Kruger NP – Kgalagadi NP, Teil 1 vierter Besuch 2025

Die Verbindung vom Kruger-NP zum Kgalagadi klingt erst nicht so spektakulär und ich wollte erst gar nichts dazu schreiben. Nun ist doch einiges zusammengekommen, was interessant sein könnte. Erst mal die Frage: Um welche Strecke handelt es sich hierbei eigentlich? Es sind über 1500 km. Ui, so viel? Ja, so viel. Südafrika hat eine unglaubliche Dimension, was immer wieder gerne vergessen wird. Wie bitte, Thomas fährt dieses Jahr schon zum vierten Mal in den gleichen Park? Ja, und ich könnte noch viel mehr. Ich bin ja gespannt, wen ich im Park alles so antreffe. Von einer Person weiß ich es schon, dass sie im Park ist, und auf die freue ich mich ganz besonders. Nein, kein Südafrikaner.

26.11.2025 Mittwoch (Malelane (Kruger NP) Kaia Manzi Campground)

Ich habe nicht besonders geschlafen und muss doch hoch. Die erste Etappe steht bevor und mir macht der Sprinter etwas Sorgen. Im Park hat er sich immer sehr gut gemacht, aber da bin ich immer maximal 50 km/h auf Teer und 40 km/h auf den Pisten gefahren. Das sind die Maximalgeschwindigkeiten, die im Park erlaubt sind. Aber sobald ich aus dem Park raus bin, kann ich je nach Straße gut 120 km/h fahren. Ich weiß, dass, wenn ich über 80 km/h gefahren bin, der Sprinter immer in ein Notprogramm gefallen ist und fast keine Kraft mehr hatte. So ist es aber richtig mühsam, die 1800 km zu machen. Ich lasse es auf einen Test ankommen und fahre erst mal zum Gate. Mehr bleibt mir ja gar nicht übrig. Am Gate müssen eigentlich immer alle Fahrzeuge den Kofferraum zeigen. Es könnte ja ein totes Tier darin geschmuggelt werden. Nun, ich passe erst mal schon gar nicht mit dem Sprinter durch das Haupttor und darf ein Nebentor benutzen, das keine Höhenbegrenzung hat. Der Kofferraum interessiert nicht, aber wann ich wiederkomme, wollen die sofort wissen. Und ob ich ihnen was aus der Schweiz mitbringe. Jaja, mal sehen, was zu Hause weg muss. Dann die Fahrt nach Malelane, die erste Stadt nach dem Park, wo ich den Tank schön voll machen lasse. Von den 165 Litern Gesamtmenge passen tatsächlich über 140 Liter rein. Perfekt berechnet. Dann geht es los bis Mbombela, die Stadt hieß früher mal Nelspruit. Alles läuft wie am Schnürchen und der Sprinter zieht ordentlich. Später nehme ich nicht die R539, sondern bleibe dieses Mal auf der 4. Ich will mal sehen, ob diese Strecke auch so schön ist. Und ich werde nicht enttäuscht. Es geht von 300 Höhenmeter auf 2100 Meter hoch und der Sprinter fängt auch schon an, zu zicken. Ich halte immer mal an und versuche, mit Kontaktspray die Kontakte vom Luftmengenmesser zu verbessern. Es wird einfach nicht besser, aber ich will die erste Etappe schaffen. Habe ja einen Termin. Da es sich um eine Autobahn handelt, kommt auch ab und an eine Mautstelle, die immer eine Kleinigkeit abverlangt. Bei der tollen Raststätte Alzu mache ich Halt und gönne mir ein Nickerchen. Ja, die Sorgen um den Sprinter sind sehr belastend und ich muss sicher 20 Mal einen Reset durchlaufen. Ich komme beim tollen Camp Kaia Manzi (Haus am Wasser) an, wo ich zu einem privaten Braai eingeladen bin. Ja, ist privat und daher auch nicht mehr Informationen oder Bilder dazu.
Davor kümmere ich mich noch um den Sprinter. Was soll ich bloß machen? So komme ich nie nach Windhoek. Da erinnere ich mich an meinen Russlandaufenthalt. Damals erklärte mir einer von der Werkstatt. Du musst den Luftmengenmesser sorgfältig reinigen. Das Teil ist sehr heikel. Und genau das mache ich also. Danach prüfe ich noch, ob der Motor anspringt, und hoffe auf morgen.

27.11.2025 Donnerstag (Kaia Manzi Campground – Red Sands Ressort)

Erneut nicht gut geschlafen, mache ich mich auf und fahre Richtung Pretoria, dann runter Richtung Johannesburg, um dann nach Westen zu fahren. Ich bleibe nun immer auf der 14, die manchmal unglaublich ruppig sein kann. Nördlich von Krugersdorp kenne ich eine supergünstige Tankstelle, die ich natürlich anfahre. Ja, wenn ich schnell fahre, schluckt der Sprinter ordentlich. Und ja, er läuft und zieht wie am ersten Tag. Sogar 140 km/h sind machbar. Die Russen haben es halt schon drauf. Ich sehe sehr viel Landwirtschaft. Riesige Äcker, die gerade für die Aussaat vorbereitet werden. Die Traktoren sind sehr groß und die angehängten Maschinen noch größer. Dann fährt meist nicht ein Traktor alleine auf einem Acker, sondern 4, manchmal sogar 6, etwas verschoben zueinander. Dauert ja schon einige Zeit bis zum Ackerende, wo gewendet wird. Auch die Aussaat ist im Gange. Alles in einer anderen Dimension. Die heutige Etappe ist mehr als 650 km lang und führt durch zwei Städte, die sogar die Südafrikaner nicht gerne durchfahren. Alle raten mir, nicht zu halten. Das ist zum einen Vryburg und dann Kuruman. Ich halte mich an die Regel und alles läuft gut. Einzig bei beiden Städten sehe ich Jugendliche, die Steine aufheben und versuchen, mein Fahrzeug zu treffen. Was ist bloß los mit euch? Red Sand Country Lodge ist ein toller Ort zum Übernachten. Hier kann man auch gut ein paar Tage bleiben und Kräfte sammeln. Der Besitzer ist sehr nett und das Restaurant vorzüglich. Es gibt normale Campingplätze und dann noch ein paar etwas bessere mit tollem Schatten. Die kosten etwas mehr, aber das ist es mir wert. Auf dem Platz laufen einige interessante Tiere wie Lamas, Hühner und mehr rum.

28.11.2025 Freitag (Red Sands Ressort – Malapo Kalahari Lodge)

Und erneut schlecht geschlafen. Ich muss los, es hilft nichts. Draußen herrschen übrigens 12,5 Grad und in der Nacht gab es viel Regen. Die Strecke nach Upington ist interessant, da sie bei Bergwerken vorbeiführt. Das bringt dann leider auch grosses Lkw-Aufkommen mit sich. In Südafrika wird ja auf der linken Fahrbahn gefahren und mein Sprinter ist ein LHD-(Left-hand-Drive-)Fahrzeug. Und so zu überholen ist fast wie russisches Roulette zu spielen. Um nach vorne zu sehen, muss ich weit auf die andere Fahrbahn und schon steht ein LKW vor mir. Dazu kommt, dass der Sprinter zwar Sprinter heißt, aber eigentlich eher eine lahme Ente ist. Naja, nicht ganz so schlimm, aber von 100 km/h, so schnell sind die meisten LKW unterwegs, noch zu beschleunigen, ist schon eine Sache, die Zeit und somit viel Weg braucht. Da hier viel Bergbau betrieben wird, werden auch große Maschinen und Transportfahrzeuge gebraucht. So kann es sein, dass auf der Straße ein Warnfahrzeug kommt, das mich von der Straße jagt. Gleich dahinter mit ordentlicher Geschwindigkeit braust dann der Transporter, der beide Fahrspuren voll braucht, vorbei. Schon sehr eindrücklich. Dann ist hier in der Gegend auch viel Militär stationiert. Da kommen manchmal seltsame Fahrzeuge entgegen, die eher an einen Endzeitfilm wie Mad Max erinnern. Ich denke, Mel Gibson hat sich hier voll inspirieren lassen. Ich schweife ab. Also in Upington versuche ich, neue Reifen zu bekommen. Ist nicht. So werde ich mich bis Windhoek mit den alten Finken begnügen müssen. Dann nochmals bei einer günstigen Tankstelle, die eigentlich nur für LKW ist, auftanken und gleich bei der nahen Bäckerei ein perfektes Sauerteigbrot und einige kleine Gebäcke erstehen. Weiter zum Superspar-Supermarkt, um Lebensmittel aufzustocken. Frischware und was sonst noch fehlt. Eine der Landebahnen des hiesigen Flughafens ist mit 4900 Metern die längste Landebahn eines Zivilflughafens auf der Südhalbkugel und könnte daher sogar als mögliche Landebahn für das Space Shuttle dienen.

 

Dann habe ich das Ziel im Norden im Kopf und fahre bei Rot über eine Kreuzung. Hinter mir ein Polizeifahrzeug, das hupt und mit Blaulicht mir über die Kreuzung tuckert. Danach Blaulicht aus und das war es. Die wollten nur, dass ich sicher durchkomme. Gleiche Sceene in Europa? Kein Kommentar. Nun also hoch bis etwa 60 km vor dem Gate zum Kgalagadi, wo ich auf den Campingplatz Molopo Kalahari Lodge fahre. Eigentlich eine schöne und großzügige Anlage, doch fast kein Schatten und der Pool schaut nicht bereit für ein Bad aus. Ich lese gut 36 Grad Temperatur. Dafür ist die Dusche toll. Morgen geht es in den Kgalagadi-NP. Gute Nacht …

29.11.2025 Samstag (Malapo Kalahari Lodge (Südafrika) – Rooiputs (Botswana))

Etwas schlecht geschlafen habe ich, hat jedoch nichts mit der Reise zu tun. Nun ja, ich fahre also etwas später als gewünscht zum Gate und Zoll vom Kgalagadi-NP. Die Formalitäten sind schnell erledigt, ich habe alles schon gemacht, damit ich später direkt über Mata Mata nach Namibia reisen kann. Mein Plan, noch zwei Nächte Polentswa zu bekommen, geht leider nicht auf. Dann noch die Fotohalterung montieren und die Kameras sowie das Fernglas bereitlegen, Reifendruck reduzieren und es geht los. Ich bin so was von aufgeregt. Wie schaut es aus? Hat es viele Tiere und vieles mehr. Ich werde nicht enttäuscht. Das Nossob-Flussbett ist grün und in den Pisten steht manchmal das Wasser vom vergangenen Regen. Nahrung im Überfluss für die Tiere. Dann sehe ich die ersten Oryx, Gnus, Springböcke, Schildkröten und vieles mehr. Beim ersten Wasserloch melde ich mich erst mal bei einigen meiner Freunde mit der Hoffnung, einige im Park zu treffen. Was soll ich schreiben, ich bin mehr als überwältigt. Mit so einem Feedback hätte ich nie gerechnet. Etliche Freunde sind verteilt im Park unterwegs. Nach dem sehr späten Frühstück am Wasserloch mache ich mich auf zum Kij-Kij-Wasserloch, was eines der ergiebigsten im Park hier im Süden ist. So fahre ich langsam den Nossob-Fluss entlang, nein, er hat kein Wasser, und entdecke Riesentrappe, Sekretär, große Ansammlungen von Straußen und eine sehr große Springbockherde mit mehreren Hundert Tieren. Es ist einfach, wie in einem wunderbaren Traum, das erleben zu dürfen. Ich mache Halt beim Bau der Schakale und bin erstaunt, wie groß die Jungen geworden sind seit meinem letzten Besuch. Dann kommt mir ein Fahrzeug entgegen, das unverkennbar ist, die ersten sehr guten Freunde einfach per Zufall. Ich freue mich so sehr, die beiden zu sehen. Kurze Unterhaltung, denn sie müssen einiges erledigen. Ich fahre noch bis zum Melkvlei-Picknickplatz, um etwas Mittagsruhe im Schatten der Bäume zu genießen, und werde von einer tollen Mitteilung überrascht. So wird es Änderungen in einem gebuchten Camp geben, die der absolute Hammer sind. Die erste wichtige Änderung ist schon heute: So stehe ich nicht in Twee Rivieren, sondern im schönen Rooiputs Nr. 1, wie es ja auch im Titel von diesem Tag zu sehen ist. Ich stehe zusammen mit meinen lieben Freunden und wir genießen den kühlen Abend natürlich mit Braai. Ich werde spontan dazu eingeladen und bin begeistert. DANKE

30.11.2025 Sonntag (Rooiputs (Botswana) – Twee rivieren (Südafrika))

Früh geht es los. Um 5:30 Uhr darf man offiziell das Camp verlassen und so fahre ich ganz gemütlich den Nossob entlang Richtung Norden. Der erste Halt ist wie meist bei der Wasserstelle Kij-Kij. Leider Fehlanzeige und so geht es weiter. Nicht lange und ich sehe einige Fahrzeuge stehen. Klar, da muss was sein. Ein Löwe liegt stolz auf der roten Düne und genießt sichtlich die Morgensonne. Danach weiter bis zum Melkvlei-Picknickplatz. Frühstück ist angesagt. Und ich lege mich nochmals hin. Später dann zurück bis Kij-Kij, wo ich die Abzweigung zur unteren Dünenstraße nehme. Dieser folge ich bis rüber zum Auob River, wo dann ein toller Picknick-Platz namens Auchterlonie ist. Hier parke ich und genieße die Ruhe. Ab und an kräht ein Rabe und sonst nichts. Nur neben mir eine ruhige südafrikanische Familie, die ihren Braai genießt. Nach einiger Zeit erscheint der Mann von nebenan an meiner Schiebetüre und reicht mir einen Teller mit Südafrikanischen Köstlichkeiten. Durch diese Geste erhebe ich Südafrika nun auch zu den freundlichsten Ländern dieser schönen Welt. In diesem ehrenwerten Zirkel sind für mich erst der Iran und die Mongolei und nun auch Südafrika. Liebe Menschen hier in Südafrika. Ihr seid so hilfsbereit und freundlich. Großartig. Ich bin am richtigen Ort angekommen. DANKE. Oder sehe ich etwa schon so mager aus und die haben nur Mitleid? Grins. Ich fahre runter bis zur Flussmündung und dann nochmals hoch bis Kij-Kij, wo ich nochmals einen Löwen sichten darf. Diesmal ein Weibchen, das kürzlich Junge geworfen hat. Warum werden die Jungen eigentlich geworfen? Das erfahre ich von meinen Freunden, die sich hier top auskennen.

Was sind eigentlich der Nossob und der Auob River? Der Nossob (bedeutet in der Khoikhoi-Sprache „Schwarzer Fluss“) entspringt in Namibia und bildet dann im Kgalagadi-NP die Grenze zwischen Südafrika und Botswana. Nach etwa 740 km mündet der Fluss dann in den Oranje-Fluss, der bis zum Meer reicht. Der Auob ist ein Nebenfluss vom Nossob und mündet nach 400 km kurz vor Twee Rivieren, das ist da, wo ich heute campe, in diesen. Die beiden Flüsse führen im Schnitt einmal alle 100 Jahre richtig Wasser. Unterirdisch im Flussbett ist jedoch viel Wasser gespeichert.

Zum Schluss noch was zu den Nummernschildern hier in Südafrika, damit der Bildungsauftrag auch erfüllt ist (so hieß es doch mal im TV vor vielen Jahren).

MPWestern Cape
NCNorthern Cape
ECEastern Cape
ZNKwaZulu Natal
FSFree State
NWNorth West
GPGauteng (Hier frage ich mich immer, warum nicht GT, „Platz des Goldes“)
MPMpumalanga (Was für ein tolles Wort, Land der aufgehenden Sonne“)
N oder LLimpopo

Und das Landeszeichen ist ZA

Weitere Infos dazu hier

Und was auch sehr interessant ist. Es gibt drei Hauptstädte:

ExekutiveRegierungPretoria
LegislativeParlamentKapstadt
Judikativeoberstes BerufungsgerichtBloemfontein

Ich habe das nicht selber fotografiert, ist sicher nicht erlaubt. Aber das sind solche Fahrzeuge die ich gesehen habe. Mad Max lässt grüssen
Ich habe das nicht selber fotografiert, ist sicher nicht erlaubt. Aber das sind solche Fahrzeuge die ich gesehen habe. Mad Max lässt grüssen
Fröhlich am Morgen im Kgalagadi unterwegs
Grosse Springböcke Herden
Mäusebussard bewacht die Piste sehr genau. Hier kommt keiner durch.
Riesentrappe auf Beutefang
Junger Schakal. Tolle Zähne hat der Kerl.
Das wird die neue Sommermode. Oder ist das Tarnung?
Ohrengeier
Strausse finden immer was am Boden
TBD mit Fang
Mein erster Löwe bei diesem Besuch
Piste mitten im Nossob Fluss. Aktuell wegen den kürzlichen Regenfällen sehr grün. Das ist auch die Grenze zwischen Südafrika und Botswana
Grenzstein zwischen Südafrika und Botswana. Mehr ist hier nicht. Kein Zaun, gar nichts. Manchmal fährt man in Südafrika und manchmal in Botswana.
Typischer Wegweiser im Park
Blick von einem Hügel bei Kij Gamies Wasserloch auf die untere Dünenstrasse. Das ist eine der Verbindungsstraßen zwischen den Flüssen
Das ist übriges «The Tree» an der Piste im Nossob Fluss
Löwe Nummer 2.
TBD
Erdmännchen
Das Fahrzeug meiner Freunde bei der Löwenbeobachtung.
Das habe ich zum Kosten bekommen. Nochmals vielen Dank.

 

3 Antworten auf „Kruger NP – Kgalagadi NP, Teil 1 vierter Besuch 2025“

It was lovely meeting you today, and the food was only a pleasure.
A «braai broodtjie», «boerewors», and «skaap stertjie» are truly South African food. I hope seeing you again along your journey here in our beautiful country 🙂

Vielen Dank für den informativen Blog Teil 4.
Weiterhin tolle Erlebnisse und eine gute Fahrt.

Zufall oder Absicht. 2 gepanzerte Fahrzeuge und dann die gepanzerte Schildkröte. 🙂 🙂 🙂 Mad Max kann nicht mithalten, das letztere ist in allen Beziehungen mein Favorit

Lg Kurt

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