
TBD
Und gleich nochmals. Ohne Probleme zieht der Sprinter durch und das über viele Kilometer.


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3 Antworten auf „Vom Kgalagadi NP zum Namaqua NP“

Hoi Thomas
Wie immer super Bilder und hochinteressante (Hintergrund) Berichte.

Hi Thomas,
great new posts to the blog 👍🏻 I also liked that you paid tribute to Johanna van der Merwe. Did you know that a submarine in the South Africa Navy was named after her? The SAS Johanna van der Merwe. After the new goverment took over power the submarine was renamed to the SAS Assegaai. The sad irony being that «Assegaai» is the word for the short, cut off spear the Zulus used to kill both her parents and, like you noted in your post, she survived 20 stab wounds from such an assegaai. (See https://en.wikipedia.org/wiki/SAS_Assegaai)

No, the info on the Victron battery sysyem and solar is very interesting, also to hear about how your water supply works and what’s needed to keep it maintained.

I have many questions and hope to run into you again one day in the Kgaladadi. One question: have you considered a Youtube channel? We think you would do very well with that! It can be a lot more work and you would have to take video, but that can also be good fun.

Good luck with your time in Namibia 👍🏻🇿🇦

Greatings from the @KgalagadiTribe 🐾

Hi Stefan,
Thanks for the comment on my blog and website. It’s great to hear from you. I did consider YouTube at one point, but I put the idea aside for now because of the significant extra effort involved. My website and blog already take up a huge amount of time, and I’m really here to enjoy nature, the animals, and the people. Any additional work just eats into that time. Hopefully, we’ll meet in the Kgalagadi soon.

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