12.6.2025 (Donnerstag / Imhoff Caravan Park Tag 1)
Nach einer guten Nacht erst mal überlegen, was ich heute alles anstellen könnte. Ich muss meinen Kopf frei haben, um Neues aufzunehmen und zu planen. Somit erst gemütlich was essen und dann laufe ich vor zur Rezeption, um noch zwei weitere Nächte hierbleiben zu dürfen. Das macht 720 Rand (ca. 16 CHF pro Tag). Kein Schnäppchen, aber ok, sonst würde ich hier ja nicht bleiben. Ich entschließe mich für einen Ausflug zum sehr nahen Strand. In fünf Minuten stehe ich vor dem schneeweißen Sandstrand, der streng nach Meer riecht. Es liegen viele so riesige Seegrasbänder oder was auch immer das ist rum. Es sind einige Leute zu sehen, vor allem mit Hunden, die ihren Auslauf wollen. Einer der Hunde ist eine richtige Wildsau und schwimmt immer wieder weit raus. Die Wellen werden weiter draußen von Steinen gebrochen. Diese Wellen müssen mehrere Meter hoch sein, wie ich das aus der Ferne einschätzen kann. Direkt vor mir bereiten zwei Jugendliche ein motorisiertes kleines Schlauchboot für eine Ausfahrt vor. Ich will mir das anschauen, da ich ja jahrelang auch ein Schlauchboot hatte, und laufe Richtung Wasser auf den Steinen etwas raus. Zack, da liegt der alte Mann wieder mal im Dreck und genau wie immer das rechte Knie. Ich werde langsam alt. Nach dem Überschlag laufe ich noch etwas den Strand Richtung Süden entlang. Oben an der Landseite sind eine Villa nach der anderen zu sehen, die ordentlich im Schuss sind. Ich entdecke eine Person mit einer Staffelei, die den Tafelberg zu malen scheint. Da will ich mal nicht stören und laufe weiter. Oben nahe einer der Villen sind etliche Menschen zu sehen und es ist viel Bewegung in der Ansammlung. Beim Näherkommen sehe ich: Es wird gerade ein Film gedreht. Das ist ja spannend. Was das wohl für einen Streifen gibt, wenn er fertig ist? Ich laufe nicht eine kurze Strecke weiter und wende dann. Zurück beim Strandzugang sind ein Parkplatz und ein Klohäuschen. Da werde ich von einem Farbigen angesprochen und wir unterhalten uns köstlich. Er probiert herauszufinden, woher ich komme, schaffte es jedoch nicht. Übrigens wird hier nun schon zum x-ten Mal mein Dialekt gerühmt. Ich spreche anscheinend sehr angenehm für sie. Ich finde mein Englisch eher sehr bescheiden, aber ok, wenn die das sagen. Dann mache ich mich auf den Heimweg, wo mich der Schranken-Willi übereifrig mit Armwinken begrüßt. Nun, den Rest des Tages bin ich mal einfach anwesend.
13.6.2025 (Freitag / Imhoff Caravan Park Tag 2)
Eine weitere gute Nacht hier auf dem Gelände von Imhoff. Ich komme nur langsam in die Gänge, da es draußen noch kalt ist. So um die 13 Grad, wie ich lese, und im Expeditionsmobil ist es nicht viel mehr. Dann heize ich mal kurz auf, was mich daran erinnert, dass die zweite Heizung ja wieder nicht funktioniert. Da haben wir doch schon mal eine Aufgabe für heute. Nochmals durchlaufe ich die Prozedur, um den Fehler F50 zu löschen, und vernehme ein leises Brummen der Heizung. Ich lasse sie einige Minuten laufen, bevor ich sie abstelle. Scheint gut zu sein. Dann starte ich nochmals und ein Zyklus läuft wunderbar durch. Dann werde ich das am Abend nochmals testen. Wenn ich schon am Werkeln bin, dann schaue ich doch mal, ob der Sprinter noch läuft. Ja, aber nur ein paar Sekunden. Ein erneutes Starten wird verweigert und mir wird schon wieder fast schlecht. Ich gucke unter die Motorhaube und kann nichts Außergewöhnliches feststellen. Doch, da hinten bei der Dieselvorwärmung scheint es ölig zu sein. Ich reinige es mit Felgenreiniger, habe ich doch die Vermutung, dass es vom letzten Mal Öl nachfüllen sein muss, wo was daneben ging. Ich pumpe von Hand den Diesel nach und merke, wie die Leitung nach einigen Stößen voll ist. Ein erneuter Start und alles ist gut. Was war das wohl? Das hat er noch nie gemacht. Ich muss das im Auge behalten und entschließe mich für eine Proberunde. Er läuft, aber da könnte mehr sein. Also anhalten und Kontaktspray bei den Kontakten vom Luftmengenmesser. Nun zieht er, einzig oben raus fehlt noch etwas. Ich fahre an der Küstenstraße oben am Berg entlang und entdecke draußen auf dem Meer ein Containerschiff von ONE und eines von MSC.
Zurück beim Platz überlege ich, was ich machen kann. Ich rufe meinen Schweizer Freund an, der anscheinend gerade mit seiner Freundin in den Bergen rumkraxelt. Nach kurzer Besprechung meint er, ich solle doch mal versuchen, den Luftmengenmesser zu tauschen. Also gut, ich befolge den Rat und mache mich ans Werk. Es dauert schon einige Zeit, bis ich alles zusammen habe, um den Tausch zu machen. Ich schraube den alten Sensor raus und bin erstaunt, wie dreckig der ist. Die von der Mercedes-Werkstatt sagten mir doch, sie hätten alle Sensoren gereinigt. Niemals. Also setze ich den neuen ein, verstaue alles und starte erneut eine Probefahrt. Der Sprinter hat nun seinen Namen wirklich verdient und zieht das volle Drehzahlband wie gewohnt. Also zurück und mich erst mal bei meinem Freund herzlich bedanken. Und morgen sowie die folgenden Tage dann schauen, was ist, sowie mit der Zeit neues Vertrauen in das Fahrzeug aufbauen. Das Schloss der Beifahrertür geht ganz schlecht und auch eine komplette Zerlegung hilft nicht. Das wird eine andere Baustelle. Dann klackert und knirscht noch was bei der Hinterachse. Ich sprühe mal etwas feines Öl bei den Gummiteilen und Achsen hin, mit der Hoffnung, dass es verschwindet. Das Reinigen mit dem Hochdruckreiniger ist noch nie eine gute Idee gewesen. Ich besuche nach getaner Arbeit mal die Dusche und bin total erstaunt, auch zwei Räume mit je einer Badewanne zu sehen, und das ist nicht das erste Mal. Ich entscheide mich doch für die Dusche, obwohl die Wanne auch eine gute Wahl gewesen wäre. Ich bin ja morgen in einem Hotel und hoffe, da ist auch so ein Bottich. Ja, warum bin ich in einem Hotel? Es ist gegen Abend und mein Sohn macht sich auf den Weg nach Kapstadt. Am Morgen hatte er noch die letzte mündliche Französischprüfung und das war mit dieser Schule. Dann hoffe ich mal, er hat eine angenehme Anreise.
14.6.2025 (Samstag / Hotel Little Scotia Tag 1)
Gemütlich ausschlafen ist angesagt. Erst gegen Mittag bewege ich den Sprinter über die ganzen Hügel Richtung Kapstadt und er macht sich ordentlich. Einzig das letzte Bisschen im oberen Drehzahlbereich fehlt etwas. Ich bin der Meinung, der Dieselfilter müsste mal gewechselt werden. Ich kenne das, wenn es immer weniger wird, weil der Treibstoff fehlt. Das hatte ich vor vielen Jahren mal in Südamerika. Ich komme doch gut an beim Hotel, wo die kurze Einbahnstraße und die Einfahrt wirklich ganz schön eng sind. Speziell, weil noch einige Autos seitlich der Straße geparkt sind. Der Herr an der Rezeption ist sehr freundlich und ich bekomme von ihm das Zimmer Nummer 23. Es ist nicht ein großer Block mit den Zimmern, sondern verwinkelte Gässchen mit etlichen Häuschen. Zentral ein Schwimmbecken, was jedoch wegen der Kühle eher nicht benutzt wird. Dann die frohe Botschaft: Heute Abend ab 18:00 Uhr wird es für einige Stunden einen Stromausfall geben. Im Zimmer ist extra eine Kerze bereit. Wie romantisch. Ich hole mir meine Laterne sowie einiges mehr aus dem Sprinter und richte mich ein. Ich bin nicht wirklich gut auf dem Dampfer und somit genieße ich erst mal das Bett. Danach fange ich an, alle Geräte mit neuer Firmware usw. Zu beglücken, denn das Wi-Fi ist sehr schnell. Immer mal wieder werfe ich einen Blick auf den Flightradar, um zu sehen, wo Tim sich gerade befindet. Seine Flugroute unterscheidet sich etwas von der, die ich nach Johannesburg hatte. Ist ja klar, Kapstadt liegt ja einiges westlicher. Und bei einem der Kontrollblicke sehe ich gerade, wie das Flugzeug eine Kurve einleitet. Was nun? Ich beobachte aufmerksam und merke, wie ein schöner Kreis geflogen wird. Aha, Zeit vernichten ist angesagt. Dann fliegt das Flugzeug an Kapstadt vorbei, um einen Anflug vom Meer her zu machen. Es dauert nicht lange und Tim meldet sich. Zoll und Gepäck gehen recht schnell, nur sein Taxi ist nicht vor Ort. Doch der Fahrer meldet sich bei Tim, dass er gleich da sei. Dann laufe ich zur Rezeption, um zu fragen, wie lange die Fahrt zum Hotel in etwa dauert. Es sollen etwa 15 Minuten sein. Der Mann drückt mir die Fernsteuerung für das Einfahrtstor in die Hand und meint, ich könne das ja übernehmen. Er mache nun Feierabend. Erst denke ich noch, er macht einen kleinen Scherz, doch er macht Ernst. Kurz darauf sehe ich in der Überwachungskamera das Fahrzeug mit Tim und öffne die Türe. Tim schaut sehr müde aus und so sind wir bald im Bett, um für den nächsten Tag ausgeruht zu sein.
15.6.2025 (Sonntag / Hotel Little Scotia Tag 2, Tafelberg)
Nach einem gemütlichen Morgenessen bestelle ich ein Uber-Fahrzeug, das uns zur Talstation der Seilbahn bringen soll. Nach wenigen Minuten ist das Fahrzeug da und wir nutzen zum ersten Mal ein solches von Uber. Ich bin begeistert. An der Talstation haben wir schnell die Fahrkarten in den Händen und warten auf die nächste Gondel. Die Gondel ist identisch mit der von der Titlisbahn und ebenfalls von der Firma Caraventa erbaut worden. Die Fahrt hoch geht sehr schnell und wir steigen staunend aus der Gondel. Gemütlich laufen wir mit langen Pausen der Kante entlang und genießen immer wieder die tolle Aussicht bei wunderbarem Wetter. Es ist alles schön gemacht hier, einzig die Gondelstation hätte etwas mehr hergeben können. Wir entdecken eine Gruppe Klipschliefer, die wir einige Zeit beobachten. Die Tierchen sind schon putzig und anscheinend absolut schwindelfrei. Da ja meine Schweizer Freunde auch noch immer in der Stadt weilen, planen wir ein gemeinsames abendliches Nachtessen. Runter vom Tafelberg beschließen wir, mit einem Uber gleich zum Aquarium zu fahren, was sich absolut lohnt. Es ist toll, was da alles geboten wird. Die sehr sauberen Aquarien von stattlicher Größe zeigen von Quallen bis zu Haien vieles, was draußen im Atlantik sowie im Indischen Ozean zu finden ist. Auch große Schildkröten und zwei Arten von kleinen Pinguinen (ist dir bekannt, wie erbärmlich die stinken?) werden gezeigt. Das Ganze ist sehr abwechslungsreich gestaltet und die Zeit vergeht wie im Flug. Nach dem Aquarium genießen wir noch einen kleinen Rundgang beim Hafen. Tim entdeckt tatsächlich einen total heruntergekommenen Fischkutter, «More Sodruzhestva» aus der Ukraine. Um die Ecke stehen die Super-Aluminiumjachten «Vinson of Antarctica» und die Schwesterjacht «Amundson». Hier die sehr interessanten Tracks der beiden Schiffe der letzten Zeit: https://yb.tl/Vinsonstrip
Nun ist es an der Zeit für das Treffen mit den beiden aus der Schweiz. Abgemacht ist erst für einen Apéro im «Brauhaus», das direkt am Hafen liegt. Das Wiedersehen macht sehr große Freude und wir genießen die Gespräche und die gemeinsame Zeit. Siedeln dann zum sehr guten Restaurant «Teshas Waterfront» in der Nähe über, wo wir uns richtig kulinarisch verwöhnen lassen. Eine sehr gute Wahl. Danke euch beiden für den schönen Abend. Die Rückfahrt zum Hotel, klar, mit Uber.
16.6.2025 (Montag / Problem mit dem Sprinter ist immer noch)
Die Nacht war wegen etwas lauter Nachbarn eher bescheiden. Das Morgenessen ordentlich und wir wollen zum Kap fahren. Das Wetter eher sehr bescheiden und regnerisch. Ich merke, wie der Sprinter keine Lust hat und vor allem schwarzen Qualm produziert. Langsam kämpfe ich mich runter zur Hauptstraße, um dann erst mal nach dem Motor zu sehen. Das übliche Kontaktspray hat keine Wirkung und ich bin sprachlos. Zum Schluss versuche ich es, ohne den Luftmengenmesser anzustecken, und wir können fahren. Die Power fehlt, aber wir schaffen es gut zum nahen Camping, den ich schon mal die Tage belegte. Dieses Mal ist das Tor geschlossen und ich überlege, wie wir nun reinkommen. Keine Angaben am Tor und Hupen bringt nichts. Dann erinnere ich mich, von der Besitzerin über WA eine Meldung bekommen zu haben, und rufe damit an. Kurz darauf werden wir eingelassen. Nach dem Bezahlen fahre ich auf meinen Stammplatz. Auf der Fahrt zu diesem sehe ich den MAN der beiden Deutschen, jedoch nicht den Iveco. Ich denke mal, die sind auf Shoppingtour. Und genau so ist es. Wir richten uns im Sprinter wohnlich ein und ersetzen einige Teile durch Ersatzteile, die Tim mitgebracht hat. Gegen Abend fährt der Iveco auf den Platz.
17.6.2025 (Dienstag / Problem mit dem Sprinter ist immer noch)
Am Morgen scheitert der Startversuch kläglich und das Camping steht in schwarzem Rauch. Kontaktspray bringt nichts. Erst das Aufstecken des Sensors ermöglicht ein Fahren. Ziel ist südlich von Stellenbosch eine Werkstatt, die ich mir ausgesucht habe. Leider entpuppt sich diese als Reinfall und wir fahren zur nahen Mercedes-Werkstatt. Diese haben keine Zeit für uns und können nicht mal unseren Computer auslesen. Also fahren wir nach Stellenbosch zu meinem Freund, mit der Hoffnung, wir bekommen die neue Küchenplatte. Fehlanzeige. Die soll erst am Freitag bereit sein, und so blase ich die Übung ab. Weiter fahren wir zu einem Waffengeschäft und besorgen uns zwei Pfeffersprays für die Fahrerkabine. Dann weiter zur Mercedes-Werkstatt, die ich ja schon kenne. Heute keine Zeit, aber für morgen bekommen wir einen Termin. Mittlerweile läuft der Sprinter, da er vermutlich schön warm ist, und wir beschließen, mit einem kleinen Umweg bei 4×4-Megaworld, der leider nicht mehr da ist, zum Botanischen Garten zu fahren. Das Gelände ist riesig und wir steuern, da es Mittagszeit ist, erst mal das Restaurant an. Die Speisen sind sensationell. Draußen fängt es an zu regnen, was uns nicht von einem Rundgang abhält. Das Gelände ist riesig und alles sehr ordentlich. Speziell auch das Treibhaus finde ich super toll. Draußen auf dem Parkplatz hat der Sprinter wieder gar keine Lust und nebelt ordentlich alles ein. Die Fahrt zurück zum Camping ist anfangs sehr mühsam. Nach einiger Zeit stecke ich den Luftmengenmesser rein und er zieht dann ordentlich. Also eine weitere Nacht auf dem Campingplatz ist angesagt. Morgen soll es um 7:30 Uhr bei Mercedes losgehen. Drückt alle den Daumen, dass es dann alles gut ist.









Eine Antwort auf „Western Cape Teil 3“
Hallo mein lieber Thomas
Langweilig wird es dir nicht. Das ist ja der Wahnsinn was da alles abgeht mit deinem Sprinter denke das gehört alles zum Abenteuer weiterhin toi toi bleib gesund und bis zum nächsten Mal.
Lieber Gruss Rudolf