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6.6.2026 Samstag, Pretoriuskop – Berg-en-Dal, Kruger NP
Letzten Abend habe ich meine Nachbarn gesprochen. Es ist eine südafrikanische, sehr sympathische Familie, die mit drei Generationen hier ist.
Heute wird ein guter Tag. Ich spüre es förmlich und fahre kurz nach 6 – müde, es war gestern zu lange – mit einem breiten Grinsen los. In der Realität weiss man es natürlich nie, was der Tag bringt und was man in der Natur geboten bekommt, doch ich bin zuversichtlich. So fahre ich noch in der Dunkelheit durch das Gate auf dem kürzesten Weg zur H1-1, die mich nach Osten bringen wird. Der erste Halt ist der Shitlhave Dam, an dem ich auch gleich frühstücke. Die Grosseltern mit einem Mercedes Sprinter, der eine Generation neuer ist als meiner, und der Rest der Familie mit einem normalen Mietfahrzeug, soweit ich das sehe. Der Vater ist sehr an meinem Fahrzeug und an meinen Reisen interessiert, und so haben wir doch einiges auszutauschen. Er fragt mich, ob sein Sohn mein Fahrzeug mal von innen sehen darf. Aber sicher doch. Wenig später kommt der junge Mann und schlüpft gleich in mein Fahrzeug. Alles wird mit grossen Augen angeschaut, und ich erkläre auch noch das eine oder andere kleine Detail. Warum ich das berichte: Die Familie mit dem Mietfahrzeug ist auch schon unterwegs, und wir treffen doch einige Male aufeinander, wobei der kleine Mann begeistert winkt. Ich wünsche euch alles Gute und gute Fahrt sowie gute Sichtungen.
Dann mal weiter mit dem Ziel, den zweiten Dam zu besuchen, den Transport Dam. Doch kurz davor dann die Sichtung des Tages, wenn nicht sogar der Woche. Ein ganzes Rudel Wildhunde – so richtig trollige, lebendige Lumpis – begegnet mir auf der Strasse. Es ist ein unglaubliches Gefühl, diesen lebhaften Tieren zuzuschauen. Einige Minuten habe ich das Vergnügen, wobei es eine Herausforderung ist, vernünftige Bilder zu machen. Wird sich noch zeigen, ob das was geworden ist. Die Kerle sind so lebhaft, es ist kaum zu fassen. Sie verschwinden im Busch und gehen ihren Weg, und ich meinen zum Transport Dam. Ich verbringe einige Zeit hier, um den Nilpferden zuzuschauen. Dann zurück, wobei mir eine Hyäne über den Weg läuft. Das Tier ist in super Verfassung, und ich sehe es nur kurz. Manchmal sind die Tiere ganz schön zerfleddert, aber das hier ist top in Form. Weiter auf der H1-1 und dann die zweite Wildhund-Sichtung des Tages. Besser geht doch wirklich nicht. Diesmal sind sie weit entfernt und tollen um ein Gnu herum, das keine Miene verzieht. Für Bilder reicht es diesmal nicht, da es wirklich zu weit entfernt ist. Aber das Erlebnis zählt. Ich gucke immer erst, und das Bild ist zweitrangig. So fahre ich weiter und wechsle auf die H3, die nach Süden führt. Kurz darauf biege ich in die S112 ein, um nochmals durch die landschaftlich schöne Gegend zwischen den Koppies zu fahren. Dann geht es auf die S114, S23 und S113 zurück zur H3. Kurz vor dem Picknickplatz Afsaal schreibe ich eine Nachricht an das Team Mistermog, da ich hier auf sie warten werde. Ich passiere eine Ausfahrt, die nach links führt, und sehe ein Ranger-Fahrzeug. Ich bin fast sicher, dass es mein Freund ist, den ich 2025 kennenlernen durfte. So stehe ich auf dem Parkplatz und werde gleich von einem Paar aus Deutschland angesprochen. Sie sind mit einem Iveco unterwegs, und wir werden in wenigen Tagen zusammen auf dem gleichen Camp stehen. Dann ruft mich noch ein Paar aus der Ferne von einem Landcruiser an. Es sind Freunde aus Holland, die ich das letzte Mal in Windhoek (Urban Camp) getroffen habe. Die gesteht, fleissiger Beobachter meines Blogs zu sein. Und dann kommt sogar noch Team Vito kurz dazu. Das ist nun fast etwas viel. Nein, es ist zu viel. Die drei Fahrzeuge werden in Zukunft alle nach Südamerika gebracht. Und dann kommt auch noch Team Mistermog angefahren. In der ganzen Diskussion und dem Erfahrungsaustausch fliegt ein Kruger-Hubschrauber über unsere Köpfe und landet da, wo ich vorhin das Ranger-Fahrzeug gesehen habe. Nun bin ich etwas abgelenkt, und meine Gedanken sind bei dem Ranger, den ich gut kenne. Was wohl los ist? Die Overlander-Versammlung löst sich langsam auf, und Team Mistermog und meine Wenigkeit gönnen sich etwas auf dem Picknickplatz. Ich erzähle von meinem Plan, kurz aus dem Park rauszufahren, um einiges zu erledigen, wobei Mistermog sich gerne anschliesst. So fahren wir dann langsam dem Malelane Gate im Süden entgegen – es ist das Gate, durch das wir in den Kruger gekommen sind. Kurz davor sichere ich tatsächlich noch 6 Nashörner, etwas weit von der Strasse entfernt. Ich muss bei einem Gate neben dem Haupteingang durch, da meine Fahrzeughöhe zu viel ist. Mistermog natürlich auch und folgt mir. Die Angestellten hier sind immer sehr gut drauf und für einen Spass bereit. Meist werde ich gefragt, warum mein Steuerrad auf der linken und nicht auf der rechten Seite sei oder ob ich einen Krankenwagen fahre. Ich berichte, dass ich nur kurz zum Einkaufen fahre, und der Angestellte will gleich mit. Nene, hier ist deine Arbeit. So fahren wir im Konvoi nach Malelane und dort zuerst zu einer Tankstelle, um den Dieselvorrat aufzustocken. Danach fahre ich zur Bank, die leider gleich schliessen will. Ich möchte nämlich ein Bankkonto eröffnen. Gut, das kommt somit später. Dann weiter zum Superspar und einkaufen. Frischware vor allem ist nötig. Danach geht es zurück zum Malelane Gate, um zurück in den Kruger zu fahren. Einer der Angestellten macht nach einigen Fragen – wie z. B. ob ich eine Feuerwaffe habe – das Gate auf, damit ich passieren kann. Ich überreiche ihm eine Flasche kalte Cola, über die er sich riesig freut. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Dann auf kürzestem Weg zum Camp für die nächsten zwei Nächte. Es ist das Berg-en-Dal Camp. Das Rest Camp liegt im südwestlichen Teil des Kruger National Parks (nahe Malelane Gate) in einer der hügeligsten und bergigsten Regionen des gesamten Parks. Die Umgebung ist geprägt von sanften Hügeln, Felsen und Tälern (Teil der Ausläufer der Drakensberge / Malelane Mountains). Der Name beschreibt also ganz treffend die landschaftliche Lage. Das Camp wurde 1984 eröffnet und war eines der letzten grossen Hauptcamps, das im Kruger gebaut wurde. Es ist das einzige grössere Camp im Kruger, das bewusst in einer rugged mountain environment (rauen Berglandschaft) liegt. Die Anmeldung in der Reception geht schnell, und dann geht die Suche nach einem grossen Platz los. Ganz am Ende werde ich fündig, richte mich ein, und Mistermog stellt sich daneben. Ich lege mich etwas hin und falle förmlich ins Koma. Es war ein Tag voller Ereignisse.
7.6.2026 Sonntag, Berg-en-Dal, Kruger NP
Wenn ich schon hier in Berg-en-Dal nächtige, fahre ich früh morgens auch gleich mal zum Matjulu Wasserloch. Das ist nicht weit und immer gut. In wenigen Minuten bin ich vor Ort und entdecke rechts von mir einen Löwen im Busch. Er ist nur zu sehen, wenn man so hoch wie ich sitzt; alle kleineren Fahrzeuge haben leider Pech. Ich positioniere mich ordentlich und mache mich bereit für Bilder. Dazu bereite ich mein Frühstück vor, und so sitze ich und warte, bis die Sonne etwas Licht in die Sache bringt. Leider ist dann die Sonne hinter dem Löwen, und er Herr legt sich auch noch hin. Nun gut. So frühstücke ich fertig und entschliesse mich weiterzufahren. Also etwas zurück und über den Berg mit der S110 und S120, was landschaftlich ein wahrer Leckerbissen ist. Zebra und Impala sind in grosser Zahl zu sehen, andere Tiere wie die, die ich suche, zeigen sich leider nicht. Ich komme auf die H3 herunter und fahre dann Richtung Norden. Dann biege ich in meine liebste Piste in diesem Gebiet, die S118, ein und geniesse jeden Meter. Ich fahre Schrittempo bis zur Wasserstelle Ampie-se-Boorgat. Ich gehe nicht weiter auf Namen von Wasserlöchern usw. ein, sofern ich diese schon in vorherigen Blogs beschrieben habe. Kann natürlich schon mal eine doppelte Beschreibung geben, da ich nicht Buch führe, was ich schon beschrieben habe. Bei der Wasserstelle ist nicht viel los, und so fahre ich an einen meiner Plätze, wo ich in Ruhe stehen kann. Der Platz liegt auf einer Anhöhe über dem fast trockenen Flussbett. Im Flussbett entdecke ich einige Elefanten, mehr ist nicht los. So entschliesse ich mich, noch einige Zeit aufs Ohr zu legen. Plötzlich vernehme ich lautes Knacken von Ästen. Das können nur Elefanten sein. Die drei Elefanten, die vorhin noch im Flussbett standen, sind nun bei meinem Fahrzeug und geniessen die Äste der Büsche und Bäume um mich herum. Natürlich inspizieren sie auch neugierig mein Fahrzeug. Es ist unbeschreiblich, wenn so grosse Tiere direkt neben mir stehen. Ich könnte sie anfassen. So vergeht die Zeit wie im Fluge, und nach einem Telefonat in die Schweiz fahre ich zurück auf die H3 und dort etwas weiter nach Norden. Da entdecke ich eine ganze Nashornherde weit weg von der Strasse. Was für ein Anblick. Weiter bis zum Afsaal Picknickplatz, wo ich mir ein Käsesandwich gönne. Dann geht es langsam zurück mit Zwischenhalt in Renoster Pan, wo – wie fast jeden sonnigen Tag – die Sumpfschildkröten auf den Ästen, die im Wasser liegen, sich sonnen. Von hier dann ohne Halt bis zum Camp, wo auch Team Mistermog steht und auf mich wartet. Heute werde ich mit super leckerem Blumenkohl und Brokkoli zusammen mit Klopsen verwöhnt. Das war lecker, vielen Dank. Dann noch kurz die Besprechung wegen der morgigen Strecke, denn wir fahren zum nächsten Camp mit dem Namen Crocodile Bridge. Crocodile, da das Camp am Crocodile River liegt, und das auch noch bei einer Brücke, die auch ein Gate in den Park ist.
8.6.2026 Montag, Berg-en-Dal – Crocodile Bridge, Kruger NP
Heute steht Umsiedeln in ein anderes Camp und ein Treffen mit Team Rocket auf dem Plan. Ich fahre früh wie immer aus dem Camp und nehme direkt Kurs auf die H3 runter. Noch ist es dunkel, und eine Sichtung würde nicht so viel bringen – also rein fototechnisch gesehen. So fahre ich die H3 Richtung Norden, um dann beim Renoster Pan zu frühstücken. Vor Ort sind einzig zwei Nilgänse, die ein Mordsspektakel machen, als gäbe es kein Morgen. Die Sumpfschildkröten sitzen noch nicht auf ihrem Ast im Wasser, und auch sonst ist es sehr ruhig. Das ist auch mal schön, so hier zu sein und es zu geniessen. Die Weiterfahrt ist landschaftlich sehr schön, und es gibt auch immer mal Sichtungen. Dabei sind auch mal vier Hyänen, wobei eine so im Gras liegt, dass man sie fast nicht sieht, obwohl ich nur wenige Meter daneben stehe. Es ist schon erstaunlich, wie gut viele der Tiere getarnt sind, um in dieser Gegend zu überleben, und man braucht ein geübtes Auge, um sie trotzdem zu entdecken. Eigentlich wollte ich zum Buffeldorings Wasserloch fahren, doch die Zufahrt ist leider gesperrt. Am Rand des trockenen Mdladla-Flusses entdecke ich einen netten Platz, an dem ich eine längere Pause einplane. Ich mache mir einen erfrischenden griechischen Salat und dann ein Nickerchen. Erst Team Mistermog, die einiges später losgefahren sind, weckt mich aus meinen Träumen. Ich lege mich nochmals hin, und Mistermog zieht weiter. Dann geht es auch weiter, und direkt nach dem Wechsel auf die S108 finde ich nochmals einen guten Platz, den ich mir für später merke. Es geht dann auf die H5, wobei die Piste etwas ruppig wird, und schon bin ich auf der H4-2, der ich nur ein kleines Stück nach Norden folge. Da ist das Gomondwane Wasserloch, das leider wegen des hohen Grases nicht sichtbar ist. Laut James Stevenson-Hamilton (dem ersten Parkaufseher) geht der Name auf eine einheimische Person zurück, die um 1906 in diesem Gebiet lebte. Berühmt wurde der Ort durch die sogenannte Schlacht von Gomondwane am 27. Juni 1725. Eine Expedition der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) unter der Leitung von Frans de Cuiper drang von der Delagoa-Bucht (heute Maputo, Mosambik) auf der Suche nach Gold ins Landesinnere vor. Sie wurden dort von einheimischen Stämmen angegriffen und mussten sich geschlagen an die Küste zurückziehen. So wende ich und fahre dann Richtung Süden, wo ich einen Fieberbaum passiere, den ich letztes Jahr entdeckt habe und der daher auf meinem GPS vermerkt ist. Dann kommt der Hazentfombi Dam, wo sich unzählige Nilpferde tummeln. Der Name Gezantfombi (oft auch «Hazentfombi» geschrieben) stammt aus der Sprache der Swati (SiSwati). Er bedeutet frei übersetzt „Der Ort, an dem die jungen Frauen baden“. Die jungen Frauen sind wohl zu Nilpferden mutiert. Dann noch das kurze Stück runter bis zum Camp. Die Gegend war letztes Jahr noch ganz schwarz vom Brand, und heute schaut sie sehr schön grün aus. Giraffen, Zebras, Warzenschweine, Elefanten und vieles mehr garnieren die Strasse. Im Camp ist schon ein Platz für mich reserviert, denn Team Rocket ist schon einige Zeit da. Auch Team Mistermog ist schon parkiert, und ich stehe nun dazwischen. Herzliche Begrüssung und Informationsaustausch. Team Rocket macht noch eine sehr erfolgreiche Abendrunde und kommt ganz knapp zur Torschliessung rein, während wir hier eine leckere Suppe geniessen. Ein Rundgang auf dem Gelände weckt Erinnerungen – bin ich doch schon einige Male hier gewesen. Das Camp steht am Ufer des Crocodile River, und man sieht die alte Eisenbahnbrücke, bei der ein Element fehlt. Nach einigen Diskussionen und Informationsaustausch bin ich reif für die Insel und verziehe mich Richtung Bett. Gute Nacht.
9.6.2026 Dienstag, Crocodile Bridge, Kruger NP
Der letzte Abend war zu lange, und ich habe heute Mühe hochzukommen, was sich den ganzen Tag entlanggezogen hat. Jammern hilft nichts, da muss ich durch. Ich bin hier in einem neuen Gebiet, und das will erforscht werden. Gut, ich war früher schon einige Male hier, doch ich meine in diesem Jahr. So geht es als Erstes der S25 entlang bis zu einer Furt, wo ich Löwen vermute. Leider Fehlanzeige. Ich warte einige Zeit und biege in die S26 ein, die mich etwas nach Norden bringt. Dann auf die S108, wieder durch eine Furt, und da ist ein Platz, wo ich erst mal frühstücke. Die Gegend ist hier sehr dicht bewachsen, und eine Weitsicht ist somit nicht gegeben. Dadurch können sich die Tiere sehr gut verstecken. Ich bin am Grübeln, was ich nun machen soll. Weiterfahren oder zurück? Ich entschliesse mich für die Fahrt zurück, wobei ich erst Team Rocket und dann Team Mistermog begegne. Zurück auf der Teerstrasse H4-2 fahre ich nicht weit Richtung Norden und biege dann gleich nach der Brücke in die S28 ein. Es ist eine sehr schöne Strecke, und ich entdecke immer mal Gruppen von Tieren. Gnus, Giraffen, Affen und andere sind dabei.
Vor dem nächsten Wasserloch entdecke ich einen mächtigen Elefantenbullen, wie ich noch keinen gesehen habe. Er hat einen kleinen Makel, denn nur der rechte Stosszahn ist riesig, der linke Zahn ist einiges kleiner. Er macht mir trotzdem grossen Eindruck, und ich verweile einige Zeit bei ihm, wobei er immer etwas näher kommt. Plötzlich sehe ich, wie sein linkes Hinterbein massiv verletzt ist, und bin schockiert. Ich versuche ein Bild von der Verletzung zu machen, um gleich meinen Freund und Ranger hier im Park zu informieren. Ich sende ihm die Position, ein Bild von vorne und eines von der Verletzung. Er bedankt sich herzlich bei mir für die Information, und ich fühle mich irgendwie gut dabei. Ob der schon in der 45‑kg‑Klasse betreffend dem Stosszahn ist? Siehe folgenden Abschnitt.
Ich passiere das Mac’s Wasserloch. Der Name stammt von einem legendären ehemaligen Ranger: Hector MacDonald. Er war von 1928 bis 1951 als Sektions-Ranger in der Gegend der heutigen Crocodile Bridge stationiert. Das Wasserloch sowie ein seltener «Big Tusker» (Elefant) aus der Region wurden ihm zu Ehren benannt. Ein Big Tusker (oder «Super Tusker») ist ein afrikanischer Elefantenbulle, dessen Stosszähne gigantische Ausmasse angenommen haben. Der Begriff leitet sich vom englischen Wort tusk für Stosszahn ab. Exemplare dieser seltenen Elefanten (von denen es schätzungsweise nur noch 25 bis 40 auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gibt) zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
• Gewicht: Mindestens einer der Stosszähne wiegt über 45 kg (oft sogar mehr als 50 kg).
• Länge: Die Stosszähne sind so massiv und lang, dass sie oft bis fast auf den Boden schleifen.
• Alter: Diese Tiere sind meist zwischen 45 und 60 Jahre alt.
Die Gene für diese aussergewöhnlichen Stosszähne werden vererbt.
Bei der Weiterfahrt passiere ich einige Fieberbäume und biege ein zum Nhlanganzwani Wasserloch, das die vorherigen Jahre schon immer trocken war und auch dieses Jahr sich so zeigt. Der Name des Nhlanganzwani-Wasserlochs (oft auch als Nhlanganzwani-Damm bekannt) leitet sich von der indigenen Sprache isiZulu bzw. Tsonga ab. Er ist von dem Begriff nhlanga abgeleitet, was in der Region grob mit «Schilfdickicht» oder «Schilf» übersetzt wird.
Nun geht es zum Ntandanyathi Wasserloch, wo auch ein Hide steht. Das ist eine Holzhütte, von der aus man super Tiere beobachten kann. Ich komme mit einem Paar aus Südafrika ins Gespräch, da beide eine Nikon-Z-Kamera ihr Eigen nennen. Eine ist mit dem gleichen Objektiv wie ich es habe bestückt und die andere mit dem 600‑mm‑Festbrennweite-Z-Mount-Objektiv. Ich danke für das sehr nette Gespräch und wünsche weiterhin tolle Sichtungen. Ich fahre etwas zurück, um dann mit der S137 Richtung Osten zu kommen. Auf halber Strecke – die übrigens sehr schön ist – besuche ich noch das Duke Wasserloch. Das Wasserloch Dukes Waterhole (bzw. die Windmühle Dukes Windmill) im Kruger-Nationalpark ist nach Thomas (Tom) Duke benannt. Er war einer der ersten Wildhüter (Ranger) des Parks und war zwischen 1903 und 1923 im Gebiet von Lower Sabie stationiert. Weiter, bis ich auf die S130 komme, und folge ihr nur ein kurzes Stück, und schon komme ich auf die H4-2 Teerstrasse. Diese befahre ich kurz nach Süden und biege in die S82 ein. Hier hatte ich schon eine super Löwen-Sichtung im letzten Jahr, doch dieses Mal soll ich leer ausgehen. Dafür sehe ich ein Fahrzeug mit Europäern, die aus dem Fahrzeug ausgestiegen sind, wobei das Fahrzeug mitten auf einer Wiese steht. Sie machen Picknick, und ich bin erschüttert. Wo bleibt nur der berühmte Löwe? Doch leider wäre das dann das Todesurteil für den Löwen, und daher ist es das nicht wert. Wie können Menschen sich nur so aufführen? Aktuell bekommen sie gerade eine Belehrung von einem Südafrikaner. Ich treffe die drei Südafrikaner danach, und wir haben eine sehr schöne Diskussion über das Verhalten der Leute und weiteres. Danke und weiterhin gute Fahrt und beste Sichtungen. Ich fahre weiter und passiere Lower Sabie, von wo ich nochmals Schlaufen fahre. Ich habe die Hoffnung, Geparden zu sehen, doch es wird leider nichts daraus. Durch die Geschichte mit dem Elefanten fahre ich glücklich zurück zum Camp, wo Team Mistermog schon steht. Neben mir steht ein kleiner LKW aus Südafrika. Ich begrüsse die beiden, und wir kommen ins Gespräch. Sie wollen im nächsten Jahr das Fahrzeug nach Europa verschiffen und bereisen. Ich wünsche viel Erfolg bei dem Unterfangen und gönne mir ein Vollbad in der Badewanne des Camps, was mir sehr gut tut. Zum Abendessen gibt heute Team Mistermog alles, und es schmeckt super lecker. Besten Dank euch beiden. Nun noch Blog schreiben und ab ins Bett. Es war ein langer Tag. Gute Nacht.
10.6.2026 Mittwoch, Crocodile Bridge, Kruger NP
Heute steht als Erstes Ausschlafen auf dem Programm. Danach einige Wartungsarbeiten: etwas Kühlwasser nachfüllen, Öl kontrollieren. Etwas klappert schon seit Tagen im Fussbereich des Beifahrersitzes. Das war letztes Jahr schon, und damals wurde das Blech geschweisst. Es klingt genau gleich wie damals, doch ich sehe es noch nicht, wo es liegt. Also unter das Fahrzeug, und da habe ich eine Vermutung: Ein Blech ist da nahe an der Bodenplatte. Ich setze eine Klammer, um zu sehen, ob es das ist. Dann bei Team Mistermog noch etwas am Router von Teltonika versuchen, doch da komme ich auch nicht weiter. Ich vermute, der Stecker für die Stromversorgung hat einen Wackelkontakt. Und schon steht Mittag vor der Tür. Ich will heute zwei Freunde besuchen, die ich 2023 kennenlernen durfte. Sie wohnen im nahen Marloth Park und betreiben dort das Restaurant und Bar BOS. Die Fahrt ist interessant, sie führt durch riesige Zuckerrohrfelder. Dann ein bewachtes Gate, das in das Gebiet führt. Marloth Park hat sogar einen eigenen Game Park, den Lionspruit. In dem Gebiet laufen viele Tiere herum, und daher darf man auch nicht schnell fahren. Mir ist die Gegend gleich sehr sympathisch. Das BOS liegt an der Hauptstrasse, der Olifant Street, und ist ein Muss, wenn du mal in der Gegend bist. Ich werde sehr freundlich empfangen und geniesse eine gute Zeit bei gutem Essen. Danke Morné für die Gastfreundschaft. Wir bleiben in Kontakt. Danach fahre ich noch bei der nahen Firma Komati Fruit vorbei. Hier gibt es einen Fabrikladen, wo ich Mandarinen und Orangen zu sehr guten Preisen erstehen. Nun aber zurück zum Crocodile Bridge Camp, wo ich mir nochmals ein Vollbad gönne. Diesmal ist das Wasser nicht mehr so schwarz wie gestern. Das Abendessen besteht heute aus Früchten. Morgen geht es dafür wieder in den Kruger Park, und ich hoffe auf gute Sichtungen. Einen Routenplan muss ich mir noch ausdenken. Gute Nacht.
11.6.2026 Donnerstag, Crocodile Bridge, Kruger NP
Ich schreibe folgende Zeilen im Schatten unter einem riesigen Wurstbaum am Ufer des Sabie River. Es ist kurz nach 11 Uhr, und normalerweise mag ich die Ruhe und die Geräusche der Natur, doch jetzt läuft gerade «Shine on you crazy diamond» von Pink Floyd aus dem Album Puls, CD1. Heute Morgen ging es früh los wie immer – also so war der Plan – und da war der Stress. Starlink hat mir nach zwei Monaten in Südafrika das Internet abgestellt. Ja, so ist der Vertrag, ich weiss, aber es ist doch sehr ärgerlich. Vor allem weil ich erst am 8. Juni für die nächsten 30 Tage bezahlt habe. Nun gut, so zaubere ich halt die Antenne zwei hervor und starte diese. Damit sind die kommenden zwei Monate gesichert. Bis dahin bin ich im Kgalagadi NP und kann dann in Botswana die Verträge zurückstellen. Ich hoffe, ich bekomme eine Gutschrift für das abgestellte Abo. Ich überlege mir zusätzlich, meine Vodacom-SIM-Karte zu aktivieren, falls mal alle Stricke reissen. Ich fahre aus dem Camp und merke, wie der Blinker nach links nicht richtig will. Also nun erst mal los bis zum Gezantfombi Dam, wo ich mein Frühstück geniesse. Auf der Fahrt merke ich, dass die Reparatur gestern vom Boden des Beifahrers Wirkung zeigt – es ist ruhig. Freude herrscht. Dafür klappert die Motorhaube, doch das ist kein Problem. Sobald ich an einem Ort aussteigen kann, muss ich den Lappen besser positionieren, und dann ist das behoben. So fahre ich die H4-2 hoch bis zur Abzweigung in die S130, dann in die S137 und fahre bis zur Stromleitung, die über die Piste führt. Da wurden die Tage immer mal eine Gepardenfamilie gesichtet. So stehe ich da und beobachte die Gegend und sehe leider «nur» Zebras. Gut, ich fahre weiter mit Ziel der nahen Bird Hide am Duke Wasserloch. Kurz nachdem ich losgefahren bin, begegne ich den beiden Fotografen, mit denen ich vor zwei Tagen schon gesprochen habe. Auch sie haben die Hoffnung auf die Geparden und werden die Gegend absuchen. Ich wünsche viel Erfolg und fahre weiter meinem Ziel entgegen. Angekommen steige ich kurz aus und begebe mich in den Bird Hide. Leider ist nichts Besonderes los, und ich habe ja noch was beim Fahrzeug vor. So laufe ich zurück. Draußen ist es sehr laut: Eine grosse Gruppe amerikanischer Studenten, die mit zwei Safari-Fahrzeugen hier sind, albert herum und lacht sehr laut. So gehe ich zu meinem Fahrzeug, neben dem gerade eine der jungen Frauen ihr Geschäft erledigt. Muss das sein? So, dann werde ich mal das Problem meines Blinkers analysieren. Es stellt sich heraus, dass der Schalter – ein Ein-Aus-Ein-Schalter – selber das Problem ist. Das eine „Ein“ ist defekt, und das nach so kurzer Zeit. Zum Glück ist es einer in doppelter Ausführung, und so schliesse ich die drei Kabel auf der anderen Seite an, und alles funktioniert einwandfrei. Ich hoffe, das geht nun nicht wieder kaputt. Das Rudel Amis zieht laut lachend ab, und die Stille kehrt ein. Was für eine Erlösung. Ein kurzer Blick auf die Trackerkarte zeigt mir, dass Team Mistermog gleich in Lower Sabie sein wird. Schon praktisch, zu sehen, wo die Freunde sind. Ich schreibe eine kurze Nachricht und mache mich auch auf den Weg. Vor Ort auf der Terrasse vom Restaurant treffen wir auch noch auf Team Vito, die kurz aus dem Kruger rausgefahren sind, um einige Reparaturen bei Mercedes machen zu lassen. Wir geniessen ein Getränk und haben das eine und andere zu berichten. Da wir uns am Abend alle in Crocodile Bridge treffen, geht es nun los. Ich gehe noch kurz zur Rezeption und frage, was nun Sache ist mit dem Balule Camp. Das ist wirklich geschlossen, obwohl ich es vor zwei Tagen buchen konnte. So wird meine Buchung von zwei Tagen gelöscht und das Geld gutgeschrieben. Immerhin. Ich hätte das Camp zwar wirklich sehr gerne besucht, da ich die Frau, die es bewirtschaftet, sehr gut kenne und die Gegend vielversprechend ist. So mache ich mich also auf den Weg zurück und stehe nun unter dem Wurstbaum, den ich oben erwähnt habe. Ich habe etwas Blick runter zum Sabie River, wo sich einige Nilpferde tummeln. Wer hat sich das mit „Pferd“ wohl ausgedacht? Ich habe kurz recherchiert, und das kommt anscheinend daher, weil die Europäer die Tiere das erste Mal am Nil gesehen haben. Richtig ist eigentlich Flusspferd oder Grossflusspferd. Was sind denn die Kleinflusspferde? Wobei mir das mit dem Pferd auch nicht so richtig passt. Im Unterlauf des Nil sind die Tiere zudem auch noch ausgestorben. Der lateinische/griechische Name lautet Hippopotamus, was dann auch wieder Flusspferd bedeutet, da Hippo aus dem Griechischen „Pferd“ heisst und Potamos „der Fluss“ ist. In Wirklichkeit ist der Name eine klassische antike Fehlbenennung. Sie sind Paarhufer und genetisch viel näher mit Schweinen und sogar Walen verwandt als mit Pferden, die Unpaarhufer sind. Bis zum Camp passiere ich noch eine grössere Herde Zebras, in der auch Jungtiere zu sehen sind. Immer wieder schön, die Tiere zu beobachten. Dann begegnet mir noch ein Krankenwagen, der sehr freundlich Lichthupe gibt und winkt. Dachte wohl, ich sei ein Kollege mit meiner Schweizer Flagge vorne auf dem Fahrzeug. Im Camp sind schon Team Mistermog und Team Vito.
12.6.2026 Freitag, Crocodile Bridge – Malelane, Kruger NP
Am Morgen erst noch Abschied von Team Vito, die nun raus aus dem Kruger fahren und bald nach Deutschland fliegen. Dann los. Etwas Nebel liegt in der Luft, und die Temperatur ist um die 9 Grad. Ich fahre die S25 lang Richtung Westen und bin über den guten Zustand der Piste erstaunt. Habe ich doch die Tage vernommen, wie schlecht die sein soll. Auf der Strecke sehe ich dann einen Grader stehen, und dann ist alles klar: Die Piste wird gerade neu präpariert. Dann kommt eine Brücke über den Nsikazi River, der ganz kurz danach in den Crocodile River fliesst. Der Fluss wird in der Region oftmals metaphorisch als weiblich – „die Frau“ oder „die grosse Frau“ – bezeichnet, was sich auf seine Lebensader-Funktion oder die historische Bedeutung des Wasserlaufs für die dortigen Siedlungen bezieht. Auf dieser Brücke, die eigentlich eher eine Furt ist, gönne ich mir mein Frühstück. Heute mit dem von gestern frisch gebackenen Brot. Ein Drittel hat Team Vito bekommen und ein Drittel Team Mistermog. Ich komme an einer Gedenktafel vorbei. Da steht etwas von Tengamanzi. Es handelt sich um ein zusammengesetztes Wort, das wörtlich übersetzt „Wasser kaufen“ bedeutet. Hierbei handelt es sich um einen früheren Handelsposten. Wobei ich das Wort Manzi nun schon gut kenne. In den 1880er Jahren – lange bevor das Gebiet zum Nationalpark erklärt wurde – durchschnitt die berühmte Old Transport Road (die alte Transportstrasse für Ochsenwagen) die Region. An einer wichtigen Flussüberquerung, der Nellmapius-Furt am Crocodile River, errichtete Alf Roberts seinen Laden. Er nannte ihn Tengamanzi. Der Ort gilt in der Parkgeschichte als „wistful“ (wehmütig), da Alf Roberts als sehr freundlicher und grosszügiger Gastgeber für die damaligen Transportfahrer galt. Seine Geschichte endete jedoch tragisch: Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts bei einem Raubüberfall in seinem Laden von unbekannten Angreifern getötet. Wenige Meter daneben steht noch eine Gedenktafel, auf der etwas über die Flussquerung und Nellmapius Ford steht. Nellmapius Ford (im Englischen auch oft Nellmapius Drift genannt) ist eine historische Flussüberquerung (Furt). Sie spielte eine zentrale Rolle für den Transport im 19. Jahrhundert und ist der exakte Ort, an dem Alf Roberts seinen Laden betrieb. Die Nellmapius-Furt verlor im Jahr 1892 schlagartig ihre Bedeutung. In diesem Jahr wurde die berühmte Delagoa-Bay-Eisenbahnlinie (heute die Bahnstrecke zwischen Mpumalanga und Maputo) fertiggestellt. Der Transport mit Ochsenwagen brach fast über Nacht zusammen, da Waren nun viel schneller und sicherer per Zug transportiert werden konnten. Nur ein Stück westlich der Nellmapius-Furt liegt ein weiterer historischer Ort des Kruger-Parks. Während des Burenkrieges (Anglo-Buren-Krieg) am 16. September 1900 sahen sich die flüchtenden Buren-Streitkräfte unter General Ben Viljoen von der britischen Armee in die Enge getrieben. Um zu verhindern, dass ihre schweren Waffen dem Feind in die Hände fielen, zerstörten und versenkten sie einen Grossteil ihrer Artillerie und Munition genau dort im Busch. General Benjamin Johannes „Ben“ Viljoen war einer der schillerndsten und dynamischsten Buren-Generäle während des Zweiten Burenkrieges (1899–1902). Seine Truppen, zu denen vor allem Männer aus den Bergbaustädten um Johannesburg gehörten, waren für ihre unkonventionelle und zähe Kampfführung bekannt. Die härteste Truppe des Krieges: Die ZARPs (Zuid-Afrikaansche Republiek Politie) unter Viljoens erweitertem Kommando galten als absolute Elite. In der Schlacht von Bergendal (Ende August 1900) hielten sie tagelang unter mörderischem britischem Artilleriefeuer die Stellung und erwarben sich selbst beim britischen Gegner höchsten Respekt. Mitte September 1900 sassen Tausende Buren-Kämpfer in der Gegend um Hectorspruit und Komatipoort fest. Im Süden rückten die Briten vor, im Osten lag die Grenze zu Portugiesisch-Ostafrika (Mosambik). Da der dichte afrikanische Busch (das heutige Parkgebiet) für schwere Waffen unpassend war und man sie keinesfalls den Briten überlassen wollte, gaben die Generäle einen drastischen Befehl. Nahe Hectorspruit und entlang des Crocodile River sprengten die Buren ihre verbliebenen schweren Geschütze (darunter mächtige Creusot-Kanonen) und versenkten Munition und Gewehre im Fluss und im tiefen Unterholz. Dieser Moment veränderte Viljoens Kriegsführung radikal. Die Armee löste sich als konventionelle Truppe auf. Der alte, kranke Präsident Paul Kruger floh über die Grenze nach Europa, während Viljoen mit seinen Männern den Entschluss fasste, nicht aufzugeben. In den folgenden Monaten (Oktober 1900 bis Mitte 1901) wurden Viljoens Kommandos berüchtigt für blitzartige Sabotageakte. Sie bauten spezialisierte Minen aus abgesägten Gewehren und sprengten damit systematisch britische Nachschubzüge auf der Delagoa-Bay-Eisenbahnlinie in die Luft. Das Genie hinter diesen Sabotagen war ein Schotte namens Captain Oliver „Jack“ Hindon – im Volksmund ehrfürchtig „Dynamite Jack“ genannt. Er führte die hochspezialisierte Einheit der Hindon Scouts an, die direkt unter Viljoens Kommando operierte. Hindon erfand eine der ersten hocheffizienten mechanischen Minen (eine frühe Form einer IED / unkonventionellen Sprengvorrichtung). Die Konstruktion war genial wie simpel. Die Buren nahmen ein britisches Martini-Henry-Gewehr und sägten den Lauf sowie den Kolben jeweils wenige Zentimeter vor und hinter dem Magazin ab. Der Abzugsbügel wurde so abgefeilt, dass der Abzug komplett frei lag. Die Kugel wurde entfernt, sodass nur eine Platzpatrone im Lauf steckte. Unter einer Schienenverbindung (wo die Schiene am flexibelsten ist) buddelten sie ein Loch, platzierten Dynamit und legten das abgesägte Gewehr direkt darunter. Der Abzug berührte die Unterseite der stählernen Bahnschiene. Wenn nun die tonnenschwere britische Lokomotive über die Schiene rollte, bog sich der Stahl minimal nach unten, drückte auf den freiliegenden Abzug, das Gewehr feuerte die Platzpatrone ab, und der Funke zündete das Dynamit. Um keine Fussabdrücke im Sand zu hinterlassen, balancierten die Saboteure oft kilometerweit direkt auf den dünnen Eisenbahnschienen zum Zielort. Jedes Gramm überschüssiger Schotter und Sand aus dem Grabungsloch wurde in Säcken abtransportiert, damit die britischen Späher keine frisch umgegrabene Erde bemerkten.
Im Januar 1902 wurde Ben Viljoen schliesslich von den Briten in einen Hinterhalt gelockt und gefangen genommen. Er wurde in das Kriegsgefangenenlager auf der abgelegenen Atlantikinsel St. Helena verbannt. Nach dem Krieg weigerte er sich, den Treueid auf den britischen König zu schwören, und ging ins Exil in die USA. Dort zeigte er ein bemerkenswertes Talent zur Selbstdarstellung: 1904 trat er auf der Weltausstellung in St. Louis in einem „Burenkriegs-Zirkus“ auf, bei dem er vor Tausenden Zuschauern die Schlachten gegen die Briten theatralisch nachstellte. Später zog er nach Mexiko, wurde Berater von Revolutionsführer Pancho Villa und starb schliesslich 1917 in New Mexico. So, Bildungsauftrag erledigt. Ich wechsle auf die S119 und passiere recht grosse Herden von Impalas, Zebras und vereinzelt entdecke ich Warzenschweine sowie Giraffen. Eigentlich eine ganz schöne Strecke. Dann auf die S118, um auf die H3 zu kommen, auf der ich aus dem Park rausfahre. Ziel ist die Stadt Malelane, wo ich erst mal eine neue SIM-Karte kaufe, da meine vom letzten Jahr nicht reaktiviert werden kann. So habe ich von nun an eine neue südafrikanische Telefonnummer, und ich werde mich hüten, die hier hinzuschreiben. Dann noch ein Besuch bei einem Unternehmen, doch dazu fehlt mir noch ein Dokument. Ich berichte später darüber. Einkaufen steht auch noch an, und so schlendere ich gemütlich durch die Regale vom Superspar. Danach ein Mittagessen im Wimpy, wenn ich schon so nahe an einem bin. Daneben ist der Midas. Das ist ein Handwerkerladen, der meist ganz gut sortiert ist. Auch hier geniesse ich die Zeit, um das Sortiment besser kennenzulernen. Ich erstehe einen neuen Schalter mit drei Positionen in bester Qualität für meinen Blinker sowie ein Spray zum Reinigen des Luftmengenmessers. Etwas weiter die Strasse runter ist noch ein Baumarkt, den ich schon immer mal genauer ansehen wollte, und so schlendere ich auch durch diesen, ohne bei einem Artikel schwach zu werden. Nun aber zurück in den Kruger Nationalpark. Am Gate werde ich freundlich von einem Ranger bedient, und ich fahre die wenigen Kilometer zum Malelane Camp, wo Team Mistermog steht. Das Abendessen besteht heute aus einer Linsensuppe mit Kartoffel- und Möhreneinlage. Die Suppe ist für mich schon fast zu scharf, aber sehr lecker. Die Steckdose ist arg weit entfernt, und so bastle ich einen Anschluss, um drüben bei Mistermog an den Strom zu kommen. Nun noch am Blog basteln, damit du was zu lesen hast. Gute Nacht.
13.6.2026 Samstag, Malelane, Kruger NP
Manchmal verläuft ein Tag total anders als gedacht. Und so ist es heute auch. Ich fahre früh morgens los. Vorher noch den Abwasch erledigt und raus aus dem Gate in den Park. Geplant war, vorne an der Kreuzung nach rechts zu fahren. Ich habe auf dem Weg zur Kreuzung umgeplant und fahre nach links Richtung Berg-en-Dal und noch etwas weiter bis zur Wasserstelle Matjulu, wo neulich ein Löwe sass. Kleiner Hinweis: Wenn ich einmal einen Namen näher beschrieben habe, mache ich das im Regelfall nicht noch einmal, auch in folgenden Blogs. Also mindestens nicht in der Serie von einem Besuch. Es kann sein, dass ich das im nächsten Jahr nochmals beschreibe. Aber nun zurück zum Tag und was los ist. Nichts ist los an der Wasserstelle, und ich geniesse mein Frühstück. Ein feiner kalter Kakao (Pulver natürlich noch aus der Schweiz) und zwei Schnitten selbstgebackenes Brot mit Aprikosenmarmelade. Dabei beobachte ich die Umgebung, doch es sind nur wenige Bewegungen zu entdecken. So fahre ich dann über den Steilberg, wobei ich oben bei der Aussichtsstelle sehr lange warte und die Umgebung absuche. In der Ferne ein Elefant. Viel mehr ist nicht. Das Wetter ist eher kühl, leicht bedeckt, und es geht ein Wind. Das ist meist eine schlechte Voraussetzung für gute Sichtungen. So fahre ich runter auf die H3, um dann zur Renoster Pan Wasserstelle zu gelangen, wo ich nochmals länger ausharre. Heute sind hier nicht mal die Schnattergänse. Einzig die Sumpfschildkröten. Auf die ist Verlass. Immer so um die Mittagszeit klettern sie auf ihren Ast im Wasser und versuchen sich zu wärmen. Nebenbei grüble ich über den weiteren Verlauf meiner Route. Es soll doch der Picknickplatz Afsaal sein, wo ich erst mal 60 Liter Diesel aus den Kanistern in den Tank kippe. Nun ist der Tank wieder fast voll. Es bringt nichts, dauernd mit viel Gewicht in der Gegend spazieren zu fahren, und so werde ich das reduzieren. Die Kanister bleiben leer, solange ich im Park unterwegs bin. Nach einer Pause fahre ich etwas zurück und in die H2-2 Piste ein. Im Schneckentempo suche ich alles ab. Werde ab und an von anderen Fahrzeugen überholt, was mir egal ist. Ich habe meinen Plan. Mitten auf der Strecke merke ich ein Hungergefühl, und so gibt es heute griechischen Salat. Immer lecker und heute mit einer Schnitte Brot. Weiter dann auf die S114, die mich Richtung Süden bringt. Die Piste ist leider in einem schlechten Zustand, doch da ich unter 10 km/h fahre, ist das fast egal. Auch an der Brücke nichts Besonderes. Fast nehme ich Kurs zum Camp und beschliesse kurzfristig, in die Gegenrichtung zu fahren – also in die S119. Und das war die beste Entscheidung des Tages. Nach etwa 500 Metern entdecke ich einen grauen, grossen Stein, den ich da noch nie gesehen habe. Moment mal, da wackeln doch Ohren an dem Stein, und es ist kein Stein, sondern ein Nashorn in etwa 250 Metern Entfernung. Es liegt am Boden und wackelt immer mal mit den Ohren. Mehr ist nicht los. Nun ist Warten angesagt, und ich finde Zeit, meinen guten Freund in der Schweiz anzurufen. Etliche Male habe ich es die Tage schon probiert, und heute klappt es. Wir haben wie immer ein sehr angeregtes Gespräch über vieles, was uns bewegt. Ich erzähle ihm auch vom Nashorn, und ab und an kommt ein Auto vorbei, wartet zwei Minuten und fährt weiter. Im Gespräch kommt plötzlich etwas Bewegung in die Sache: Das Nashorn steht auf. Legt sich wieder hin, und das war es erst mal. Um das Nashorn herum grasen sieben Impalas. Ein Safarifahrzeug kommt an, und ich mache auf das Nashorn aufmerksam. Die Freude ist bei der Fahrerin wie auch bei den Gästen gross, doch auch die verdrücken sich nach kurzer Zeit. Auf einmal sehe ich, wie die Impalas nach links fliehen. Moment, da geht was. Doch was? Ich sehe noch nichts. Und auf einmal kommen von der rechten Seite zwei Nashörner ins Bild, wobei das Nashorn, das schon länger hier ist, nun steht. Das linke ist ein männliches Tier. Rechts kommen ein weibliches und ein halbwüchsiges Tier an. Die drei stehen nun etwa zehn Meter gegenüber, und die Spannung wächst. Was passiert nun? Es geht einige Zeit, und meinen Telefonpartner informiere ich immer mal über das Geschehen. Nun läuft das Halbwüchsige vor, hält kurz beim erwachsenen Tier und passiert es. Das Weibliche macht das Gleiche. Nun stehen sie Arsch an Arsch gegenüber. Ab und an einige Schritte. Spannend. Und zur Info: Ich stehe gut zwei Stunden und beobachte. Ich hoffe, die Bilder sind was geworden. In der Zwischenzeit hält übrigens noch ein Fahrzeug mit südafrikanischem Kennzeichen, und der Fahrer spricht mich auf Schweizerdeutsch an. Ich halte mich kurz, denn wir sehen uns am Abend im Camp. Ich verabschiede mich vom Telefonat und fahre glücklich zurück zum Camp. Team Mistermog hat den Platz gehütet, und ich muss etwas reparieren, was ich heute kaputt gemacht habe. Der Austausch der USB-Dose ist schnell erledigt, und nun ist Duschen angesagt. Ich treffe mich nach der Dusche noch mit dem Schweizer Paar, und wir haben eine spannende Unterhaltung. Danke, wir bleiben in Kontakt. Dann leckere Nudeln mit Biltong in einer Rahmsauce. Lecker. Das Rezept habe ich übrigens aus dem letzten Jahr von guten Freunden bekommen. DANKE. Nun aber Blog schreiben.
14.6.2026 Sonntag, Malelane, Kruger NP
Wartungsarbeiten und Blog erstellen sind angesagt.





















































2 Antworten auf „Kruger NP Teil 3 2026“
Hallo Thomas, hast wieder super recherchiert 👍und ich bin jetzt ein bisschen schlauer😂. Übrigens tolle Fotos von den Wildhunden, die wir bis jetzt tatsächlich noch nicht gesehen haben.
Vielen Dank für den Bericht und die tollen Bilder. Wir planen in der zweiten Oktober Hälfte den Kruger NP zu besuchen. Hoffe wir treffen dich in den nächsten Monaten wieder einmal.
Liebe Grüße aus Windhoek,
Oskar und Ursula