1989/90 Afrika

Alleine durch die Sahara

Nach über drei Jahren Vorbereitung fuhr ich spät abends los Richtung Genua um die Habib-Fähre nach Tunis als Startpunkt meiner Afrikatour zu erwischen. Am tunesischen Zoll verbrachte ich genervt meine ersten 24 Stunden auf afrikanischem Boden. An den Stränden Tunesiens gewöhnte ich mich einige Tage an die glühende Hitze der Sonne. Es war ja Winter bei uns in der Schweiz. Doch dann ging die Tour so richtig los. Ich durchquerte im Süden Tunesiens gleich einen ausgetrockneten Salzsee hinter dem der algerische Zoll auf mich wartete.
Mein Fahrzeug war mit ca. 150 l Wasser, 450 l Treibstoff und Unmengen an Nahrung schwer beladen. Auf der Hoggar-Piste fuhr ich Tagelang teils alleine, teils im Konvoi Schwarzafrika zu. Auf der Piste befreite ich mein VW-Bus täglich mehrere Male von dem Sand in dem ich stecken blieb. Nach etlichen Wochen stand ich in einem Tierreservat Nigerias, wo ich mich nur mit Wasser, Brot und meinen beiden Nikon F3 bepackt, ohne Fahrzeug und Unterkunft 8 Tage nach Tieren und Pflanzen umschaute.
Weitere Erlebnisse und einmalige Bilder gab es im kleinen Togo, wo täglich der Woodoo-Markt in Lome, der Hauptstadt durchgeführt wird. In Lome gab es auch eine freudige Begegnung mit Tilmann Waldthaler, dem bekannten Mountenbiker aus dem Tirol.
Mich trieb es weiter nach Ghana wo noch immer die schrecklichen Sklaven-Forth zu besichtigen sind.
Nun sind schon etliche Monate verstrichen und ich stand vor der Entscheidung das Fahrzeug mit einem Schiff nach Europa zu bringen oder Richtung Norden zu fahren um nochmals die gnadenlose, heisse Wüste zu durchqueren. Ich entschied mich noch etwas an der Elfenbeinküste auszuruhen und dann nach Norden zu fahren.
Im Norden der Elfenbeinküste traute ich meinen Augen nicht, als plötzlich der Petersdom am Horizont auftauchte. Der soll doch im Rom stehen?
In Mali packte mich nochmals die Wanderlust. 120 Km schleppte ich mich durch unwegsames Gelände um in das Reich der Dogon zu gelangen.
Nun trennten mich noch über 2000 km Wüste von der Heimat. Mit einem Kompass als treuen Begleiter wagte ich den Weg in die endlos scheinende Weite der Sahara. Stündlich kontrollierte ich peinlichst die Richtung, erfrischte mich mit lauwarmen Wasser und kümmerte mich um das Fahrzeug, ohne das ich sicher verloren gewesen wäre.
Nach 10 Tagen Fahrt und unzähligen Ausgrabungen verlor der Motor grosse Mengen Öl. Die Reparatur des Dichtungsringes am Motor kostete mich eine volle Woche. Es war ein Kampf gegen die Zeit und der verbleibenden Wassermenge. Doch nach drei Wochen sah ich die ersten Palmen am Horizont auftauchen. Ein unbeschreibliches Gefühl, drei Wochen in die gleiche Richtung zu fahren ohne einem Menschen zu begegnen.
Nach einigen Wochen „Urlaub“ im Süden Marokkos fuhr ich in wenigen Tagen in die kleine Schweiz zurück.
Eine kleine Auswahl von über 3500 Bilder (DIA, meist auf Kodachrome) dieser unglaublichen Reise sind hier veröffentlicht.