Kruger NP Teil 1 2026

Nachtrag zum vorherigen Blog: Die drei Karten werden nun angezeigt. Ich habe bei der Konfiguration einen Fehler gemacht. Also guck doch gerne nochmals in den vorherigen Blog.

Eben erfahren: Die Provinzpolizeikommissarin von Limpopo, Generalleutnant Thembi Hadebe, hat ein Team erfahrener Ermittler mobilisiert, um die Verdächtigen im brutalen Mordfall zweier Menschen aufzuspüren. Die Leichen der beiden wurden in der Nähe von Cross Corner an der Mündung des Levubu in den Limpopo im Kruger-Nationalpark, im Polizeibezirk Masisi im Distrikt Vhembe, gefunden.

Ersten Informationen zufolge trafen ein 71-jähriger weisser Mann und eine 73-jährige weisse Frau, deren Identität noch bestätigt wird, am Sonntag, dem 17. Mai 2026, in einem grünen Ford Ranger Doppelkabiner in einem der Camps im Kruger-Nationalpark ein.

Das Paar wurde zuletzt am Mittwochmorgen, dem 20. Mai 2026, am Picknickplatz Pafuri gesehen. Als sie nicht zurückkehrten, wurde eine Suchaktion eingeleitet.

Am Freitagnachmittag, dem 22. Mai 2026, entdeckten Touristen zwei Leichen, die in Cross Corner am Ufer des Levubu nahe der Mündung des Limpopo trieben, und alarmierten umgehend die Polizei. Polizei, Rettungsdienst, Mitarbeiter von SANParks und die Grenzschutzbehörde waren am Tatort im Einsatz. Erste Ermittlungen ergaben, dass der männliche Tote Stichverletzungen im Oberkörperbereich erlitten hatte, während die weibliche Tote ebenfalls schwere Verletzungen im Oberkörperbereich aufwies, die mutmasslich mit einem scharfen Gegenstand zugefügt wurden. Das Fahrzeug, ein grüner Ford Ranger Doppelkabiner, der vermutlich von den Opfern benutzt wurde, ist verschwunden. Die Umstände des Vorfalls sind derzeit noch unklar. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Mordes und Entführung in zwei Fällen eingeleitet. Generalleutnant Hadebe versicherte der Öffentlichkeit, dass alle verfügbaren Ressourcen mobilisiert wurden, um die Verantwortlichen zu ermitteln und vor Gericht zu bringen. Der südafrikanische Polizeidienst arbeitet eng mit den Behörden des Kruger-Nationalparks zusammen.

Mittlerweile habe ich mehr darüber erfahren. Die beiden Menschen waren aus der Kap Region und verbrachten jedes Jahr gerne bis zu sechs Monate hier in der Gegend. Sie waren sehr treue Gäste des Kruger-Nationalparks und sind sehr wahrscheinlich auf Wilderer gestossen, was dann ihr Schicksal besiegelte. Ich werde genau an den Ort fahren und den beiden gedenken.

24.5.2026 Sonntag, Panorama Rest Camp – Hippo Waterfront Lodge, Mbombela

Heute steht wenig auf der To-do-Liste, und so fahre ich sehr gemütlich kurz nach 7 Uhr los. Es ist wenig los auf der Strasse, und ich geniesse die Aussicht über die nebebelagten Wälder. Am Ziel angekommen stehe ich vor dem Gate, wo eine Nummer steht, die man anrufen soll, damit das Gate sich öffnet. Bei der Fahrt zur Rezeption fliegen einige Ibisse weg. Es ist eine schöne Anlage, und ich werde sehr freundlich begrüsst. Nach dem Zahlen fahre ich auf einen Platz, schliesse den Strom an und geniesse die Ruhe. Bald trifft auch Team Mistermog ein. Viel wird es heute nicht mehr. Ich lade mir ein Linux-Image runter und erstelle einen Bootstick – will ich doch die Tage mal ein Image von der internen SSD auf eine externe SSD ziehen, und mein Bootstick liegt zuhause. Wer das auch mal machen will, hier der Link und hier, etwa in der Mitte in der blauen Tabelle, Punkt 6, habe ich beschrieben, wie das geht: Link

25.5.2026 Montag, Hippo Waterfront Lodge, Mbombela – Malelane, Kruger NP

Früh um ca. 7 Uhr geht es los Richtung Mbombela, wo einige Termine anstehen. Als Erstes fahre ich an einen Ort, wo Victron sein soll, doch ich finde nichts vor. Gut, weiter zum «Battery Warehouse», wo ich 2023 zwei 200Ah Revov LiFePo4-Akkus gekauft habe. Eine hat leider den Geist aufgegeben, und ich habe sie über Bord geschmissen. Seitdem vermisse ich diese, und ich will mir eine neue zulegen. Sie steht auch schon bereit, und ich lade die mit einem breiten Grinsen in den Sprinter ein. Mit einer kann ich maximal mit 1200 Watt Leistung kochen. Ich koche ja mit Induktion. Mit der zweiten kann ich mit 2400 Watt kochen, und ab geht die Luzi. Der Einbau kommt später. Gleich gegenüber kann Team Mistermog die Gasflasche aus Deutschland füllen, was nicht so einfach ist. Danach ist Tanken bei der grossen LKW-Tankstelle beim Güterbahnhof angesagt, ist es dort doch etwas günstiger. Dann sind noch weitere Termine auf dem Plan, und schon geht es auf die Autobahn Nr. 4 Richtung Malelane. Die grossen Baustellen sind immer noch, und die Mautstelle hat auch aufgeschlagen. 96 Rand sind für diese Fahrt fällig. Ich fahre über die Brücke, die den Crocodile River quert, und stehe vor dem Gate zum Kruger-NP. KRUGER, klar? Formular ausfüllen, etwas Smalltalk, und schon darf ich reinfahren. Ich freue mich riesig, hier sein zu dürfen. Auf der kurzen Fahrt zum Camp sehe ich einige Wildschweine über die Strasse huschen. Also fast wie zuhause. Ups. Das Malelane Satellite Camp hat neu ein motorisiertes Tor. Zum Öffnen einfach den Knopf drücken. Mist, der ist für mich natürlich auf der falschen Seite. Hier ist Linksverkehr, und das Lenkrad ist bei denen auf der rechten Seite. Super toll bei Mautstellen, wenn ich dann auf den Beifahrersitz huschen muss. Nein, ich will nicht jammern. Alles gut. Der Campingplatz ist gut besucht, und doch finde ich einen tollen Schattenplatz. Einzig die Steckdose für den Strom ist sehr weit weg, und gerade heute brauche ich Strom, um den neuen Akku zu füllen, bevor ich die beiden zusammenschliesse. Zusammen mit Mistermog und zwei Laborkabeln (ich habe nichts Verbotenes gesehen) gelingt es, die Fahrzeuge anzuschliessen. Ich brauche dringend ein langes Kabel. Falls jemand in der nächsten Zeit vorbeikommt, ;-). Nun fange ich mit dem Einbau an. Immer gut aufpassen, damit es keinen Kurzschluss gibt. Bei zwei 200Ah-Akkus ist das kein Spass und wird sofort zum Feuerwerk. So, der grosse Moment ist gekommen, und das Kabel brückt die beiden Akkus. Nun noch etwas mit der Konfig spielen, was dann doch länger als erwartet dauert, und alles funktioniert. Ich bin ja gespannt. Abendessen und Planung für morgen bei Mistermog. Danke und gute Nacht.

26.5.2026 Dienstag, Malelane, Kruger NP – und ein Auftakt wie ein Feuerwerk

6 Uhr ist Gateöffnung, also kurz davor klingelt der Wecker. Gestern vergessen, den Reifendruck zu reduzieren, und so muss ich das heute Morgen im Dunkeln machen, was sogar ganz gut geht. Ich mache das mit Sekundenzählen, was ganz gute Resultate bringt. Ich schraube das Ventil mit meinem Werkzeug raus und zähle – hier mal 15 Sekunden, was etwa 1 Bar Reduktion ausmacht. So zischt es viermal, und ich bin bereit für die erste Fahrt 2026 im Kruger-Nationalpark. Gestern habe ich mir einen Plan gemacht, was ich heute abfahren möchte. Natürlich ist das auch etwas abhängig davon, was ich so sehe und wie der Zustand der Piste ist. Als Erstes geht es vor zur Hauptstrasse H3, die nach Norden führt. Kaum bin ich auf der H3, sehe ich im Dunkeln (ja, hier ist Winter, und somit um 6 Uhr morgens richtig dunkel) von rechts einen kapitalen Löwen mit richtig dunkler Mähne auf die Strasse laufen. Meiner Meinung nach ein Löwe aus dem Kgalagadi, wegen der tiefdunklen Mähne. Ich bin noch gar nicht richtig bereit zum Fotografieren, und es ist auch sehr dunkel, doch ich versuche mein Glück. Schon ist der Spuk vorbei und das stolze Tier im Busch verschwunden. Bei so einer Geschichte geht es um wenige Minuten, ob man das Tier sieht oder nicht. Es ist viel Glück und ein gutes Auge gefragt. Weiter im Norden biege ich ein in die S118, eine Piste, die ich vom letzten Jahr in ganz schlechtem Zustand kenne, die mir aber immer viel geboten hat. Es überrascht mich, wie gut der Zustand ist – als sei sie erst neulich gemacht worden. Das Befahren ist ein wahrer Genuss, und ich fahre im Schrittempo, um möglichst alles zu entdecken. Impalas und Zebras sichte ich, mein Objekt der Begierde sind jedoch Nashörner. Bis zur Brücke, die über den Mlambane River führt (der so gut wie kein Wasser führt), ist es sehr ruhig. Ich quere das Flussbett zweimal und fahre dann auf der S119 weiter, erst bis zum Gardenia Bird Hide und dann noch etwas weiter, kurz vor der Gabelung. Ein schöner Platz mit Blick über das Flussbett zum Frühstücken. Ich wende und fahre nochmals zum Bird Hide (das ist ein Ort, wo meist ein Haus steht, wo man gut Vögel beobachten kann. Ich kenne jedoch einen Platz seitlich vom Tümpel, von wo ich einen super Blick habe). Dann fahre ich zurück zur Brücke, die ich nochmals benutze, und fahre auf der S114 Richtung Norden. Die ist leider nicht in bestem Zustand und etwas rumpelig. Ich biege in die H2-2 ein. Hier hat das Namenskonzept irgendwie versagt, sind doch die H-Strassen immer geteert. Dies ist jedoch eine Piste. Nein, ich hinterfrage hier nichts. Es finden sich hier Gedenktafeln, wie im ganzen Park, die an «Jock of the Bushveld» erinnern. Dazu muss man wissen, dass dies ein sehr populäres südafrikanisches Kinderbuch von James Percy FitzPatrick aus dem Jahre 1907 ist. Das Buch handelt von einem Hund und ist eine tolle Geschichte mit tollen Erlebnissen und traurigem Ende. Es wurde 1986 sogar verfilmt. Die Musik dazu kommt von Johnny Clegg. Erinnere dich an den ersten Blog kurz vor dieser Reise. 2011 musste dann noch ein US-Zeichentrickfilm aus der Geschichte gemacht werden, um daraus Kapital zu schlagen. Betreffend Bushveld: Genau heisst diese Gegend hier «Lowveld Bushveld», wobei die Südafrikaner schmunzelnd von «Slowveld» sagen, weil hier alles etwas länger dauert. Das kommt daher, dass ich mich hier auf etwa 300 Meter über Meer befinde – also so wie zuhause. War ich doch neulich erst noch auf über 1800 Metern. Das schlägt sich bei den Temperaturen nieder. Die Nächte sind immer noch schön kühl, und am Tag wird es wunderbar warm. Beachte nochmals: Ich habe hier Winter. Ich schweife ab, doch die Tour hat ja den Namen «Digging deeper», und so grabe ich auch immer mal etwas in die Tiefe. Ach, wenn ich schon in die Geschichte eingestiegen bin: Der Park hat ja den Namen Kruger, und der ist auf Paul Kruger zurückzuführen. Der Herr war Präsident der Republik Südafrika, damals Transvaal genannt. Es lohnt sich, den Wiki-Beitrag über ihn mal zu lesen. Sein Ende war im Exil, wo er 1904 im Alter von 78 Jahren in der Schweiz, genauer in Clarens bei Montreux, starb. Und nochmals für alle, damit das klar ist: Es ist der Kruger-Nationalpark und nicht der Krüger! Der Park ist 350 km lang und im Schnitt 54 km breit. Das Schutzgebiet wurde am 26. März 1898 unter dem Präsidenten Paul Kruger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis gegründet. 1926 erhielt das Gebiet den Status Nationalpark und wurde in seinen heutigen Namen umbenannt. So, damit ist das schon mal klar, und ich berichte weiter von der Fahrt. Denn kurz nach der Einbiegung in die H2-2 geht links eine kleine Piste zu einer Gedenktafel mit dem Namen Fihla Manzi (Verstecktes Wasser) ab. Mehr ist da nicht, aber es ist Teil der Geschichte von oben. So fahre ich zurück auf die H2-2, und mit dem Ziel Picknickplatz quert doch tatsächlich mein erster Leopard 2026 hier im Kruger die Piste. Das nenne ich Glück. Er verschwindet genauso schnell im Busch, wie er aufgetaucht ist, und so fahre ich weiter an einem leider in schlechtem Zustand stehenden Windrad vorbei, das eine Wasserpumpe antreibt. Ich bin hier bei Jock Waterhole, und da ist schon wieder dieser Hund namens Jock. Vorne an der Einbiegung zur H3 ist dann nochmals eine Tafel zu lesen. Ich fahre die kurze Strecke nach Norden und erreiche den Afsaal Picknickplatz. «Ort, an dem die Reise unterbrochen wird» oder «Ausschirrplatz» (von afsaal = abspannen/absatteln). Ich gönne mir ein Nickerchen, um meine überanstrengten Augen etwas zu erholen. Wenn nicht hier, wo denn sonst, bei so einem Namen? Das Nickerchen ist etwas länger, und als ich meine Schiebetüre öffne, steht da Thorsten, der Mann von Lily. Im vorherigen Blog kannst du etwas über sie lesen. Ich freue mich riesig und staune, wie klein die Welt doch ist. Naja, ich werde hier im Park noch so einige liebe Menschen treffen, die ich kenne. Lass dich überraschen. Die beiden haben ein kleines Problem mit der Elektrik, was in etwa mein Gebiet ist. Klar, das Problem ist schnell behoben, und ich denke, da kommen später noch weitere Fragen von den beiden. Immer gerne.

Nach dem Treffen geht es dann zurück Richtung Süden, wo ich noch einen kleinen Abstecher zum Renosterpan Wasserloch (Afrikaans: bedeutet eigentlich Nashorn-Wasserloch) mache. Bei der Brücke über den Fluss treffe ich noch auf Team Mistermog, das heute nicht so früh unterwegs ist. Ich werde von einer deutschen Familie angesprochen, wie lange ich hier in Afrika schon unterwegs sei. Ich sage: «Huch, ich muss beim Einkaufen in der Schweiz wohl falsch abgebogen sein. Was, in Südafrika bin ich hier?» Etwas verdutzte Gesichter – ich liebe es. Zu sehen gibt es keine Nashörner, doch viele Sumpfschildkröten, was auch schön ist. Etwas weiter südlich fahre ich dann die S120 zum Steilberg-Ausguck. Dann fahre ich die S114 ein, wo zwei Löwen am Zebra verdauen, und begegne Team Mistermog nochmals. Die sind doch glatt an den vier Nashörnern vorbeigefahren, die ich kurz danach sehe. Ich schreibe eine WhatsApp, und sie drehen um. Ich fahre weiter, um nochmals die S119 und S118 zu fahren. Zurück auf der H3 muss ich mich aber beeilen, denn um 17:30 ist das Tor zu. Ich will hier nicht schon am ersten Tag einen Anschiss bekommen. Ich will eigentlich nie einen bekommen. Dann entdecke ich in einem fernen Baum noch einen Geparden mit einem Impala beim Schmaus. Ich bin ja gespannt, wie die Bilder in der Dämmerung bei 600 mm und 16.000 ASA werden. Nun aber zurück, wo ich keine fünf Minuten zu früh durch das Gate, das der Nachbar freundlicherweise für mich öffnet, fahre. Natürlich halte ich noch einen kurzen Schwatz mit zwei Nachbarn aus Südafrika (wobei einer tatsächlich Deutsch spricht) über den heutigen Tag und komme gerade noch rechtzeitig an den Tisch zum Abendessen zusammen mit Team Mistermog. Danke für das Kochen. Letzte Nacht hat SANParks eine Buchung, die ich in Balule habe, umgebucht, da das Camp wegen des Hochwassers noch nicht geöffnet ist.

27.5.2026 Mittwoch, Malelane, Kruger NP – Big Five an einem Tag

Der letzte Tag war ja schon super, doch heute soll es noch besser kommen. Gleich um 6 Uhr raus und kurz darauf eine Leopardensichtung. Somit ist der Start schon mal gelungen. Wenige Minuten darauf eine Löwensichtung. Nashorn kommt auch noch dazu, und so besteht bei mir die Hoffnung, die Big Five voll zu machen – und das an einem Tag. Beim Gardenia Bird Hide (der Name kommt von den Gardenia volkensii-Bäumen, die hier um das Wasserloch herum stehen) gibt es erst mal Frühstück. Dabei überlege ich mir, wie ich weiterfahren will. Ich entschliesse mich, die S114 Richtung Norden zu nehmen, und fahre bis zum Biyamiti Weir. Dort ist eine interessante Furt, und man ist auf Augenhöhe mit den Eisvögeln, die am Rand der Staumauer sitzen. Einen Sattelstorch entdecke ich auch noch sowie zwei Hammerkopfvögel. Gleich danach biege ich auf die S23 ein und fahre dem meist trockenen Flussbett entlang. Später biege ich auf die S113 und komme dadurch zurück auf die Teerstrasse H3, auf der ich dann Richtung Süden bis zum Picknickplatz Afsaal folge, wobei ich einen Büffel sehe. Nun habe ich schon vier von fünf der Big Five. Team Mistermog ist gerade im Aufbruch, und ich gönne mir eine Pause auf dem Platz. Nach der Pause fahre ich Richtung Süden bis zur S120, die auf den Steilberg führt. Da war ich zwar gestern schon, doch die südwestliche Abfahrt gestalte ich diesmal anders. Ich fahre diesmal über Berg-en-Dal, wobei vorher noch ein Besuch vom Matjulu Wasserloch (Tsonga: Ort der Zulu) drin liegt. Auf der Fahrt runter kommen mir einige potente Geländefahrzeuge entgegen, und mir kommt es vor, als sei ich mitten in die Dakar-Rallye gekommen. 40 km/h sind auf den Pisten erlaubt, doch nun stehe ich mitten in einer grossen Staubwolke. Eines der Fahrzeuge hält neben mir und warnt mich vor einem Elefanten, der sehr aggressiv sei. Der stehe wenige 100 Meter weiter. Alles klar, danke. Ich warte, bis ich wieder etwas sehe, und rolle gewohnt im ersten Gang langsam weiter. Nach einiger Zeit steht tatsächlich ein junger Elefant, gerade so im Teenageralter, rechts von der Piste. Ich halte an und beobachte. Sehe, wie alle Erwachsenen und weitere Kleine links stehen. Ich warte geduldig in etwa 50 Metern Abstand und beobachte. Der Kleine schreitet auf die Piste und guckt in meine Richtung, macht einige Steine und trollt sich dann links in den Busch zu seinen Verwandten. Für mich ist nun klar: Alles ist friedlich, und ich rolle im Schrittempo an der Herde vorbei. Die gucken nicht einmal, und alles ist total entspannt. Wenn ich natürlich wie ein Besessener da durchrase, schaut es nicht so aus. Also nun zur Wasserstelle, wo eine Impalaherde steht. Kurz darauf fahre ich die letzten Kilometer bis zum Camp und merke: Bingo. Big Five an einem Tag. Das hatte ich noch nie. Duschen und Abendessen – schon ist der Tag vorbei. Gute Nacht.

Erkenntnis des Tages: Immer respektvoll den Tieren begegnen.

28.5.2026 Donnerstag, Malelane, Kruger NP

Heute ist mal ein Frühstück bei den Impalas auf dem Plan. Auf der wenig befahrenen S114 sehe ich eine Herde, mache Halt, bereite mein Müsli vor und geniesse den Anblick beim Essen. Immer wieder schauen die Tiere zu mir rüber, ob ich wirklich kein Feind bin. Anschliessend fahre ich zu einem Aussichtspunkt über dem fast trockenen Flussbett und kümmere mich nochmals um den Blog. Wie ich nun so schreibe, hält ein Fahrzeug neben mir, und der Fahrer fragt, ob ich etwas sehe. Ich meine: «Ja, auf meinem Bildschirm.» Er meint danach ganz stolz: «Ah, du kannst die Tiere tracken. Auf Wiedersehen …» Ich sitze da und etwas sprachlos.

So fahre ich noch zum Wasserloch Ampie-se-Boorgat (in OpenStreetMap übrigens falsch geschrieben). Der Name entstand, wie zur Entstehungszeit des Kruger-Parks üblich, durch den Namen vom örtlichen Ranger, Feldhüter oder Inspektor. Und so kommt es aus dem Spitznamen Ampie (ein in Südafrika üblicher Spitzname für Abraham oder Albertus) zu dem Namen. Die Person hiess Ampie Coetzer. «Se Boorgat» steht dann noch für «sein Bohrloch». Ja, ich grabe auf dieser Tour etwas tiefer, und wenn etwas nicht ganz stimmen sollte, bitte ich die Leser, mir das mitzuteilen. Meines Wissens sind da doch mindestens zwei dabei, die es sehr genau wissen. Nun stehe ich beim Renosterpan Waterhole (Wasserloch der Nashörner), doch die Nashörner fehlen gerade. Dafür sind schon einige Sumpfschildkröten (Pelomedusa) auf die im Wasser liegenden Äste geklettert, um die wärmende Sonne zu geniessen. Diese Tiere sind im ganzen südlichen Afrika zu finden. In der Trockenzeit graben sie sich im Schlamm ein und überleben so. Die Panzerlänge kann bis zu 30 cm werden. Frisch geschlüpfte haben einen etwa 5 cm langen Panzer. Die Tiere werden etwa 60 Jahre alt. Falls du eine Schildkröte siehst, bitte NIE anfassen. Das ist unendlicher Stress für diese Tiere. Das sind keine Kuscheltiere. Die Verwandten von diesen hier, die Europäische Sumpfschildkröte, kannst du zum Beispiel in Basel im Tierpark «Lang Erle» sehen. Viel Spass.

Mittagessen diesmal bei der Picknick-Site Afsaal. Brot mit Ei und Schinken, aber richtig deftig und sehr salzig, wie es die Südafrikaner gerne mögen. Der zweite Teil vom Tag bietet leider keine spektakulären Sichtungen. Zurück im Camp erst mal einige Wartungsarbeiten. Der Motor verlangt nach 2 Litern Öl, was ich gerne rein kippe. Dann giesse ich gleich noch 40 Liter Diesel aus zwei Kanistern in den Haupttank. Die Planung für die morgige Strecke ist schnell gemacht: Ziel ist morgen Skukuza, das grösste Camp im Park und nicht mein Lieblingscamp. Klar, das Restaurant ist verlockend, doch dazu morgen mehr. Noch geniesse ich den Aufenthalt hier im Camp Malelane. Gönne mir eine Dusche und laufe noch etwas rum. Viele Bäume haben ein grünes Schild mit Nummer und Namen. Ich forsche etwas im Internet und finde raus, dass es hier im Park über 336 verschiedene Baumarten gibt. Das ist doch mal eine Ansage. In der Schweiz haben wir um die 76 heimische Arten. Deutschland anscheinend um die 77 heimische Arten. Frankreich trumpft da mit 140 heimischen Arten auf. Wenn wir schon mal bei den Zahlen sind: Es soll 147 Säugetierarten und über 500 Vogelarten hier geben. So, Abendessen ist bereit, und dann geht es ins Bett. Morgen um 6:00 fahre ich wie immer raus in die Natur. Und nun passiert noch ein Malör: Mein Tablet will nach einem Boot nichts mehr anzeigen, und ich kämpfe ganz schön, bis ich das zurechtgebogen habe. Klar, ich habe ein Zweitgerät dabei, aber das möchte ich nicht schon jetzt zum Einsatz bringen. Als Reaktion darauf habe ich alle unnötigen Apps deinstalliert. So ist das Gerät auch schneller. Gute Nacht.

29.5.2026 Freitag, Malelane – Skukuza, Kruger NP

Frühstück gibt es heute beim Renosterpan Wasserloch. Leider wieder keine Nashörner hier. Ich beobachte Nilgänse und Sumpfschildkröten. Ist auch cool. Den Auftakt der heutigen Tour machen dann sechs Löwen, die ich auf der H3-Strasse sehe. Kurz darauf laufen mir noch zwei Hyänen über den Weg. Das fängt ja super an. Nördlich vom Afsaal-Picknickplatz biege ich in die S113 ein, den Zubringer für die S23, die nach Norden führt. Später wechsle ich auf die S114, auf der ich einer grossen Büffelherde begegne. Links und rechts der Piste und auch auf der Piste schauen mich viele Augen misstrauisch an. Es sind gut und gerne 400 Tiere, und ich soll da durch. Auf der anderen Seite steht ein Auto, das erst mal abwartet. Ich rolle mit weniger als halber Schrittgeschwindigkeit auf die Tiere zu. Diese fangen an, die Luft zu schnüffeln, um zu erkennen, was da wohl kommt. Die Tiere zählen zu den Big Five und haben den Beinamen «Schwarzer Tod», sind wirklich gefährlich. Pro Jahr sterben mehr als 200 Menschen wegen ihnen. Die Tiere greifen ohne Vorwarnung an, was sie besonders gefährlich macht. Man sagt auch, dass sie die Menschen wiedererkennen, die sie mal bedroht haben, und ihnen dann auflauern und angreifen. Ich bin nun nur noch knapp fünf Meter vom ersten Tier entfernt, halte und beobachte genau. Das Tier schnüffelt weiter und verdrückt sich dann zur Seite. Mehr und mehr folgen dem Beispiel, und ich kann mit ganz langsamer Geschwindigkeit passieren. Kurz darauf geht es auf die S112, die mich dann erst zwischen zwei Koppies (Steinhügel) durch auf die S20 und dann zum Shirimantanga (wörtlich übersetzt bedeutet der Name in der lokalen indigenen Sprache so viel wie «früher Gärtner») führt. Dort ist die Gedenktafel an Stevenson Hamilton (https://en.wikipedia.org/wiki/James_Stevenson-Hamilton) angebracht. Es liegt mitten in einer grossen Koppie, und ich muss mit Untersetzung hochfahren. In der Untersetzung habe ich viel mehr Fahrgefühl, und es geht alles wie in Zeitlupe. Stevenson war ein Soldat und später Tierschützer. Er wurde 1902 der erste Wildparkaufseher des Sabie Game Reserve. Die Eingeborenen gaben ihm in der Tsonga-Sprache den Spitznamen «Skukuza» (deutsch etwa: der Mann, der alles auf den Kopf stellt, oder der, der alles ausfegt). Der Name des Hauptcamps wurde im Jahre 1936, ursprünglich als Sabie Bridge bezeichnet, in diesem Sinne nach ihm benannt: Skukuza Camp. Ich verweile einige Zeit und geniesse den Ausblick in das weite Land. Dann geht es zurück runter auf die Piste, wo ich an der nahen Kreuzung auf Team Mistermog warte. Da sie einen Tracker haben, weiss ich, dass sie in wenigen Minuten da sein werden. Ich erzähle von meinem Plan, die Tour etwas zu verlängern, und fahre dann los. Sie selber folgen mir im Abstand. Es geht auf der S21 Richtung Osten. Die Strecke ist kurzweilig und bringt mich dann zur H4-1, auf der ich dann nach Norden fahre bis zum N’Watimhiri Dam (die Bedeutung des Namens: Der Begriff «N’watimhiri» stammt aus der lokalen Sprache Xitsonga. Er bedeutet in etwa «Ort der Büffel» oder «Platz der Kaffernbüffel»), wo sich heute viele Flusspferde tummeln. Am Rand mache ich einige Krokodile aus. Die sind noch grünlich, essen also Fisch und sind klein. Erst ab einer gewissen Grösse, wenn sie Fleisch fressen, wechselt dann deren Farbe zu Braun. Nun kommt langsam Hunger auf, und ich fahre die kurze Strecke bis zum Nkuhulu Picknickplatz, wo ich mir eine vegetarische Teigtasche gönne. Zur Nachspeise eine Waffel mit zwei grossen Kugeln Vanilleeis. Der Name leitet sich vom Xitsonga-Wort für den Natal-Mahagoni-Baum ab, der an diesem idyllischen Ort wächst. Schon kommt Team Mistermog angefahren, da auch sie Hunger haben. Eine Pizza soll es sein. Guten Appetit. Nun ist es nicht mehr weit zum Skukuza Camp. Der Name Skukuza stammt aus der Sprache der Shangaan (Tsonga) und leitet sich vom Wort Sikhukhuza ab. Er bedeutet sinngemäss «Neuer Besen» oder «Derjenige, der alles sauber fegt». Es war der Spitzname, den die Einheimischen dem ersten Parkaufseher, James Stevenson-Hamilton, gaben. Der Name bezog sich auf seine strikten Bemühungen, das Gebiet von Wilderern, Gesetzlosen und Jägern zu befreien und dort wieder für Recht und Ordnung zu sorgen.

Ursprünglich hiess der Ort um 1900 Sabie Bridge. Das Hauptcamp wurde 1936 offiziell in Skukuza umbenannt. Das Camp verfügt über 80 Stellplätze – ich dachte immer, es seien mehr, aber auch das ist schon viel. Dazu kommen noch 213 Hütten, und somit sind es gut und gerne um die 1000 Gäste, die hier auf dem Platz sind.

Und hier kommt es zu einem seit Tagen geplanten freudigen Treffen mit Team Wolfy. Die beiden aus Köln haben vor nicht allzu langer Zeit geheiratet. Wir haben uns letztes Jahr im Kgalagadi getroffen und genossen eine gute Zeit zusammen. Ja, so ist das mit Overlandern. Die Welt ist klein, und man trifft sich immer mal wieder. Team Mistermog gönnt sich ein Abendessen beim nahen Zug-Restaurant, und Team Wolfy und ich geniessen den Abend mit leckeren Reibekuchen, Salat und Weiterem. Nebenbei backe ich noch ein Brot auf dem Feuer, das leider einen etwas schwarzen Boden bekommt. Beim nächsten Mal klappt es sicher besser, aber es geht auch so zum Essen. Ach ja, das Zug-Restaurant: Beide Teams fragen mich, ob ich den Zug auch gesehen habe, der auf der Brücke steht, und wo der wohl hinfährt. Ich musste so lachen, da der Zug nirgendwo mehr hinfährt, sondern ein Hotel und ein Restaurant geworden ist. Es ist das Shalati Hotel/Restaurant und bietet 24 luxuriöse Zimmer in den Waggons. Die Highlights: Es gibt ein separates Pooldeck, das über den Fluss ragt und ein einmaliges Schwimmgefühl bietet. Von der Brücke aus können Elefanten, Flusspferde und Krokodile beobachtet werden.

Gute Nacht.

30.5.2026 Samstag, Skukuza, Kruger NP

Manchmal kommt es anders, als man denkt. Gestern eine nette Runde geplant. Die Nacht weniger gut geschlafen und trotzdem früh um 6 Uhr raus aus dem Camp. Ich kämpfe mit der Müdigkeit, und schon läuft mir eine Hyäne über die Strasse. Das ist ein netter Anfang. So fahre ich dem Sabi River entlang und überlege mir, wo ich frühstücken werde. So, der Platz ist gefunden. Leckeres frisch gebackenes Brot von gestern Abend mit Konfitüre. Oder ist das nun Marmelade? Egal, schmeckt. Dazu Kakao aus der Schweiz, der immer weniger wird. Nun weiter bis zur Brücke, die über den Fluss führt. Ich halte und geniesse den Anblick. Da kommt eine grosse Herde von sicher 50 oder mehr Elefanten und rennt zum Fluss runter. Immer lustig, den Dickhäutern zuzusehen. Sie können sich noch so beeilen – es schaut immer wie in Zeitlupe aus. Hinter mir erscheint Team Wolfy. Ich fahre nach einiger Zeit weiter und suche einen Platz für ein kleines Schläfchen, das ich bitter nötig habe. Den Plan mit der Runde verwerfe ich und lege mich aufs Ohr. Das Wetter will ja auch nicht so recht. Einmal vernehme ich das Brummen von Team Mistermog, also vom Mog, wie er neben mir vorbeizieht. Dann falle ich erneut ins Koma. Egal wie leise ein Geräusch draussen ist – ich wache immer sofort auf. Vermutlich ein Überbleibsel aus den Reisen von 1989 in Westafrika, das immer noch in mir steckt. Ich wache auf und beschliesse, zurück zum Camp zu fahren. Doch kaum vor dem Camp reisst das Wetter auf, und ich schmiede schnell einen Notfallplan. Da ist ein Teil im Kruger nahe dem Camp, den ich noch nicht kenne. So drehe ich in die H11 ein und dann in die S42. Das erste Ziel ist der Lake Panic Bird Hide. Das ist ein super angelegter Hide, wo ich Vögel und Nilpferde beobachten darf. Ach ja, oben an der letzten Kreuzung lagen auch noch zwei Löwen im Tiefschlaf, wie ich vorhin sah. Etwas weiter ist noch ein botanischer Teil mit toll angelegtem Weg. Sehr zu empfehlen und mal was anderes. Gleich daneben der wohl wildeste Golfclub – den schaue ich mir kurz an und denke mir meinen Teil dazu. Zurück auf der H11 fahre ich bis zum Gate, das aus dem Kruger hinausführt. Von da folge ich der S3 dem Sabi River entlang. Wechsle auf die S4 und wollte auf der S1 zu einem Damm fahren, der jedoch noch gesperrt ist. So fahre ich zurück zum Camp, wo Team Wolfy und Mistermog schon stehen. So bereite ich mal die Daten für den Blog vor und rege mich über die Software von Garmin so richtig auf. Alles Idioten, die das geschrieben haben. Das musste nun sein.

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Büffel
Kleiner Büffel
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Elefantenrennen
Junge Löwen
Golfer müssen hier immer ein Auge für Löwen offen haben
Hagedaschibis
Krokodil in schneller Bewegung
Nicht meine Freunde
Das Nielpferd geniest die Sonne. Vermutlich etwas zu viel.

Eine Antwort auf „Kruger NP Teil 1 2026“

Lieber Thomas, wir haben uns auch sehr über‘s Wiedersehen gefreut. Hab eine gute Zeit bis zum nächsten „Africa is Calling“ oder Live in Farbe im Oktober
Liebe Grüße
Team Wolfy

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