Warum eigentlich dreimal in einem Jahr in den gleichen Nationalpark? Ich besuche den Park übrigens noch einmal in diesem Jahr. Es gibt so Orte auf dieser Welt, die liebe ich über alles und genau dieser Park ist einer davon. Ich finde es interessant zu unterschiedlichen Jahreszeiten den gleichen Ort zu besuchen. Natürlich nur, wenn er in meinen Augen attraktiv ist. Und das ist schon des Rätsels Lösung.
12.10.2025 (Windhoek Urban Camp – Bastion Farmland, kurz vor Mariental)
Also Heute Morgen ist erst mal Ausschlafen angesagt. Nach dem Frühstück, das mager ausfällt, bereite ich das Fahrzeug für die Fahrt vor. Alles sichern und Luken schließen. Ich bin etwas aufgeregt, da ich doch schon längere Zeit keine Strecken mehr gefahren bin und nun steht eine größere Runde vor mir. Falsch, ich bin sehr aufgeregt. Ich verabschiede mich noch von einer sehr netten Familie aus der Schweiz, die 2 Wochen mit ihren beiden Kindern Namibia besucht hat. Dann wird es schwer, sehr schwer. Der Abschied vom Fahrer des „Rock the Mog“-Teams. Ich stehe den Tränen sehr nahe, denn er ist mir ein guter Freund und hat immer eine innere Ruhe. Schluckend laufe ich zum Sprinter und starte die Maschine. Alles scheint gut zu sein und ich rolle ganz langsam an „Rock the Mog“ und den Schweizern hoch zum Eingangstor. Ja Thomas, nun gilt es ernst, die Fahrt fängt genau hier an. Ich bin hier auf 1600 Meter ü. Meer.
Es ist möglich, von Windhoek bis nach Mata-Mata (Namibia, Seite Eingang in den Nationalpark) in einem Tag zu fahren. Ich habe das letztes Jahr mal gemacht und fand die Strecke zu lang. Also muss ein Zwischenhalt dazu und das ist in meinem Fall der Platz von Bastion Farmland. Bastion Farmland bietet vier wunderbare Plätze an, die jeweils über ein eigenes kleines Häuschen verfügen. Darin befinden sich eine große Dusche, das WC und ein Waschbecken. Alles sehr geräumig und vor allem sehr sauber. Es werden 150 N$, was ca. 7 CHF entspricht, pro Person berechnet. Vom Urban Camp in Windhoek bis hierher sind es genau 256 Kilometer, was für mich eine nette Tagesstrecke ist. Windhoek, das auf 1600 Metern über dem Meer liegt, wird über einen kleinen Pass Richtung Süden verlassen. Die Straße ist sehr gut und somit auch mit bis zu 120 km/h zu befahren. Die Straße ist vor allem im ersten Teil sehr abwechslungsreich und ich freue mich immer wieder, zwischen den Bergen „Falkenstein“ (1942 Meter) und „Schildkröte“ (2194 Meter) durchzufahren. Etwa 46 km nach dem Camping passiere ich eine Radarstation und bei 23 Grad 30 Minuten südlicher Breite passiere ich das «Tropic of Capricorn». Also der südliche Wendekreis der Sonne. Hier steht die Sonne meist um den 21. Dezember im Zenit. Das werde ich bei der Rückreise nach Windhoek somit knapp verpassen.
Ich erreiche das Camp Bastion Farmland kurz nach Mittag und die Besitzerin öffnet gleich das Tor. Sie erkennt mich wieder und freut sich, dass ich wieder hier stehen möchte. Nein, ich weiß alles noch vom letzten Mal und brauche keine Erklärung. Erst mal etwas Salat essen und dann Mittagsschläfchen. Zur Information. Hier sind es noch 1130 Meter ü. Meer. Somit tiefer als Windhoek und schon ist es merklich wärmer.
Ui, schon fast fünf Uhr, dann muss ich gleich den „Donkey“ anfeuern, sonst wird das nichts mit der warmen Dusche. Es soll eine Stunde Feuer brennen und dann ist es schön heiß. Eigentlich wollte ich heute auch noch ein Brot backen, doch daraus wird nichts.
13.10.2025 (Bastion Farmland – Mata Mata, Namibia Eingang zum Kgalagadi NP)
Das Tagesziel in 311 km steht klar und der Sprinter ist auch bereit. Los geht’s, schon recht früh am Morgen runter bis zur Abzweigung Richtung Stampriet auf der C20. Ich komme schnell voran und tanke nochmals auf. Dann ab auf die Piste M33, dem Auob-Riverbett entlang. Die Piste ist diesmal nicht so gut, aber eine flotte Fahrt mit 100 Sachen steht ihr nicht im Weg. Ich sehe eine kapitale Kobra, die fluchtartig die Piste verlässt. Dann passiert was Komisches. Auf einmal fällt die Leistung massiv zusammen und der Schaltknüppel rüttelt wie verrückt. Da stimmt was nicht mehr. Fühlt sich an, als seien nur noch 4 von 5 Zylindern am Arbeiten. Ich habe ein komisches Gefühl, muss aber Ruhe bewahren. Halte das Fahrzeug an und steige aus. Hinter dem Fahrzeug eine nasse Spur. Ganz schlecht. Ein Blick unter den Motor und ich sehe es richtig runterlaufen. Bloß, was ist das? Kühlwasser? Nein, es ist Diesel. Motorhaube auf. Gleich bei der Hochdruckpumpe sehe ich einen starken Dieselstrahl. Muss das sein? Und was ist es wirklich? Motor aus. Scheiße, alles heiß wie Sau, bin ja gefahren wie ein Henker. Es gibt so Dinge, die müssen nicht wirklich sein, oder? Nun gut, als Erstes den 14er-Schlüssel und sehen, ob die Überwurfmutter der Hochdruckleitung zwischen Pumpe und Einspritzventil locker ist. Nein. Scheiße. Also lösen und dann sehe ich es. Der verdickte Kopf der Aluminiumröhre ist abgebrochen. Ich hatte doch vor zwei Wochen das unförmige Bündel der Leitungen von meinem alten Motor in den Händen und dachte noch: „Ja, die fahren mit mir schon lange sinnlos spazieren.“ Danach kamen sie wieder in die Kiste mit den Ersatzteilen. Und heute ist der große Tag für eine der fünf. Erst die Halterungen lösen, dann die beiden Enden. Nun das Ausfädeln der Leitung. Wenn ich den erwische, der sich diesen Mist ausgedacht hat. Hat der überhaupt was gedacht? Idioten, weg von der Planung. Gut, ich musste sonst noch einiges wegschrauben und dann ging es raus. Dann das richtige Ersatzteil aussuchen und einfädeln. Leicht befestigen, alle Brieden festmachen und hier der nächste Pfusch. Diese Brieden sind zum K. … Egal, es ging dann schon und ich fluchte ganz schön. Nur blöd, dass keiner zuhört. Dann die beiden Überwurfmuttern festziehen. Ich sehe aus wie ein Schwein. Maschine starten. Rüttelt noch kurz und dann läuft alles super. Schwein muss man haben. Merken: Bei der nächsten Tour ein neues Set Einspritzleitungen, Einspritzdüsen und Befestigungsringe mitbringen. Nun aber los nach Mata Mata, wo der Zöllner mich freundlich mit „Willkommen, Thomas“ begrüßt. So ist es schön, die kennen mich noch. Habe wohl das letzte Mal einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Dadurch ist die Abfertigung ein Kinderspiel. Kurz nach mir erscheint ein junges Paar, das auch in den Park will und dann weiter nach Südafrika. Sie haben jedoch nur einen Tag gebucht und kommen so nicht rein. Zurück und einen weiten Umweg ist leider angesagt. Ich verabschiede mich und erwähne, dass ich im Dezember wiederkomme. Dann über die Grenze und zur Rezeption, wo mich die Dame auch gleich erkennt. Das ist so ein schönes Gefühl. Check-ins sind schnell gemacht und ein Zollbeamter, der neu hier ist, fängt auch noch an zu quatschen. Ein lockeres Gespräch, während er die Formalitäten erledigt. Ein Blick in das Fahrzeug. Das war’s. Hier werden normal Holz, Milchprodukte und frische Lebensmittel abgenommen, aber ich habe doch nichts dergleichen dabei. Niemals. ;-)Auf dem Camp suche ich einen Schattenplatz und bereite mich für den Game-Drive vor. Um 17:00 Uhr fahre ich los Richtung Süden, was der einzig mögliche Weg ist. Ich fahre zielstrebig zum Dalkeith-Wasserloch, wo ich Raubtiere vermute. Ich genieße die schöne Fahrt über die Hügel und dem Auobflussbett entlang und grinse über beide Backen. Sind das Freudentränen? Dann entdecke ich erneut eine Kapkobra und kurz darauf eine schwarze Mamba. Am Wasserloch sehe ich drei wunderschöne Löwendamen, die faul mitten auf der Piste liegen. Ich genieße den Anblick und mache ein paar Bilder. Muss doch bald zurück, denn um 19:00 Uhr schließt das Gate und ich will es nicht schon am ersten Tag versauen mit den Rangern. Zufrieden fahre ich zurück zum Camp Mata Mata auf meinen Platz. Was für ein Tag.
14.10.2025 (Mata Mata – Nossob, Kgalagadi NP)
Um 6:00 Uhr rolle ich durch das Gate, nur wenige sind hinter mir. Langsam fahre ich zum Wasserloch, wo gestern die drei Löwendamen lagen. Da liegt heute doch tatsächlich ein junger Löwe auf der Lauer. Dann will ich das mal beobachten. Keine Bewegung ist zu sehen und es nähert sich eine Oryxantilope. Ganz vorsichtig und immer mal mit Pausen kommt sie immer näher zur Wasserquelle. Sie sieht den Löwen tatsächlich nicht, wendet sich dann jedoch plötzlich ab. Hmm, was war das nun? Der Löwe sucht eine Mulde auf und drückt sich förmlich rein. Kurze Zeit später kommen zwei Oryx auf die Wasserstelle zu. Bis auf etwa 40 Meter an den Löwen ran. Dann drehen sie ab. Der Löwe steht auf und die Oryx scheuchen auf. Das war es erst mal. Gut, fahre ich halt weiter bis zum Kamqua-Picknickplatz. Ein Nickerchen ist angesagt. Danach fahre ich die obere Dünenstraße rüber zum Dikbaardskolk-Picknickplatz. Auf der Fahrt sitzt zweimal ein Strauß auf der Piste und flüchtet bei meiner schnellen Anfahrt. Und dann bekomme ich eine Meldung, dass meine Freunde aus der Schweiz, die ich in Windhoek kennenlernen durfte, heute in Nossob sind. Ja, das ist ja eine Freude. Die Fahrt hoch bis Nossob ist kurzweilig und schon bald rolle ich durch das Gate zum Camp. Schon winken meine Freunde vom Camp, haben sie doch einen super Schattenplatz für mich freigehalten. Kurz zur Rezeption, wo die Dame fragt: „Thomas, wie oft warst du dieses Jahr eigentlich schon hier?“ Ich grinse. Dann freudiges Wiedersehen und viel zu besprechen mit meinen Freunden. Kurz nach 17:00 Uhr fahre ich noch raus auf einen Game Drive und es lohnt sich. Eine Löwin ruht sich gemütlich auf dem Rücken liegend aus. Nach einiger Zeit wacht sie auf und das Gähnen beginnt. Nun aber schnell zurück und duschen. Wir verbringen einen wunderbaren Abend mit tollen Gesprächen und leckerem Essen. Danke, liebe Freunde.
15.10.2025 (Nossob – Twee River, Kgalagadi NP)
Kurz vor 6:00 Uhr Verabschiedung von meinen Freunden. Sie fahren erst nördlich und dann östlich nach Botswana. Wir werden uns sicher wiedersehen. Ich fahre südlich nach Twee River. Meine Gedanken sind heute bei zwei Freunden, die eigentlich auch in Afrika sein wollten. Heute muss sich mein lieber Freund einer Herzoperation unterziehen und ich bin in Gedanken bei ihm. Immer mal wieder überwältigen mich meine Gefühle. Liebe Freunde, was dieses Jahr nicht möglich war, holen wir nach. Wir sehen uns hier in Afrika.
Aktuell stehe ich auf dem Dikbaardskolk-Picknickplatz und schreibe den Blog, den du gerade vor dir hast. Eben fährt der Traktor vorbei und macht die Piste besser, den muss der Himmel geschickt haben. Danke. Dann will ich doch mal weiter und die neu preparierte Piste genießen. Die Fahrt führt an einigen Straßenfamilien vorbei. Die Kleinen sind einfach goldig.Zum Schluss noch eine sehr gute Nachricht. Die obgenannte Operation war sehr erfolgreich.
Anhang zur Kap Kobra:
Das Gift der Kapkobra ist eines der wirksamsten innerhalb der Gattung. Die Gefährlichkeit beruht auf dem hohen Anteil von Alpha-Toxinen, die irreversibel Synapsen blockieren. Es hat neurotoxischen Charakter und führt bei Beutetieren binnen weniger Sekunden zum Tode. Auch für den Menschen ist dieses Gift extrem gefährlich. Das Gift führt unbehandelt etwa in 50 % der Bissfälle zum Tode.
Anhang zur schwarzen Mamba:
Das Gift der Schwarzen Mamba ist – ebenso wie das anderer Mambaarten – ein Neurotoxin und auch für den Menschen sehr gefährlich. Die Wirkung wird im Wesentlichen durch mehrere Peptide unterschiedlicher Länge hervorgerufen. Neben der neurotoxischen Wirkung führen zusätzlich Kardio- und Zytotoxine zu Schäden am Herzmuskelgewebe. Die nur im Gift der Mambaarten enthaltenen Dendrotoxine blockieren bestimmte Subtypen spannungsgesteuerter Kaliumkanäle, was u. a. eine Störung der elektrischen Reizausbreitung im Herzen zur Folge haben und mit Herzrhythmusstörungen einhergehen kann. Mit einem Biss kann sie bis zu 400 Milligramm Gift in die Wunde injizieren. Bereits eine Menge von 15 bis 20 Milligramm kann bei einem erwachsenen Menschen tödlich wirken und im Extremfall innerhalb von 20 Minuten zum Tod durch Atemstillstand führen.





























